Wertschätzender, wohlwollender Humor kann Wunder wirken: innerhalb des Praxisteams, im Umgang mit Patienten und auch im Umgang mit uns selbst. Das Deutsche Institut für Humor gibt nachfolgend Tipps, wie Sie Ihren (Arbeits-)Alltag mit einer Prise Humor würzen, die Arbeitsatmosphäre in der Praxis entspannen und das Vertrauen der Patienten und im Praxisteam untereinander stärken können.

Wer oder was bringt Sie zum Lachen? Mario Barth? Carolin Kebekus? Mr. Bean? Donald Trump? Oder vielleicht Ihr Praxis-
team? Wir lachen alle über verschiedene Dinge. Was der eine zum Schießen findet, entlockt dem anderen höchstens ein bemühtes Grinsen. Jeder von uns hat seinen ganz eigenen humorvollen Fingerabdruck.

Außerdem bedeutet Humor nicht nur Lachen. Wir können etwas humorvoll finden oder Humor produzieren, ohne dass wir zwangsläufig lachen. Und, wenn wir Sie hier auffordern, etwas mehr Humor in Ihrem Arbeitsalltag unterzubringen, dann meinen wir keineswegs, dass Sie zum Comedy-Star mutieren und pausenlos Witze reißen sollen. Wie jedes Medikament will auch der Humor wohldosiert sein. Humor ist kein Allheilmittel und natürlich gibt es auch Situationen, in denen Humor nicht angebracht ist.

Humorstile

Ein weiterer wichtiger Punkt: Humor ist ein zweischneidiges Schwert. Er kann Teams zusammenschweißen, die Stimmung auflockern, ein Lächeln aufs Gesicht der Patientin zaubern. Humor kann aber auch verletzen oder die Fronten verhärten. Deswegen ist uns vom Deutschen Institut für Humor folgende Unterscheidung wichtig: wohlwollender, sozialer, wertschätzender Humor vs. aggressiver, herabsetzender, ausgrenzender Humor. In der Humorforschung werden vier Humorstile unterschieden: auf- und abwertender Humor bzw. Humor, der sich auf uns selbst oder auf andere bezieht.

Humor darf nicht wehtun

Der soziale, wohlwollende, wertschätzende Humor ist ungefährlich, tut niemandem weh und hat eigentlich nur positive Nebenwirkungen. Wir wollen Ihnen ein paar bewährte und einfache Humortechniken zeigen, mit denen Sie in Ihrer Praxis, im Team, aber auch allgemein in Ihrem Alltag Humor zur Vertrauensbildung einsetzen können. Fangen Sie am besten gleich bei sich selbst an. Seien Sie liebevoll und wohlwollend mit sich selbst, anstatt sich herabzusetzen. Sie haben mal wieder den Praxisschlüssel oben in der Wohnung liegen lassen? Anstatt sich selbst zu verfluchen, versuchen Sie doch mal, die Sache positiv anzugehen: "Na, warst mit den Gedanken wohl wieder ganz woanders? Macht nichts! Ein bisschen Frühsport tut gut, rauf in die fünfte Etage! Dann kannst du dir auch gleich noch nen Apfel für die Mittagspause mitnehmen."

Humorübungen für zu Hause und für die Praxis
  • Überlegen Sie, was Sie zum Lachen bringt, welchen Humor Sie mögen. Gönnen Sie sich dann diese Art von Filmen, Comics, Serien, Büchern usw. ganz bewusst. Das ist gute Psychohygiene.
  • Ebenso gibt es Menschen, die Ihnen guttun, und solche, bei denen Ihre Laune nicht gerade steigt. Versuchen Sie bewusst, mehr Zeit mit Menschen zu verbringen, die Ihnen gute Laune bescheren und deren Humor Ihnen guttut.
  • Auch Ihre Umgebung bietet Unmengen an Humormaterial. Gehen Sie mit offenen Augen durch den Tag und Ihnen wird ein lustiges Verkehrsschild, eine ungewöhnliche Formulierung oder andere Situationskomik auffallen.

Tipp: Probieren Sie die Humortechniken zuerst im vertrauten Umfeld, mit Freunden oder Familie aus. Wenn Sie sich dann sicherer fühlen, können Sie auch im Arbeitsumfeld loslegen. In angespannten Situationen im Praxisteam kann es hilfreich sein, schwarzen Humor als Ventil zu nutzen.Das nächste offene Arzt-mit-Humor-Seminar findet am 16. und 17. März 2018 in Leipzig statt. Mehr Infos unter www.arztmithumor.de

Vorsicht mit schwarzem Humor

Suchen Sie nach Gelegenheiten für eine humorvolle Übertreibung oder Überspitzung in alltäglichen Situationen. Nutzen Sie Ihre Umgebung und sich selbst als Humormaterial. Sie kommen zum Hausbesuch und Ihre Jacke hat genau denselben Farbton wie die Gardinen? Kommentieren Sie das einfach: "Ich gehöre hier zur Einrichtung."

Manche Menschen schaffen es, selbst wenn sie mit Tod, Krankheit und Zerstörung konfrontiert werden, Übertreibung zum Einsatz zu bringen. Das kann durchaus auch mal schwarzer Humor sein. Bei Ihrer Arbeit sind Sie vielleicht auch schon damit konfrontiert worden. Während des Zweiten Weltkrieges, als London unter dem deutschen Bombenhagel litt, hingen an vielen beschädigten Geschäften Schilder "Open as usual", also "Offen wie üblich". Die Inhaber wollten signalisieren, dass sie sich vom Krieg nicht unterkriegen lassen. Ein Laden, von dem nur noch eine Wand stehen geblieben war, pries sich mit folgendem Schild an: "More open than usual", d. h. "Offener als üblich". Gerade wenn man sehr traurig ist oder große Schmerzen hat, kann ein Lächeln über und ein Perspektivwechsel auf die eigene schwierige Situation sehr befreiend sein.

Auch im Praxisteam kann es hilfreich sein, in angespannten Situationen oder bei Überforderung schwarzen, abwertenden Humor gelegentlich als Ventil zu nutzen. Allerdings ist es im Umgang mit Patienten ungefährlicher, wenn man wohlwollenden Humor anwendet. Schwarzer Humor wird hier schnell missverstanden.

Komplimente passen immer

Ein völlig ungefährliches Humorterrain ist das der liebevoll übertriebenen Komplimente. Machen Sie Ihren Mitmenschen Komplimente, sprechen Sie sie auf ihre Stärken und Leistungen an.

Zum Team:

"Du bist unsere Büroheldin! Ohne Deine Orga würde hier alles drunter und drüber gehen!"

"Wie Sie mit dem schwierigen Patienten umgegangen sind! Sa-gen-haft! Ich wäre da nicht so ruhig geblieben. Sie sind Zen-Superwoman!"

Zum Patienten:

"Ihre Venen sind wirklich wunderbar leicht zu finden. Das ist eine reine Freude!"

"Den Eingriff haben Sie aber mit Bravour überstanden. Eigentlich müsste ich Ihnen eine Tapferkeitsmedaille überreichen!"

Hierbei muss das Kompliment ehrlich gemeint sein, nur dann kommt die humorvolle Übertreibung gut an.

Humorvoll spiegeln

Im Gegensatz zur Darmspiegelung ist die humorvolle Spiegelung eine recht angenehme Sache – und sie kann ähnlich nützlich sein. Das klassische Spiegeln nach Carl Rogers ist eine Kommunikationstechnik, die man in Konflikten, im Streit oder bei Vorwürfen einsetzen kann. Dabei fasst man in eigenen Worten kurz und völlig wertfrei zusammen, was der andere gesagt hat (oder vermutlich denkt). Zum Beispiel:

Vorwurf: "Sie räumen nie das Labor auf!"

Spiegelung: "Sie finden, ich bin etwas nachlässig, und wünschen sich mehr Ordnung im Labor."

Bei der humorvollen Spiegelung gehen Sie noch einen Schritt weiter. Sie übertreiben das Gesagte und ziehen es ins Komische. Dabei ist es sehr wichtig, dass Sie in Ihrer Grundhaltung wohlwollend bleiben, dass Sie Ihrem Gegenüber durch Tonfall und Körpersprache signalisieren: "Ich kann Sie gut leiden." In diesem Fall wäre eine humorvolle Spiegelung beispielsweise: "Sie möchten, dass aus dem kreativen Chaos ein wohlstrukturiertes Ordnungssystem entspringt?"

Einer jungen Ärztin kann es passieren, dass ältere Patienten ihr und ihren Fähigkeiten eher skeptisch gegenüberstehen. Medizinstudenten und junge Ärzte, die unsere Humor- und Kommunikationsseminare besuchen (www.arztmithumor.de), können davon ein Lied singen. Hier lohnt sich eine humorvolle Spiegelung.

Vorwurf: "Sind Sie nicht ein bisschen jung für diesen Beruf?"

Humorvolle Spiegelung: "Sie fragen sich, was diese junge Kirsche eigentlich auf dem Kasten hat?"

Durch Ihre wertschätzende Grundhaltung zeigen Sie, dass Sie Ihrem Gegenüber wohlgesonnen sind. Und durch die humorvolle Spiegelung entspannen Sie die Situation, bauen Vertrauen auf und entlocken Ihrem Gesprächspartner im Idealfall sogar ein Lächeln.

Auch bei ungehaltenen Patienten hilft humorvolles Spiegeln. "Warum bekomme ich erst in fünf Wochen einen Termin? Das ist eine Frechheit!"

"Ich sehe, Sie möchten hier vor Wut am liebsten gleich die Topfpflanzen rausreißen! Es ist leider momentan wirklich viel los und wir müssen auch noch Urlaubsvertretungen machen. Bitte verschonen Sie unser Inventar! Ich verstehe Ihren Unmut und bitte Sie um Verständnis."

Wenn zwei Mitglieder des Praxisteams im Clinch liegen, können Sie das auch bewusst humorvoll kommentieren: "Oh, ich sehe, hier fliegen gleich die Fetzen. Moment! Ich hol noch kurz die Boxhandschuhe und dann tragen wir den Ringkampf ordentlich aus." Das sollte zumindest kurzfristig für Überraschung und Entspannung sorgen. So entsteht der nötige Raum, um den Konflikt in Ruhe zu klären. Das Wichtige dabei ist, wie gesagt, eine wohlwollende Einstellung, die Sie durch Körperhaltung und Tonfall übermitteln.



Autoren:
Eva Ullmann (Gründerin und Leiterin des Deutschen Instituts für Humor)
Dr. Kareen Seidler (Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin des Deutschen Instituts für Humor)
Deutsches Institut für Humor ( http://www.humorinstitut.de )
04105 Leipzig
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Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (2) Seite 78-80