Als Zufallsbefund fand sich bei einer beschwerdefreien 83-jährigen Patientin eine Hypokalzämie (Kalzium: 1,8 mmol/l). Weitere Laborwerte: Phosphat: 1,49 mmol/l, Vitamin D: 25 ng/ml, Parathormon 303 ng/l (normal: 14 –72), Kreatinin: 143 µmol/l. Wir interpretierten den Befund zunächst als sekundären Hyperparathyreoidismus, wobei nur eine moderate Niereninsuffizienz vorliegt. Hinweise für Darmerkrankungen fanden sich nicht. Wir substituierten Vitamin D (bei niedrignormalen Werten), daraufhin stieg der Kalziumwert auf 2,2 mmol/l, das Parathormon stieg jedoch weiter auf 384 ng/l, das Phosphat fiel auf 1,12 mmol/l ab. Sonografisch waren keine Epithelkörperchen darstellbar. Wie ist der Parathormonanstieg zu deuten? Sollte eine weitere Diagnostik angestrebt werden und wenn ja, welche?

Antwort: Bei der 83-jährigen Patientin fanden sich eine Hypokalzämie sowie ein erhöhter Parathormonspiegel von 303 ng/l (normal 14 – 72) bei normalem anorganischen Phosphat (1,49 mmol/l) und leicht erhöhtem Kreatinin. Das Vitamin D war leicht erniedrigt. Hinweise auf Darmerkrankungen fanden sich nicht.

Der Kollege ging richtigerweise von einem sekundären Hyperparathyreoidismus bei Vitamin-D- und Kalziummangel aus und substituierte Vitamin D. Daraufhin stieg der Kalziumspiegel auf 2,2 mmol/l an, was für den sekundären Hyperparathyreoidismus bei Vitamin-D - Mangel spricht und für eine Bestätigung der eingeleiteten Therapie.

Bei einem mäßig erniedrigten Vitamin-Spiegel würde man normalerweise keine Hypokalzämie erwarten. Möglicherweise hat die Patientin zu wenig Kalzium über die Nahrung aufgenommen (Patientin ist 83 Jahre alt) und das Nahrungskalzium nicht ausreichend resorbiert (u. a. wegen des Vitamin-D-Mangels).

An der Diagnose eines sekundären Hyperparathyreoidismus besteht kein Zweifel (Vitamin-D-Mangel + leichte Niereninsuffizienz). Nicht gut erklärbar ist der weitere Anstieg des Parathormons (PTH). An sich müsste der PTH-Spiegel langsam abfallen. Dieser Abfall kann sich jedoch etliche Wochen hinziehen. Hinzu kommt, dass bei den Assays für die PTH-Bestimmung z. T. Schwankungen in der Größenordnung von 5 – 10 % vorkommen können.

Meine Empfehlung: Die Patientin sollte ca. 1 000 mg Kalzium über die Nahrung aufnehmen (z. B. 3 Scheiben Schnittkäse, 1 großer Becher Joghurt, 1 großes Glas Milch täglich) sowie 2 000 I. E. Vigantoletten® oder 1 Dekristol®-Kapsel 20 000/Woche. Nach ca. acht Wochen sollte eine Kontrolle der Laborwerte erfolgen: Kalzium, Phosphat, Kreatinin, Parathormon, 25-OH-Vitamin D3. Ich gehe davon aus, dass der PTH-Spiegel dann bereits deutlich abgefallen sein dürfte. Sollte das PTH dennoch nach acht Wochen weiterhin hoch sein, müsste man erneut nachdenken.


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Dr. med. Dieter Graf


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Dr. med. Dieter Graf
Internist, Endokrinologie, Naturheilverfahren
21335 Lüneburg

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2013; 35 (7) Seite 60