Jeder Medizinstudent muss im klinischen Teil des Studiums, nach bestandenem Physikum und bis zum Beginn des praktischen Jahres, insgesamt vier Famulaturen von jeweils 30 Tagen Dauer ableisten. Alle Famulaturen können auch im Ausland abgeleistet werden. Tatsächlich ist eine Auslandsfamulatur im Medizinstudium der unkomplizierteste Weg, ein anderes Land inklusive Kultur, Menschen und Gesundheitssystem kennen zu lernen. Sven Dengler hat das so gemacht und berichtet hier über seine Erfahrungen. Ihn zog es ganz weit in die Ferne.

Mediziner höchst willkommen
Studenten und praktizierende Ärzte sind jederzeit willkommen und gerne gesehen auf den Cook Island. Besonders Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin und Pädiatrie, die sich vorstellen können, für einen längeren Zeitraum auf den Cook-Inseln zu arbeiten, werden immer gesucht. Kontaktdaten stelle ich gerne zur Verfügung:

Kontakt Krankenhaus Aitutaki: taraatua.toi@cookislands.gov.ck

Kontakt Krankenhaus Rarotonga: rangi.tairi@cookislands.gov.ck

Urlaub machen und famulieren im Paradies auf Erden? Auf den Cook-Inseln, einem unabhängigen Inselstaat mitten im Südpazifik, ist dies definitiv miteinander vereinbar. Wer im Schnitt 25 bis 30 Stunden reine Flugzeit auf sich nimmt und am "anderen Ende der Welt" angekommen ist, der wird belohnt mit traumhaft schönen Lagunen und Atollen, einnehmender Gastfreundlichkeit, köstlichem, traditionellem Essen und einer nahezu grenzenlosen Gelassenheit und Ruhe, die von den Locals direkt abfärbt.

Wie man an die Famulatur kommt

Mein Vater erzählte mir oft von seinem Urlaub auf den Cook-Inseln vor über 30 Jahren. Dass er kaum einen anderen Ort schöner in Erinnerung hat als diese kleine Inselgruppe, die kaum 20.000 Einwohner hat. Und dass er sich noch an ein kleines Krankenhaus auf der Haupt-
insel, Rarotonga (Hauptstadt: Avarua), erinnern kann. Umgehend informierte ich mich und schrieb via E-Mail eine Anfrage, ob Famulaturplätze vergeben werden. Schon nach einem Tag hatte ich die Zusage. Insgesamt leistete ich eine vierwöchige Famulatur ab: zwei Wochen in der allgemeinmedizinischen Abteilung des Krankenhauses auf Aitutaki, die übrigen zwei Wochen im Krankenhaus auf Rarotonga in der pädiatrischen Abteilung.

Die ersten zwei Wochen verbrachte ich auf Aitutaki, einer der größeren Inseln mit ungefähr 2.000 Einwohnern. Das Krankenhaus ist sehr spartanisch eingerichtet, verfügt jedoch über die nötigste Ausstattung, unter anderem ein Röntgengerät, eine Apotheke sowie einen kleinen Operationssaal. Insgesamt gibt es circa 25 Mitarbeiter (siehe Abbildung), darunter zwei Ärzte aus Myanmar, einen Zahnarzt, sechs Krankenpfleger und zahlreiche weitere Angestellte aus dem Public-Health-Team.

Erkältungen bei 25 Grad

Die beiden Ärzte, die mich in den zwei Wochen betreuten, sind für sämtliche ambulanten und stationären Patienten zuständig. Nachdem morgens die stationären Patienten visitiert wurden, von denen es meist nur zwei zur selben Zeit gab, kümmerten wir uns danach um die Ambulanz. Die häufigsten Fälle waren Patienten mit Erkältungen; schließlich herrschen in den bei uns heißen Sommermonaten in Deutschland auf den Cook-Inseln winterliche Temperaturen von 20 – 25 Grad Celsius!

Das Krankenhaus auf Rarotonga ist deutlich größer und deckt die meisten Fachbereiche der Medizin ab. Ungefähr 200 Mitarbeiter sind hier für den reibungslosen Arbeitsablauf und die Betreuung der Patienten verantwortlich. Fast täglich werden Patienten von den umliegenden Inseln nach Rarotonga überwiesen, da die Möglichkeiten zur diagnostischen Exploration sowie Therapie dort deutlich umfangreicher sind.

Inseln der Adipösen auf Rollern

Bei vielen Patienten handelt es sich um stark adipöse Diabetiker mit mehr oder minder schweren Begleiterkrankungen. Überraschend ist dies nicht, da approximativ 50 – 60 % der Bevölkerung von Fettleibigkeit betroffen sind. Aber woher stammt dieses Problem? Eigentlich würde man erwarten, dass die "Cookies" viel Fisch, Obst und Gemüse essen, was auf der Insel zahlreich zur Verfügung steht.

Ein ausschlaggebender Grund kam begleitend durch die freie Assoziierung mit Neuseeland. Neben einer Infrastruktur, dem Gesundheitssystem, Telekommunikation etc. wurde auch die Essenskultur der Neuseeländer zu großen Teilen übernommen. An jeder Straßenecke findet man Imbissbuden, die Fish & Chips, Burger und Pizza verkaufen. Dass diese ungesunde Kost preislich kaum teurer als alternative, gesunde Lebensmittel vom lokalen Markt ist, verschlimmert die Problematik, da die meisten Einwohner der Cook-Inseln lieber zum schnell zubereiteten Fast Food greifen. Hinzu kommt, dass fast jeder Einwohner auf das Transportmedium Roller zurückgreift. Etwas perplex war ich, einen Mann zu sehen, der von seinem Haus zum 100 Meter entfernten Strand mit dem Roller fuhr. Ebenso erntete ich irritierte Blicke, als ich die Insel zu Fuß erkundete. Und besonders skurril wurde es, als ich von einem Strand in Richtung Krankenhaus, welches meine Unterkunft beherbergte, joggte. Dreimal hielt jemand an und fragte, ob ich aufgrund eines Notfalls schnell ins Krankenhaus müsse, und auf meine Antwort, dass ich lediglich Sport treibe, wurde mit größtem Unverständnis und Lachen reagiert.

Wirkungslose Gesundheitsaufklärung

Die offensichtlich ungesunde Lebensweise stellt für das Gesundheitsministerium ein großes Problem dar. Zwar gibt es zahlreiche Kampagnen, um die Zahl der Raucher, Alkoholiker und adipösen Menschen zu minimieren, jedoch mit bisher ausbleibendem Erfolg. Die meisten Krankenhäuser der Cook-Inseln bauen mittlerweile Obst und Gemüse selbst an, um für die stationären Patienten eine ausgewogene und gesunde Kost zur Verfügung stellen zu können. Sogar ein eigenes Fitnessstudio wird den Patienten bereitgestellt, jedoch habe ich in den vier Wochen weder Personal noch Patienten in diesem vorfinden können. Die Wirkung der Hinweisschilder wie "Control your blood sugar" oder "Drive less, walk more" ist bisher nicht erkennbar.

Weißer Strand, türkises Meer

Landschaftlich haben die Cook-Inseln so ziemlich alles zu bieten, was man sich unter einer tropischen, pazifischen Inselregion vorstellt. Besonders eindrucksvoll erscheinen hierbei vor allem die Atolle und Lagunen, die eine nahezu unendliche Vielfalt an bunt schimmernden Fisch- und Korallenarten beherbergen. Ein Schnorchel-
ausflug ist sehr zu empfehlen.

Ein "Must-See" der Cook-Inseln bleibt nach wie vor der Ootu Beach auf Aitutaki. Den Kontrast von weißem Sandstrand zu türkisem Wasser habe ich an keinem anderen Strand bisher so intensiv wahrgenommen wie an diesem. Der Strand findet sich regelmäßig in den "Top 10 der schönsten Strände der Welt"
wieder.

Im Landesinneren auf der Hauptinsel Rarotonga lassen sich wunderbar Ausflüge auf den Te Manga, den mit 652 Metern Höhe höchsten Berg der Cook-Inseln, machen. Man kann Rarotonga auch in vier bis fünf Stunden ganz bequem per Fahrrad umrunden. Eine besonders schöne Erfahrung ist der Besuch des Gottesdienstes, wobei mir besonders die vielen bunten Farben sowie der melodische Gospel-Gesang in Erinnerung geblieben sind. Und wer sich samstags mit frischen Früchten, Backwaren und weiteren Leckereien eindecken möchte, der sollte unbedingt dem Punanga Nui Market einen Besuch abstatten.

Was ich nie vergessen werde, ist die herzliche sowie aufrichtige Gastfreundlichkeit der Menschen. Von jedem wird man mit einem netten Lächeln und den Worten "Kia Orana" begrüßt, was so viel wie "May you live long" bedeutet. Noch oft denke ich zurück an die Zeit im Südpazifik, vor allem mit Vorfreude auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen.



Autor:
Sven Dengler

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (15) Seite 84-86