"TEAMARBEIT" wird in den meisten Praxen großgeschrieben. Und das ist gut so. Denn: Wenn alle Praxismitglieder respektvoll miteinander umgehen, sich gegenseitig wertschätzen, unterstützen und "Hand in Hand" arbeiten, profitieren alle!

Ist das Klima in der Praxis gut, kommen die Mitarbeiterinnen mit Freude zur Arbeit, engagieren sich stärker und halten auch in schwierigen, stressigen Zeiten zusammen. Ein Wir-Gefühl wächst und damit auch die Bindung zur Praxis. Gibt es hingegen Spannungen und ungelöste Konflikte im Team, kann das sehr kräfte- und nervenaufreibend sein. Die Motivation sinkt und mit ihr meist auch die Leistung. Ein ungesundes Klima ist psychisch belastend und macht schlimmstenfalls sogar krank. Eine Situation, die den Praxisinhaber vor große Herausforderungen stellen kann.

Es lohnt sich also, sich mit den Themen "Arbeitsatmosphäre" und "Teamwork" frühzeitig auseinanderzusetzen. Im Folgenden erhalten Sie acht Tipps, wie Sie Teamarbeit stärken und fördern können:

Tipp 1: Setzen Sie auf heterogene Teams und schätzen Sie die Unterschiede

Sowohl Stärken und Fähigkeiten als auch Persönlichkeit und Verhalten Ihrer Mitarbeiterinnen können sehr verschieden sein. Da gibt es möglicherweise die Mitarbeiterin, die sehr offen und kommunikativ ist, und eine andere, die eher sachlich, ruhig und besonnen ist, dafür aber ein gutes technisches Verständnis hat. Je nachdem, in welchen Bereichen die eine oder andere eingesetzt wird, kann sie ihr Potenzial voll entfalten oder unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Anerkannte Persönlichkeitsmodelle, so etwa das DISG-Modell, unterscheiden oftmals zwischen "extro- und introvertiert" sowie "menschen- und aufgabenorientierten Persönlichkeitstypen". Einschätzungen, die alleine für sich schon sehr hilfreich sein können. Warum? Manch eine Mitarbeiterin konzentriert sich stärker auf die Aufgabe selbst und stellt diese in den Vordergrund, eine andere wiederum legt den Fokus stärker auf das Persönliche und den Menschen. Eine Erkenntnis, die für den Praxisbetrieb durchaus wertvoll sein kann.

Praxen mit gemischter Altersstruktur profitieren einerseits von ihren jungen, dynamischen und veränderungsmotivierten Mitarbeiterinnen, die oftmals sicherer mit digitalen Medien umgehen, andererseits aber auch von den erfahrenen und routinierten Mitarbeiterinnen, die Risiken besser einschätzen können und für Stabilität in der Praxis sorgen.

Tipp 2: Legen Sie den Grundstein für eine motivierende Praxiskultur!

Auch wenn Sie jetzt den Eindruck haben, dass sich Ihr Team sehr gut versteht und ganz nach dem Motto "Totaler Einsatz Aller Mitwirkenden" arbeitet, wird sich die Konstellation Ihres Teams früher oder später auch wieder verändern und mit der Veränderung möglicherweise auch das Praxisklima. Befragen Sie Ihr Praxisteam, welchen Umgang sie sich wünschen, welche Wertevorstellungen sie haben und welche gemeinsamen Regeln im Sinne eines Teamkodex im Sinne aller festgelegt werden können. Somit legen Sie den Grundstein für eine gesunde und gute Praxiskultur. Hierfür ist das Brainstorming eine kreative und motivierende Technik, mit deren Hilfe Sie Ergebnisse sammeln und auf einem Poster zusammenfassen und visualisieren können.

Tipp 3: Informieren Sie Ihr Team regelmäßig über Veränderungen!

Stehen in der Praxis organisatorische oder strukturelle Veränderungen an, wird es die Mitarbeiter motivieren, frühzeitig von ihnen zu erfahren und selbst teilhaben zu können. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Mitarbeiterinnen gleichermaßen informieren. Nicht oder schlecht informierte Mitarbeiterinnen fühlen sich ansonsten übergangen und zurückgesetzt, was demotiviert. Wichtige Infos sollten deshalb strukturiert und nicht "zwischen Tür und Angel" weitergegeben werden. Die regelmäßige Teambesprechung oder der tägliche dreiminütige "Round Table" bieten dafür optimale Umsetzungsmöglichkeit. Für das "Update" zwischendurch eignet sich auch das Anlegen eines "Info-Musterpatienten" oder eine einfache Excel-Tabelle, auf die alle Zugriff haben. Auf diese Weise können sich auch Teilzeitkräfte, Azubis und Mitarbeiter nach Krankheits- oder Urlaubszeiten auf den aktuellen Stand bringen.

Tipp 4: Fördern Sie auch den privaten Austausch!

Nutzen Sie die Frühstückszeit oder den gemeinsamen Mittagstisch im ansprechend eingerichteten Sozialraum, um sich auch auf persönlicher Ebene auszutauschen. Eine Frage nach dem Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiterinnen bei Rückkehr aus dem Krankenstand oder die Frage nach dem geplanten Urlaubsziel bei Urlaubsantritt hat eine größere Wirkung, als vermutet.

Tipp 5: Seien Sie gerecht, fair und unparteiisch!

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Mitarbeiterinnen fair behandeln und es keine Gründe für den Eindruck der Benachteiligung gibt. Bereiche, in denen es schnell dazu führen kann, sind beispielsweise Krankheitsausfall, Arbeitszeiten- und Urlaubsplanung. Kommt es hier zu Ungerechtigkeiten, kann dies schnell zu Spannungen im Team führen und den Praxisfrieden empfindlich stören.

Seien Sie bei Problemen innerhalb des Teams ansprechbar und geben Sie Hilfestellungen, lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen jedoch Konflikte selbst lösen und bleiben Sie möglichst unparteiisch!

Tipp 6: Stärken Sie Ihr Team durch organisierte Teambuilding-Maßnahmen!

Neben dem klassischen Betriebsausflug und der Weihnachtsfeier gibt es viele andere erfrischende und motivierende Möglichkeiten, sich auszutauschen und gemeinsame Erlebnisse zu haben. Ob geführte Teamevents, Team-Tage auf dem Bauernhof oder Geo-Caching. Die Chance, außerhalb der Praxis zusammenzukommen, Verbindendes zu erleben, an einer gemeinsamen Aufgabe zu arbeiten und sich über andere Themen auszutauschen, macht Freude und motiviert. Solche Aktivitäten werden als Wertschätzung empfunden und stärken den Gemeinschaftssinn.

Tipp 7: Reflektieren Sie die Teamentwicklung!

Laut dem US-amerikanischen Psychologen Bruce Tuckman durchläuft ein Team vier, ggf. auch fünf Phasen. Diese bestehen aus Forming (=Einstiegs- und Findungsphase), Storming (=Auseinander-setzungs- und Streitphase), Norming (=Organisationsphase), Performing (=Leistungsphase) und ggf. auch Adjourning (=Auflösungsphase).

Ziel ist es, dabei eine Orientierung darüber zu bekommen, in welcher Phase sich das Team befindet, wo mögliche Probleme verborgen liegen und was zu tun ist, um in die nächste Teamentwicklungsstufe zu gelangen. Jede dieser Phasen sollte entsprechend vor- und nachbereitet werden. In jeder dieser Phasen gilt es, im Gespräch zu bleiben und, wenn nötig, nach Konfliktlösungen zu suchen und Vereinbarungen neu festzulegen.

Eine neu angestellte Mitarbeiterin befindet sich also zunächst immer erst in der Forming-Phase, bevor sie dann über eine (mögliche) Storming- und Norming-Phase in das Team integriert ist und sich voll einbringen kann.

Tipp 8: Leben Sie eine offene Fehlerkultur!

Wer einen Fehler begeht und Angst vor der Reaktion oder den Folgen haben muss, wird dazu neigen, ihn zu vertuschen. Noch allzu oft geht es zuallererst um den Schuldigen und nicht um die wirklich zielführenden Fragen "Wie konnte es passieren?" und "Wie können wir es zukünftig besser machen?". Nicht selten liegt die Fehlerursache in der Organisation selbst und weist auf einen bestehenden Missstand hin, wie beispielsweise eine schlechte Einarbeitung, fehlende Information oder hohen Zeitdruck.

Eine positive Fehlerkultur zu leben, bedeutet Fehler zu akzeptieren und Fehlermeldungen zu würdigen und wertzuschätzen. Im Anschluss daran nach der Ursache zu forschen und gemeinsam im Team nach Lösungen zu suchen, um schließlich die Fehlerwahrscheinlichkeit zukünftig zu reduzieren. So kann ein Praxisklima entstehen, das frei ist von Ängsten, Vertuschen, Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen. Ein Klima, in dem das Team sich wohlfühlen und weiterentwickeln kann.



Autorin:

Christiane Fleißner-Mielke

praxistrainingplus
Beratung, Seminare, Coaching
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Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (1) Seite 52-54