Geistliche wie Sebastian Kneipp und Johann Künzle verbinden praktisches Heilpflanzenwissen mit Gottesfurcht – und erzielen so bis heute anhaltende Wirkungen bei den Menschen.

Drei Gottesdiener sind es vor allem, die den Ruhm der Pflanzen-Pfarrer begründen: Hieronymus Bock, der mit seinem "Kreütterbuch" das Standardwerk der mittelalterlichen Pflanzenkunde schuf. Sebastian Kneipp, der mit seiner "Wasserkur" ein bis heute gültiges Grundlagenbuch der präventiven Heilkunde schrieb. Und der Schweizer Johann Künzle, der in "Chrut und Uchrut" früh für die Heilkraft von Brennnesseln und Löwenzahn warb.

Vom "Wasser-Pfarrer" ...

Hieronymus Bock, der Botanik und Medizin studiert hatte, wirkte um 1533 als evangelischer Prediger in der Nähe von Zweibrücken. Als einer der ersten Forscher kümmerte er sich auch um die im deutschsprachigen Raum wachsenden Pflanzen, ein Wissen, das in sein um 1540 erschienenes "Kreütterbuch" einfloss. Mit seinen über 500 Holzschnitten, seinen präzisen Pflanzenbeschreibungen erlebte das Werk zahlreiche Neuauflagen und wurde ein Standard für die mittelalterliche Heilpflanzenkunde. Ein Erfolg, den das Werk auch seiner anschaulichen und derben Sprache verdankte – als Pfarrer wusste er halt, wie die Menschen zu fesseln waren.

Vor dem sicheren Tod stand mit seinem Bluthusten der 20-jährige Sebastian Kneipp – und heilte sich, indem er mehrmals in die eiskalte Donau sprang und sich danach in warme Decken hüllte. Diese "Eingangskrankheit" fasste er als Fingerzeig Gottes auf, künftig anderen Menschen zu helfen – weshalb er nach seinem Theologiestudium als Beichtvater nach Wörishofen ging. Dort entwickelte er seine Ganzheitsmedizin aus den fünf Säulen: Kaltes Wasser aktiviert Selbstheilungskräfte; Ernährung mit Vollwertkost aus viel frischem Gemüse, schonend zubereitet; Bewegungstherapie mit einem Fokus auf Barfußlaufen; Phytotherapie mit 50 heilenden Kräutern; Ordnungstherapie mit "Im Maße liegt die Ordnung". Wer all das in seinem 1886 erstmals erschienenen, inzwischen millionenfach verkauften Bestseller "Meine Wasserkur" nachliest, hat schnell das Gefühl, ein hochaktuelles Buch der präventiven Medizin zu lesen.

... bis zum "Kräuter-Pfarrer"

Johann Künzle, der sich offiziell "Kräuter-Pfarrer" nennen durfte, liebte ähnlich wie Sebastian Kneipp eine kräftige und volksnahe Sprache. So schrieb er in seinem 1911 erschienenen, millionenfach gedruckten Buch "Chrut und Uchrut" zum Frauenmantel: "Manch geschlagener Witwer hätte noch seine Frau, wenn sie diese Gottesgabe gekannt hätte."

Die Kraft der heilenden Pflanzen steht im Mittelpunkt der Pflanzen-Pfarrer, getreu dem "Weisheitsbuch" aus dem Alten Testament: "Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht." Das gilt bis heute!

Zum Autor:
Hans Lauber hat das TDM-Konzept für sein gleichnamiges Buch in jahrelanger Arbeit entwickelt. Der Autor, der mit vielen Ärzten zusammenarbeitet, hat den Bestseller "Fit wie ein Diabetiker" und sechs weitere medizinische Bücher geschrieben, die alle im Kirchheim-Verlag erschienen sind.



Autor:
Redaktion Der Allgemeinarzt

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (10) Seite 87