Die Rücknahme der Telefon-AU durch den G-BA war für eine Reihe von engagierten Hausärztinnen und Hausärzten aus ganz Deutschland der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Ihr Unmut schafft sich nun in der Aktion "Blanke Bedenken" ein Ventil. Mit der Aktion wollen sie auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, mit denen sie sich in der hausärztlichen Betreuung während der Corona-Pandemie konfrontiert sehen. Schutzkleidung, Einmal-Masken und Desinfektionsmittel sind weitgehend aufgebraucht und Nachschub oft nur schwer zu beschaffen. Die Ärztinnen und Ärzte fühlen sich quasi schutzlos, man könnte auch sagen "nackt" in ihrem Kampf für ihre Patienten und gegen das Virus.

Und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint. Auf der Website www.blankebedenken.org zeigen sich einige der Allgemeinärzte und Allgemeinärztinnen tatsächlich nackt in ihren Praxen. "Die Nacktheit soll symbolisieren, dass wir ohne Schutz verletzlich sind", erklärt Dr. Ruben Bernau, der mit seinem Praxisteam nach wie vor nur unzureichend über Schutzausrüstung verfügt.

Die Verlängerung der Telefon-AU bis zum 4. Mai sei zwar ein Erfolg der vielstimmigen Proteste, aber dieser Zeitraum sei immer noch viel zu kurz, kritisieren die Initiatoren. Anfang Mai werde die Pandemie noch lange nicht vorbei sein. Eine Öffnung der Praxen für AU-Bescheinigungen erhöhe nur das Risiko für unnötige Ansteckungen für chronisch kranke Patienten und auch das Praxisteam.

Dass die Bedenken der Ärztinnen und Ärzte nicht unbegründet sind, würden Untersuchungen aus Frankreich und Italien zeigen. Diese hätten teils hohe Erkrankungsraten und auch Todesfälle insbesondere unter den Hausärztinnen und Hausärzten beschrieben. Ganz abgesehen davon falle die Praxis bei Infektionen des Teams für die hausärztliche Versorgung der Menschen zunächst aus.

Wichtig ist es den Initiatoren, dass sie mitgestalten wollen. Sie sehen sich als Expertinnen und Experten für die ambulante Betreuung – in der Praxis, zu Hause und im Heim. "Ein sinnvoller Pandemie-Plan muss unbedingt die Expertise und Erfahrung von Hausärztinnen und Hausärzten mit einfließen lassen", bekräftigt Dr. Sandra Blumenthal und verweist auf die Petition "Wir sind da. Auch in der Krise. Wenn man uns lässt. Ihre Hausärztinnen. #Hausärztinnensindda".

Mitmachen
Über das Kontaktformular auf www.blankebedenken.org können sich Interessierte aus Hausarztpraxen melden, wenn sie sich an der Aktion beteiligen wollen.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (9) Seite 32