Alle reden von der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dabei gerät aber oft in Vergessenheit, dass es auch hierzulande eine Traditionsmedizin gibt. Sie steht nicht im Gegensatz zur Schulmedizin, sondern ist eine alternative Ergänzung. Klug eingesetzt, kann sie das therapeutische Spektrum der Ärzte erweitern. Welche Chancen die Traditionelle Deutsche Medizin (TDM) birgt, beschreiben wir in einer Reihe von Beiträgen des Buchautors Hans Lauber. Starten wollen wir mit einem Überblick.

Pflanzen und Gärten sind die Basis unserer tradierten Medizin, die aus fünf Elementen besteht.

Naturheilkunde: Nahrung ist Medizin

Selbst Experten wissen nicht, welche vitale Kraft in wilden Pflanzen wohnt, die viele Mineralien, Vitamine und Sekundärstoffe enthalten. Kaum jemand hat erforscht, wie sich die Heilkraft heimischer Pilze gezielt nutzen lässt. Weitgehend unbeachtet bleiben die Segnungen der sanften Aromatherapie. Viel zu wenig praktisch "verschrieben" wird die Weisheit von Hippokrates "Nahrung ist Medizin", weshalb etwa Köche mit eigenen Kräuter- und Gemüsegärten einen Beitrag zur vorbeugenden Gesundheit liefern.

Klostermedizin: Verborgene Schätze

Sie war die dominierende Heilkunde des Mittelalters – und noch immer sind nicht alle Schätze der Klostermedizin gehoben. Denn es warten noch viele uralte Heilpflanzenbücher auf ihre systematische Auswertung. Das würde sich auch deshalb lohnen, weil die Mönche und Nonnen die Erfahrungen der Volksheilkunde ihrer jeweiligen Umgebung aufgesogen und in Schriftform gegossen haben. Insbesondere Hildegard von Bingen war in einem intensiven Dialog mit den Kräuterfrauen und hat deren Erkenntnisse in ihre Ernährungslehre integriert.

Pflanzen-Pfarrer: Das große Ganze

Geistliche wie Sebastian Kneipp und der Schweizer Johann Künzle haben schon früh das Wissen um die Heilpflanzen um eine seelische Komponente erweitert – und so die Grundlagen für eine ganzheitliche Medizin gelegt. Noch heute liest sich der Kneipp-Bestseller "Meine Wasserkur" wie ein aktuelles Lehrbuch der Präventionsmedizin.

Homöopathie: Hohes Vertrauen

Auch wenn sich die Wirksamkeit der Homöopathie schulmedizinisch nicht beweisen lässt, besteht ein Grundvertrauen vieler Menschen in die von Samuel Hahnemann entwickelten Prinzipien. Sie kann eine preiswerte Therapie gerade auch für viele psychosomatische Leiden sein – und sie gehört so zur TDM.

Apothekenmedizin: Mehr selbst fertigen

Noch bis vor wenigen Jahren haben die Apotheken Fertigarzneimittel mit medizinisch wirksamen Bestandteilen produziert. Doch das wird vom Gesetzgeber nicht mehr gewünscht, viele lange bewährte Präparate sind nicht mehr erhältlich, ein großes volksmedizinisches Wissen ist verschwunden. Es wäre zu wünschen, dass mutige Apotheker dafür kämpfen, wieder mehr auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Menschen abgestimmte Präparate selbst zu fertigen.

Zum Autor:
Hans Lauber hat das TDM-Konzept für sein gleichnamiges Buch in jahrelanger Arbeit entwickelt. Der Autor, der mit vielen Ärzten zusammenarbeitet, hat den Bestseller "Fit wie ein Diabetiker" und sechs weitere medizinische Bücher geschrieben, die alle im Kirchheim-Verlag erschienen sind.



Autor:
Redaktion Der Allgemeinarzt

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (8) Seite 89