Im "War of Talents" sind attraktive Stellenangebote der Arztpraxis wichtig, damit sich Bewerber von einer freien Stelle angesprochen fühlen. Auch attraktive Arztpraxen haben das Problem des Fachkräftemangels. Bewerberinnen können sich die besten Stellenangebote aussuchen. Stellenangebote, die positiv auffallen, erreichen einen hohen Aufmerksamkeitsgrad. Wie gestalten Sie ein professionelles und ansprechendes Stelleninserat?

Skalierung über die Anforderungen an Bewerber:
Auf was man besonderen Wert legt, kann unterschiedlich formuliert werden, z. B. "hohes Maß an Teamorientierung" (extrem wichtig), "idealerweise Vollzeitbeschäftigung" (sehr wichtig), "ausgeprägte Flexibilität" (wichtig). Durch die Ab- bzw. Aufstufung erkennt der Bewerber die Bedeutung der Anforderungen. "Hohes Maß" oder "idealerweise" wirkt unterschiedlich.

Meist wird in der Ausschreibung eine "freundliche" (oder "motivierte" oder "engagierte") Mitarbeiterin gesucht. Diese Eigenschaften sind selbstverständliche Voraussetzungen und müssen nicht erwähnt werden. Jede Bewerberin glaubt diese Basis-Anforderungen zu erfüllen. Auch auf die Floskel "Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung" kann die Arztpraxis verzichten. Denn was hat die Bewerberin davon, dass sich der Arzt auf ihre Bewerbung freut? Interessant sind eher fachliche Voraussetzungen oder das Datum der Einstellung. Schulabgänger, die eine Stelle suchen, werden im Text in der Du-Form angesprochen ("Wir suchen Dich"). Oder: "Hier hast Du eine Chance", oder: "Willkommen bei uns". Ungewöhnliche Texte sind nicht unseriös, sie zeigen dem Bewerber, dass der Stellenanbieter ein moderner Betrieb ist.

Das attraktive Zeitungsinserat

Eine größere Arztpraxis sollte sich auch für ein größeres Inserat entscheiden, Kleinanzeigen, z. B. 35 mm hoch, wirken keinesfalls großzügig. Ein größeres Inserat ist zwar teurer, aber es wirkt auch großzügiger. Die zentrierte Textanordnung und Wörter in Großbuchstaben wirken in der Anzeige etwas konservativ. Mit der links- bzw. rechts-bündigen Textanordnung kann man sich ein wenig von anderen Inseraten abheben. Je kleiner das Inserat, desto wichtiger ist die einheitliche Schriftgröße. Farb-Anzeigen fallen stärker auf und sprechen das Auge des Lesers an. Man kann den Rahmen der Anzeige oder die ganze Anzeigenfläche farblich gestalten. Mit diesen Details erhält das Stelleninserat den "letzten Schliff". Hat die Praxis ein Logo, darf dieses im Inserat nicht fehlen. Das Layout verändert das Erscheinungsbild des Stellenanbieters. Stellensuchende knüpfen an eine modern wirkende Anzeige den Gedanken an eine moderne Arztpraxis.

Bei der Adresse schreibt man heute "Fon" statt "Tel". Die Angabe der Telefonverbindung kann als indirekte Aufforderung verstanden werden, anzurufen. Der Hinweis "Bitte bewerben Sie sich …" wirkt freundlich, braucht aber mehr Anzeigenraum. Die Angabe "Kontaktadresse" genügt. Ist gewünscht, dass die Bewerbungen per E-Mail eingehen sollen, kann dies auch so formuliert werden. Der Hinweis auf die Homepage hat sich bewährt, die Bewerberin kann sich hier über Details vorinformieren. Die Formulierung "für sofort gesucht" erweckt den Eindruck der Dringlichkeit und könnte Bewerberinnen nachdenklich machen.

Online-Jobbörsen

Arbeitssuchende nutzen inzwischen die Möglichkeiten des Internets, wenn sie eine Stelle suchen, das muss der Anbieter bedenken. Stelleninserate in den verschiedenen Jobbörsen sind eine verbreitete Form des E-Recruiting und bieten eine kostengünstige Alternative zu Printanzeigen. Auch die Kommunikation mit den Bewerbern läuft online kostengünstig ab. Stellenanzeigen in den Onlinemedien sind tagesaktuell und lange sichtbar. Über Links zu anderen Seiten können weitere Informationen in der Stellenanzeige hinterlegt werden. Automatische Suchagenten informieren interessierte Suchende per Mail über aktuelle Angebote. Mittels gezielter Anfrage von Suchkriterien, die vorher von den Unternehmen hinterlegt worden sind, können die Suchenden die Angebote auf den Webseiten passgenau herausfiltern. Grundsätzlich können sich durch Online-Informationen auch die Wettbewerber des Anbieters in unerwünschter Weise über Details informieren. Chronologische Textbausteine für die Ausschreibung sind:

1. Aufgaben der Mitarbeiterin

2. Anforderung an die Stelle

3. Angebot der Praxis

4. Art der Bewerbung

Neben den klassischen Inseraten in der Jobbörse bieten auch soziale Netzwerke die Möglichkeit, den passenden Mitarbeiter für einen freien Arbeitsplatz zu finden. Xing ist ein Netzwerk, das Mitglieder vorrangig nutzen, um ihre bestehenden beruflichen Kontakte zu verwalten und neue zu knüpfen, das bietet dem Stellenanbieter auch die Chance, interessante Arbeitnehmer zu finden.

Das "Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz" (AGG)

Sowohl die Print- als auch die Online-Stellenausschreibung darf bestimmte Personen nicht benachteiligen bzw. diskriminieren. Stellenangebote müssen immer geschlechtsneutral formuliert sein, mit dem Hinweis m/w/d (männlich/weiblich und seit Oktober 2018 zusätzlich mit "d" für diverse). Mit der Bezeichnung m/w/d hinter der Position in der Ausschreibung werden die Bewerber gleichberechtigt angesprochen. Durch die Beifügung "-in" (Mitarbeiter/in) ist die Vorschrift erfüllt. Das Alter zählt zu den geschützten Merkmalen. Sachlich unbegründete Benachteiligungen von Bewerbern wegen ihres Alters sind durch das AGG verboten (§ 7 Abs. 1 AGG). Sowohl Ältere als auch Jüngere sollen geschützt werden. Das Alter darf kein ausschlaggebendes Kriterium sein, wenn es um die Auswahl unter mehreren gleich geeigneten Bewerbern geht. Problematisch sind auch die Anforderungen an den Bewerber oder die Bewerberin wie "erfahren und zuverlässig", was auf die Bevorzugung älterer Bewerber schließen lässt und jüngere ausschließt. Oder: "dynamisch und lernbereit", womit jüngere Bewerber bevorzugt werden. Auch die Formulierung "Für unser junges Team" ist unzulässig, im Gegensatz zu "engagiertes/motiviertes Team".

Obwohl das AGG nicht zu der befürchteten Klagewelle geführt hat, lohnt es sich, die Texte sorgfältig zu formulieren. Im Einzelfall können Erfahrung und Alter eine große Rolle spielen, sofern spezifische Anforderungen an die Stelle nachweisbar sind.

Fazit
  1. Verzichten Sie im Text auf Floskeln, z. B. „Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung“.
  2. Doppelt hält besser. Nutzen Sie Online-Jobbörsen und gleichzeitig die Presse.
  3. Vermeiden Sie ganze Sätze. Schlagwörter prägen sich besser ein.
  4. Bieten Sie eine „Bewerber-Hotline“ an. Geben Sie dem Bewerber die Möglichkeit, sich vorher zu informieren.
  5. Wählen Sie keine quadratischen Textblöcke. Nach Meinung von Experten sind Hoch- oder Querformate auffälliger, werden nicht überlesen.
  6. Negativdruck (weiß auf schwarz) fällt auf, aber auch nur bei geringer Textmenge und größerem Format.
  7. Bewerber fühlen sich durch Farbe angesprochen. Entscheiden Sie sich aber für max. drei Farben. Eine Stellenausschreibung ist kein Bilderbuch.
  8. Beschränken Sie sich bei der Kontaktadresse auf das Notwendige. Auf die Fax-Adresse können Sie verzichten.




Autor:

Rolf Leicher

Dipl.-Betriebswirt, Fachautor und Referent 69118 Heidelberg

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (20) Seite 72-74