Dichte Regen- und Nebelwälder in allen Grüntönen, dazwischen kunterbunte Tiere und Pflanzen. Costa Rica ist bekannt für Naturschönheiten und seinen Artenreichtum. Fast ein Viertel des mittelamerikanischen Landes steht unter Naturschutz. Wer die vollkommen unberührte Natur sucht, findet sie in einem der vielen Schutzgebiete, berichtet unsere Reiseautorin Heidrun Lange.

Leise geht es durch den Regenwald. Vicy, der Guide, hält sein Fernglas in die Höhe und zeigt mit dem Finger in Richtung Baumwipfel. "Da ist der Schnabel des bunten Fischertukans." Hoch oben im Baumwipfel hat er sich gut im Laubwerk getarnt und beobachtet uns. Als wir das Objektiv fokussiert haben, fliegt er davon. "Um ein perfektes Foto von diesen farbenfrohen Vögeln zu bekommen, braucht man viel Geduld und Konzentration", sagt unser Guide.

Flora und Fauna im Überfluss

Ein winziger grüner Frosch mit roten Augen versucht sich zu verstecken. Er ist der schönste unter den Fröschen und auf jedem Reiseführer abgebildet. Doch auch er wittert Gefahr, lässt seinen Hals anschwellen und versteckt sich unter einem riesigen Farnblatt.

Mitten im Volcano Tenerio National Park im Anwesen von Donald und Pip Varella ist tierisch etwas los. Ein ideales Biotop für Frösche, Basilisken, Vögel, Schmetterlinge und Insekten aller Art. Palmen aus verschiedenen Ländern gedeihen neben Pandanusbäumen aus Australien oder Mandelbäumen aus Mittelamerika. Zwischendrin wachsen in den buntesten Varianten Blumen, Sträucher und Bäume aus aller Herren Länder. Ein privates Regenwaldreservat, das auf Nachhaltigkeit setzt. Der Käse kommt von den eigenen Kühen und Pip bietet Schulungen für die Mitarbeiter, in denen umweltfreundliche Arbeitsweisen erklärt werden. Mittlerweile machen die ersten Reisegruppen aus Deutschland in den geräumigen Holzhütten Urlaub.

Donald und Pip sind nicht die Einzigen, die das Zertifikat CFS (Zertifizierung von nachhaltigem Tourismus) erhalten haben und sich im Naturschutz engagieren. Während die Bauern zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den Achtzigerjahren insgesamt ein Drittel der Wälder Costa Ricas in Weiden für ihre Kühe verwandelten, um McDonald’s und Co. mit Fleisch zu versorgen, erkennen die Ticos heute in den Wäldern einen natürlichen Schatz.

Ökotourismus im Trend

Am Ende des Weges ohne Straßenlärm, umgeben von dicht bewaldeten Hängen, steht die Tenorio Lodge. Die Betreiber setzen mit Restaurant und robusten großzügigen Blockhütten auf alternative Energiegewinnung und organischen Anbau.

Zum Einschlafen und Aufwachen spielt die Natur eine Symphonie aus Blätterrauschen und Tierlauten. Am frühen Morgen allerdings zerreißt ein lautes Gebrüll die tropische Stille. Ein Blick in die Baumkronen offenbart die Schreihälse. Eine Gruppe Brüllaffen turnt durch die Wipfel auf der Suche nach saftigen Blättern und Früchten. Scheinbar ist es doch nicht so einsam, wie die Dschungelkulisse vermuten ließ.

Auf einem nur sieben Hektar großen Wiesenstück ließen die Betreiber einen Sekundärwald mit einem tropischen Ökosystem entstehen, der heute mit seinen Kaimanen, Fröschen, Faultieren, blauen Morphus-Schmetterlingen und zahlreichen Vogelarten Besucher anlockt. Mitten auf dem Grundstück hängt ein Faultier am Ast eines bemoosten Urwaldriesen. Die Augen sind fest geschlossen, die langen Krallen umschließen auch im Schlaf das Holz. Das Tier macht seinem Namen alle Ehre und lässt sich von den "Eindringlingen" nicht stören.

Im Nebelwald von Monteverde ist wieder zugewachsen, was im vergangenen Jahrhundert abgeholzt wurde. Der Nationalpark bietet Chlorophyll pur. Die Artenvielfalt ist weltberühmt. Das bis heute private Reservat geht auf das Konto der Quäker. Aus Enttäuschung über den Koreakrieg verließen sie in den 1950er-Jahren die USA und fanden in den Bergen Costa Ricas die heile Welt, die sie suchten. Bis heute sind die Quäker aktiv, um dieses Areal zu schützen.

In den Wipfeln der Bäume

Auf den acht schwankenden riesigen Hängebrücken, die in 12 bis 60 Metern Höhe schweben, kommt der Tourist dem quirligen Leben auf der obersten Baumebene sehr nah. Meterdicke Lianen verbinden Himmel und Erde. Die Wedel der Baumfarne, die Dinos der Flora, lassen sich vom Wind schaukeln. Auf dem benachbarten Busch liegt eine Giftschlange, die wegen der Tarnung ohne Guide nicht zu sehen wäre. Aus dem Inneren einer Bromelie schaut neugierig ein blauer Schmetterling heraus. Im Netz einer goldenen Seidenspinne glitzern Regentropfen. Eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten lebt hier oben in luftiger Höhe, nahe dem Sonnenschein und weit weg von den Gefahren des Bodens.

Dabei erfassen ungeübte Augen nur einen Bruchteil davon. Irgendwo da oben, im dichten Geäst des Regenwaldes, soll der bunte Quetzal-Vogel leben. Sicher hat er sich irgendwo in den Brotfruchtbäumen, Caobillas oder Mandelbäumen versteckt. Die Bäume gedeihen in dem jährlich mit bis zu 6.000 Millimetern Regen bewässerten Boden prächtig. Sie locken Vögel an, die weitere Samen herantragen und damit die Biodiversität vergrößern. So entsteht ein Bewuchs, der dem ursprünglichen Primärwald sehr ähnlich ist. Im dichten Geflecht der Baumkronen liegt eine verborgene Welt, die der Biologe Terry systematisch erforscht hat. Er suchte Baum für Baum und Hektar für Hektar nach Käfern und Insekten und überraschte die Wissenschaft mit geschätzten 30 Millionen Arten aus Mittelamerika.

Neben den Umweltthemen kommen in Costa Rica allerdings auch das Vergnügen und sportliche Abenteuer nicht zu kurz: Die Ticos haben Stahlseile (Zip-Lines) zwischen den Baumkronen gespannt. Diejenigen, die die Natur aus der Vogelperspektive erleben möchten, werden mit Sicherheitsgurten und Helmen ausgestattet und sausen in Höhe der Baumwipfel über Schluchten, Bäche und üppige Vegetation.

Reiseinformationen
Umfangreiche Informationen über Land und Leute findet man unter http://www.costa-rica.com oder http://www.visitcostarica.com .

Anreise: Condor fliegt z. B. von Frankfurt über die Dominikanische Republik nach San José. Preis ab 730 Euro ( http://www.condor.com ). Inlandsflüge: Die costa-ricanische Airline Natureair fliegt nach Nosara (Nicoya-Halbinsel)( http://www.natureair.com ).

Einreise: Reisepass mit sechs Monaten Gültigkeit genügt.

Klima: Es herrscht tropisches Klima. Am wenigsten Regen fällt in den Monaten Oktober/November bis März/April.

Gesundheit: Impfungen sind nicht zwingend vorgesehen.

Unterkünfte: Einige Lodges, die das Zertifikat CFS tragen, findet man unter http://www.olasverdeshotel.com , http://www.tenoriolodge.com , http://www.casitastenorio.com

Veranstalter: Eine Rundreise, bei der man einen Eindruck über die artenreiche Tierwelt und die einmalige tropische Natur bekommt, bietet Thomas Cook – Pura Vida – Costa Rica Intensiv ( http://www.thomascook.de ) oder TUI ( http://www.tui.com ).



Autorin:
Heidrun Lange

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (6) Seite 78-80