Unsere Praxen erdulden eine Trias politisch verordneter Bürokratiemonster: EU-DSGVO, Telematikinfrastruktur und TSVG. Die den politischen Entscheidungen innewohnende Inkompetenz und das Unverständnis für uns und unsere Praxen treffen uns hart und werden einen Ärztemangel weiter fördern.

Trotzdem bleiben die verantwortlichen Politiker gelassen, denn sie gehen von folgender Vorstellung aus: Hausärzte werden durch andere Gesundheitsberufe ersetzt (Substitution), die Kliniken für die ambulante Facharztversorgung geöffnet und den Rest erledigt die Digitalisierung.

Das Leuchtturmprojekt der Digitalisierung ist die Telematik-
infrastruktur mit dem Konnektor, die unter Sanktionen in die Praxen gepresst wird. Dabei wird eine teure Technik aus den Neunzigerjahren des letzten Jahrtausends ausgerollt. Um die Preise zu drücken, haben sich der GKV-Spitzenverband und die KBV etwas Tolles ausgedacht: eine degressive Preisstaffelung für die Installation der Technik in den Praxen.

Problem dabei ist nur, dass kein Markt entstanden ist und mit den erstatteten KV-Geldern viele Praxen trotzdem auf ihren Kosten sitzen geblieben sind – ganz zu schweigen von den Kosten für den Praxisausfall bei Schulungen, Softwareabstürzen oder dafür, dass Patienten mit der eGK1 in die Praxen kamen. Anstatt das Ganze erst nach dem Ausrollen der eGK2 zu starten, wurde den Praxen ein Ersatzverfahren zugemutet, das für ihren Betrieb ungeeignet ist. Das Ganze soll ja möglichst ohne Öffentlichkeit ablaufen, deshalb hatte uns die CompuGroup Medical (CGM) bei unserer landesweiten TI-Umfrage abgemahnt und eine Unterlassungserklärung eingefordert. Wir haben sie nicht unterschrieben und stattdessen eine bundesweite Abfrage durchgeführt, die ein ganz ähnliches Ergebnis zeigte: Unterdeckung bei den Kosten und technische Pro-
bleme, die den Praxisbetrieb massiv stören. Wie konnte man in einer Zeit der Umstellung von der eGK1 auf die eGK2 die Praxen per Gesetz in die TI zwingen und wer bezahlt das Chaos in vielen Praxen?

Ich bin kein Gegner der Digitalisierung, aber uns eine veraltete Technik aufs Auge zu drücken, die vermutlich nur die Daten der eGK abgleicht, ist harter Tobak. Ich höre immer wieder, dass die Konnektoren ausgetauscht werden müssen, wenn weitere notwendige Anwendungen kommen. Was für eine Verschwendung und welche Zumutung für unsere Praxen. Ich finde, dass wir dagegen etwas tun müssen!

Deswegen bereiten wir Muster- und Sammelklagen bezüglich der Kostenerstattung durch die KVen vor, die häufig weder die technischen Kosten noch die Zusatzkosten für den Aufwand voll bezahlt haben. Außerdem muss die Technik von neutraler Seite geprüft werden. Es macht doch keinen Sinn, jetzt etwas zu installieren, was im nächsten Schritt womöglich ausgetauscht werden muss.



Autor:

Dr. med. Werner Baumgärtner

Facharzt für Allgemeinmedizin
Vorstandsvorsitzender von MEDI GENO Deutschland
70565 Stuttgart

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (20) Seite 5