In unserem „Diskussionsforum“ in Heft 18/2012 hatten wir die Frage aufgeworfen, ob Ärzte ihren Patienten – bei offensichtlicher Erkältung, aber auch generell – die zum Gruß dargebotene Hand schütteln sollten und welche Hygienemaßnahmen sie in ihrer Praxis für angebracht halten. Hier fassen wir die Meinungen zusammen.


Wenn ich ins Sprechzimmer komme und gerade noch sehe, wie der brave Rechtshänder kräftig in seine rechte Hand hustet, dann mag ich ihm nicht mehr die Hand zur Begrüßung geben. Das sage ich ihm dann auch direkt mit einem freundlichen Lächeln. Und ich vergesse am Ende des Kontaktes auch nicht, ihm wieder nicht die Hand zu geben und das auch erneut zu erklären.


Dr. Norbert Hoffmeister
37627 Stadtoldendorf

Habe jegliches Händeschütteln vor einem Jahr vollständig beendet und mit einem Plakat an der Zimmertür kundgetan. Motivation: Eigenschutz, Patientenschutz, Zeitersparnis. Viele Patienten waren anfangs irritiert, inzwischen haben fast alle dafür Verständnis.

Florian Baier
Allgemeinmediziner
81809 Wellheim

Auch hier wäre eine Grundsatzdiskussion möglich, etwa über die Frage, was in der Gegend üblich ist und wie es in der Praxis sonst gehandhabt wird. Aber was ist ein Händedruck gegen einen Einkauf im Supermarkt? Sauberkeit des Einkaufswagens, der angeschauten Waren, der Türklinken ... Wer desinfiziert sich da die Hände? Und: Berühren wir nicht bei der Untersuchung den Körper des Patienten? Und wer desinfiziert schon ständig das Stethoskop und die Blutdruckmanschette? Also wieder einmal eine „Scheinheiligkeit“?

(Der Leser möchte anonym bleiben.)

Ich versuche jedem Patienten die Hand zu geben. Es gab mal in der „Zeit“ einen Artikel von Harro Albrecht, der zeigte, wie wichtig der Händedruck für die Zusammenarbeit von Arzt und Patient ist. Ohne Händedruck verzichtet der Arzt auf ein wichtiges Mittel. Ich bemühe mich, nach wirklich jedem Kontakt die Hände zu desinfizieren, gefühlte hundert Mal pro Tag. Das gelingt mit „Softa-Man®“, während Sterillium® und „Softa-Man acute®“ meine Haut deutlich strapazieren. Händewaschen kommt vielleicht 2x täglich vor. Gelegentlich wird auch das Stethoskop mit dem Handdesinfektionsmittel bedacht. Die Türklinken werden mit Kodan®-Tüchern desinfiziert, wenn ein Patient mit Magen-Darminfekt die Praxis verlassen hat. Manchmal habe ich noch nasse Hände und „verweigere“ den Händedruck, was immer ein wenig Irritation hervorruft. Viele erkältete Patienten wollen von sich aus keine Hand geben. Wenn jemand hustet, gehe ist ostentativ „in Deckung“ oder ich bitte, in die Ellenbeuge zu husten. Ich versuche, nicht in meinem Gesicht „herumzufummeln“, was nicht immer gelingt.

Johannes Aufgebauer
Internistischer Hausarzt
42499 Hückeswagen

Ich bin der Nicht-Händeschüttler und verzichte grundsätzlich darauf. Alte Patienten kennen dies, neuen wird es mit drei Worten erläutert. Diese akzeptieren es und finden es grundsätzlich gut. Natürlich: „Behandlung“ kommt von „Hand“, deshalb werden offensichtlich ansteckende Patienten auch normal behandelt. Ich nutze nach jedem Patienten Handdesinfektionsmittel, wobei die Einwirkungszeit unter der Vorstellung der Keimreduktion nicht immer korrekt eingehalten wird. Offensichtlich fiebernde oder ansteckende Patienten genießen das Privileg der bevorzugten Behandlung, also einen separaten Raum zum Warten oder schnellste Schleusung in ein Behandlungszimmer. Anbieten eines Mundschutzes zum „Schutz vor Zweitinfektion“ sowie regelmäßige Wischdesinfektion der Türklinken und Untersuchungsmaterialien gehören zum Standard. Dies stellt für mich eine respektvolle Behandlung der Patienten dar und trübt das Arzt-Patient-Verhältnis in keinster Weise.

Erich Ramstöck
Facharzt für Allgemeinmedizin
21629 Neu Wulmstorf

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2013; 35 (4) Seite 24