Dass sich der EBM ändert, ist nichts Neues, aber dass die Änderungen sehr kurzfristig bekannt gegeben werden und dass diese mittlerweile sehr filigran sind, macht die Abrechnung weder einfacher noch übersichtlicher. So hat der Bewertungsausschluss am 12.12.206 einige EBM-Änderungen beschlossen, die prompt auch zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten sind. Nimmt man die vorherigen Beschlüsse, die zum selben Datum in Kraft getreten sind, ergibt sich ein ganzes Paket von aktuellen Änderungen. Um den Anschluss an eine vollständige Abrechnung nicht zu verlieren, gibt dieser Beitrag einen schnellen Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Beginnen wir mit dem Orientierungswert, der zum Jahresanfang von 10,4361 Cent (2016) um 0,9% auf 10,5300 Cent gestiegen ist. Nur der Ordnung halber sei an dieser Stelle nochmals wiederholt, was der Orientierungswert ist: Er ist der Faktor, mit dem die Punktzahl einer EBM Gebührenposition multipliziert wird, um deren Euro-Wert zu ermitteln.

Elektronischer Arztbrief

Mit dem elektronischen Arztbrief erfolgt auch dessen Honorierung, aktuell jedoch als "Förderung" bezeichnet. Sie wurde bereits in dem am 01.01.2016 in Kraft getretenen eHealth-Gesetz festgeschrieben und ist begrent auf das Jahr 2017, das heißt, die Förderung endet zum 31.12.2017. Es gibt pro eArztbrief 55 Cent. Dieser Betrag wird auf Sender und Empfänger aufgeteilt. 28 Cent bekommt die Praxis, die den eArztbrief versendet, 27 Cent erhält der Empfänger. Abgerechnet wird aktuell noch mit der Pseudonummer 86900 für die Versendung und mit der Pseudonummer 86901 für den Empfang.

Sozialpädiatrischer Zuschlag

Im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin wurde die Mengenbegrenzung der GOP 04356 (= Zuschlag zu der GOP 04355 für die weiterführende sozialpädiatrisch orientierte Versorgung) auf bis zu dreimal statt wie bisher höchstens zweimal pro Krankheitsfall erhöht.

Neue Kinderrichtlinie

Die neue Kinderrichtlinie wurde zum 1.1.2017 nun auch umgesetzt. Die Honorarbeträge der U2 bis U9 erhöhten sich von 32,14 Euro auf 42,23 Euro (401 Punkte). Auch das Mukoviszidose-Screening wurde neu in die Kinderrichtlinie aufgenommen, weshalb bei den Vorsorgeleistungen einige Änderungen vorgenommen werden mussten: So wird die GOP 01707, das erweiterte Neugeborenen-Screening, um die entsprechenden zusätzlichen Leistungsinhalte des Mukoviszidose-Screenings ergänzt. Die Bewertung steigt auf 135 Punkte. Gleichzeitig gibt es im Behandlungsfall einen Ausschluss der Nebeneinander-Berechnung der GOP 01707 und der neuen GOP 01709, die für die Aufklärung der Eltern zu Sinn und Ziel des Mukoviszidose-Screenings steht. Zusätzlich wurden für die dreistufige Labordiagnostik die drei neuen GOPs 01725 bis 01727 aufgenommen und die GOP 01708 aus dem EBM gestrichen.

Betreuung pflegebedürftiger Menschen

Seit dem 1. Januar 2017 wird im Zusammenhang mit der Betreuung pflegebedürftiger Menschen nicht mehr von Pflegestufe gesprochen, sondern von Pflegegrad. Dementsprechend wurden auch die betroffenen Leistungslegenden redaktionell geändert (vgl. Der Allgemeinarzt Heft 3/2017, S. 31 f., und Der Allgemeinarzt Sonderheft „Der schwer kranke Patient“, S. 10 ff).

NäPA

Der Einsatz von qualifizierten nicht-ärztlichen Praxisassistenten (NäPA) gemäß Anlage 8 und/oder Anlage 24 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) zur Unterstützung und Entlastung des Hausarztes wird weiterhin gefördert. Dazu wurden zum 1. Januar 2017 drei neue Zuschläge in das Hausarztkapitel des EBM aufgenommen:

  • GOP 03061: Zuschlag zu der GOP 03060 (wiederum Zuschlag zu der GOP 03040 – Anstellung einer qualifizierten nicht-ärztlichen Praxis­assistenz)
  • GOP 03064: Zuschlag zu GOP 03062 (Besuche durch die NäPA)
  • GOP 03065: Zuschlag zu GOP 03063 (Mitbesuche durch die NäPA)

Der Höchstwert für die Berechnung der GOP 03060 (in Kombination mit der GOP 03061) wurde von 584 Fälle auf 700 Fälle angehoben. Die gute Nachricht: Die neuen Zuschläge werden bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen durch die zuständige KV automatisch zugesetzt, müssen also nicht aktiv abgerechnet werden.

Der Praxisfall
Eine 74-jährige rüstige Patientin lebt in einer Einrichtung des geschützten Wohnens. Sie ist seit langem in der Praxis bekannt und erfüllt die Voraussetzungen für die Berechnung der Leistungspositionen der geriatrischen Versorgung. Zu Beginn des Quartals stellt sich die Patientin mit Beinbeschwerden vor. Bei der Untersuchung und Durchführung des geriatrischen Basisassessments zeigten sich die Beine ödematös geschwollen. Bei bekannter Varikosis wurde eine dopplersonographische Venenuntersuchung und eine Lichtreflexionsrheographie durchgeführt. Es konnten eine Phlebitis bzw. eine Beinvenenthrombose ausgeschlossen werden. Der Patientin wurde die Diagnose des Stauungsödems erörtert und ein Kompressionsverband (Pütterverband) angelegt. Eine Übersicht über die Abrechung dieses Praxisfalls zeigt Tabelle 1.

NäPA: Der Knackpunkt bei den Zuschlägen
Zunächst einmal: Die neue GOP 03061 wird als Zuschlag zur GOP 03060 vergütet, welche bereits den NäPA-Zuschlag zur Vorhaltepauschale GOP 03040 darstellt.

Für die Berechnung der verschiedenen Zuschläge gibt es unterschiedliche Vor­aussetzungen. Schon alleine der Zuschlag zur Versichertenpauschale nach GOP 03040 hat es für eine breit aufgestellte Hausarztpraxis in sich. So ist die Voraussetzung für die Zusetzung der sogenannten Vorhaltepauschale nach GOP 03040 durch die KV, dass die betreffende Praxis ausschließlich hausarzttypische Leistungen erbringt. Werden Leistungen erbracht, die nicht zum typisch hausärztlichen Versorgungsbereich gehören, wird die GOP 03040 nicht zugesetzt. Was nicht zum hausärztlichen Versorgungsbereich gehört, ist in dem sogenannten K.O.-Katalog definiert. Dieser findet sich etwas versteckt in den Anmerkungen (Nr. 3, Nr. 4, Nr. 7) zur GOP 03040. Dazu gehören auch die phlebologischen Leistungen des Abschnitts 30.5 des EBM. Das bedeutet, dass in dem in diesem Artikel vorgestellten Fallbeispiel die Zuschläge nach den GOPs 03040, 03060 und 03061 nicht zugesetzt werden (Tabelle 1). Das ist betriebswirtschaftlich wichtig zu berücksichtigen.

Voraussetzung zur Berechnung der neuen Zuschläge ist primär die Anerkennung einer NäPA. Die Voraussetzungen dafür wurden durch Beschluss des Bewertungsausschusses etwas heruntergesetzt. Für die Einzelpraxis bzw. für den ersten Arzt einer Berufsausübungsgemeinschaft ist seit dem 1.1.2017 der Nachweis von nur noch 700 anstatt 860 Behandlungsfällen gefordert. Je weiterem Arzt sind es 521 anstatt 640 Fälle. Werden die Fallzahlen derjenigen Patienten zugrunde gelegt, die das 75. Lebensjahr vollendet haben, sind für den ersten Arzt 520 statt 640 Behandlungsfälle gefordert und für jeden weiteren Arzt 80 anstatt 120 Fälle.

Im Rahmen der Änderung der GOP 03062 wurde der obligate Leistungsinhalt erweitert und konkretisiert. So wurde der Besuch in der Häuslichkeit erweitert, so dass dies auch für Besuche der NäPA in Alten- oder Pflegeheimen und/oder in anderen beschützenden Einrichtungen gilt. Zudem wurde der Punkt zur Durchführung der postoperativen Behandlung im Rahmen der GOP 31600 für den ersten postoperativen Kontakt aufgenommen.



Autor:

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter

Arzt für Allgemeinmedizin
76684 Tiefenbach

Überblick über die bisher in dieder Serie erschienenen Beiträge


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (4) Seite 67-71