Für Jahrhunderte dominierten die Klöster mit ihrer Mischung aus Pflanzenkunde und Spiritualität die traditionelle Heilkunde. Viele Komponenten der Mittelalter-Medizin sind erstaunlich modern.

Ein Visionär war Benedikt von Nursia: Der Mönch gründete um 530 in Monte Cassino das erste Kloster mit einer zukunftsweisenden Regel, nämlich ora et labora. Das "bete und arbeite" ist eine Vorwegnahme unserer modernen Work-Life-Balance. Später ergänzte er seine Botschaft um "Lese" – Grundlage für ein Wissensmonopol. Gerade in Deutschland, wo um 800 viele Klöster gegründet wurden, kam es stark zum Tragen. Denn das Land war durch Kriege und Krankheiten verheert – und nur in den Klöstern wurde das Wissen aufgeschrieben und weitergegeben.

Traditionelle Heilpflanzen

Schon früh legten die Mönche in Italien Klostergärten an, um sich mit eigenen Heilpflanzen, aber auch frischem Gemüse und Obst zu versorgen – und schufen so die Basis für eine ausgewogene Ernährung. Bei den Heilpflanzen griffen sie auf zwei griechische Ärzte zurück: Hippokrates mit seinem Gebot "Nahrung ist Medizin" sowie Dioskurides, dessen "Materia Medica" mit ihren 600 Pflanzen bei uns bis ins 17. Jahrhundert nachwirkte.

Als viele Mönche jenseits der Alpen Klöster gründeten, brachten sie auch mediterrane Pflanzen wie Kamille und Salbei mit. Schon bald vermischten sich aber die mediterranen mit den hiesigen Heilpflanzen. Zwei Klöster waren für die Entwicklung der pflanzenbasierten Medizin besonders wichtig: Lorsch, wo um 795 das großartige gleichnamige Arzneibuch verfasst wurde, und die Insel Reichenau.

Gedicht wird Garten

Die Reichenau war um das Jahr 800 ein geistiges Kraftzentrum. Hier entstand der erste Klostergarten nördlich der Alpen, gestaltet nach dem Gartengedicht "Hortulus" des Benediktinermönchs Walahfrid Strabo. Noch heute fasziniert dieses 23 Pflanzen beschreibende Werk durch seine anschauliche Sprache. So heißt es über den Fenchel: "Auch sei der Ruhm des Fenchels nicht verschwiegen. Löst er doch prompt die Verstopfung des zaudernden Leibs". Eine auch heute noch gültige Weisheit.

Die spirituelle Komponente

Ihren Höhepunkt erlebte die Klostermedizin um 1165 unter Hildegard von Bingen. Sie verfasste große Werke zur Medizin, aber auch über die Ernährung, wo sie das Bier als Schönheitsgetränk lobt. Auch hat sie erkannt, dass zu einer ganzheitlichen Gesundheit eine spirituelle Komponente gehört. Diese Gesundheit der Seele ist es, die gerade heute viele stressgeplagte Menschen suchen.

Salbei schützt das Gehirn

Noch schlummern viele Schätze in den alten Heilbüchern. So gab es dort immer wieder Hinweise auf Heilwirkungen des Salbeis bei Lähmungen. Nun hat eine Studie herausgefunden, dass der Salbei tatsächlich Wirkungen auf das Gehirn hat.

Zum Autor:
Hans Lauber hat das TDM-Konzept für sein gleichnamiges Buch in jahrelanger Arbeit entwickelt. Der Autor, der mit vielen Ärzten zusammenarbeitet, hat den Bestseller "Fit wie ein Diabetiker" und sechs weitere medizinische Bücher geschrieben, die alle im Kirchheim-Verlag erschienen sind.



Autor:
Redaktion Der Allgemeinarzt

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (9) Seite 93