Eines der wichtigsten Werkzeuge eines Allgemeinarztes ist seine Stimme. Schließlich gehört die Kommunikation neben dem eigentlichen Handwerk zu seinen Haupttätigkeiten. Damit Patienten alle Erklärungen und Anweisungen korrekt verstehen und umsetzen können, sollten sich Ärzte und auch die MFAs deutlich artikulieren. Trainieren Sie dies mit ein paar einfachen Übungen, die zudem noch gute Stimmung ins Team bringen können.

Folgende Übung, die regelmäßig durchgeführt werden sollte, hilft dabei, eine klare Aussprache zu erhalten. Ein Training könnte z. B. gemeinsam von Arzt und MFAs jeweils am Ende der monatlichen Teambesprechungen durchgeführt werden. Erfahrungsgemäß trägt es auch noch massiv zur Erheiterung der Teilnehmer bei:

Was man von Fischers Fritze lernen kann

Der Übende spricht einen bestimmten Text (z. B. die typische Telefonmeldung der Praxis) in gewohnter Weise. Alle anderen hören aufmerksam zu. Nun nimmt der Übende einen Bleistift quer in den Mund und hält ihn mit den Backenzähnen fest, dabei spricht er dreimal hintereinander laut und möglichst klar den gleichen Text. Anschließend spricht er ihn noch einmal ohne Stift und alle werden bereits eine deutliche Verbesserung zur Ursprungsversion feststellen. Wird diese Übung regelmäßig gemacht, stellt sich mit der Zeit automatisch die optimale Lautbildung ein.

Auch das Üben von klassischen Zungenbrechern verbessert die Artikulation:
  • Braune Bürstenborsten bürsten besser als Borsten aus braunen Bürsten.
  • Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.
  • Fischers frisch frisierter Fritze frisst frisch frittierte Frisch-Fisch-Frikadellen...

Auf die Haltung kommt es an

Die richtige Körperhaltung und Atmung sind weitere wichtige Voraussetzungen für entspanntes und ausdrucksvolles Sprechen. Man muss nur daran denken, wie gepresst es klingt, wenn man beim Sprechen etwas vom Boden aufheben will. Umgekehrt wird sich die richtige Haltung immer entsprechend positiv auf die Stimme auswirken: Der Körper sollte gerade gehalten werden, damit die Atemluft locker und ungehindert ein- und ausströmen kann. Diese Haltung signalisiert dem Patienten außerdem, dass man "Rückgrat" hat, und vermittelt Selbstbewusstsein. Es sollte dabei aber kein Hohlkreuz gemacht und die Schultern nicht hinten zusammengezogen werden, da das den Atemfluss wieder behindert. Der "Zielpunkt" der Atmung sollte zwei Finger breit unter dem Bauchnabel liegen. Atmen sollte man im "Dreitakt": Einatmen – ausatmen – Pause. Dabei ist darauf zu achten, dass das Ausatmen länger dauert als das Einatmen und die Pause eingehalten wird.

Seufzen und Lachen!

Beim Sprechen sollte der Kehlkopf locker und tief stehen. Alle Resonanzräume des Kopfes können dann mitschwingen. Zwei Dinge sind für eine Lockerung gut geeignet: Seufzen und Lachen. Seufzen verringert die Spannung im Körper und in der Atmung. Lachen lockert die gesamte Körpermuskulatur auf angenehme Weise. Also ruhig mal häufiger seufzen – und vor allem so oft wie möglich lachen! Ein weiterer Anlass, um für möglichst viel Spaß und Gründe zum Lachen in der Praxis zu sorgen.

Kau-Übung lockert Kiefer

Eine kleine Kau-Übung ist eine weitere Möglichkeit zur Lockerung der Kiefermuskulatur und damit Stimmverbesserung: Man nehme ein Stück Brot in den Mund und kaue langsam, entspannt und mit weiten Bewegungen, bei geöffnetem Mund. Dabei nicht zu fest zubeißen und die Kaumuskulatur immer weiter lockern. Während des Kauens Laute bilden, wie "mjam", "njom", "maoam" oder ähnliche. In einer späteren Phase können ganze Sätze kauend gebildet werden, ohne noch etwas im Mund haben zu müssen.

Regelmäßig angewendet führen diese Übungen dazu, dass Arzt und Team zumindest hinsichtlich der Aussprache besser verstanden werden.




Autor:

Werner M. Lamers

Seit 1984 Unternehmensberater im Gesundheitswesen
Lamers Praxisberatung
48727 Billerbeck

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (18) Seite 74-75