Der Landarzt Dr. med. Frederik Mader, 46, aus Nittendorf in Bayern, ist Allgemeinarzt mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Seit 2002 arbeitet er in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis.

Woher kommt Ihr Interesse an der Sportmedizin? Machen Sie selbst gerne Sport?

Ja, Sport wie Skifahren, Fußball und Joggen hat in meinem persönlichen Leben immer eine große Rolle gespielt. Deshalb gab es bei mir auch ein starkes Interesse, Patienten als Sportmediziner qualifiziert beraten und behandeln zu können. Als junger Arzt war ich damals auch noch familiär ungebunden, hatte – was bis heute noch so ist – unheimlich viel Freude an meinem Beruf und das große Bedürfnis, mich fort- und weiterzubilden. Mir war auch klar: Bevor ich in die Niederlassung gehe, will ich möglichst viele Zusatzbezeichnungen erworben haben. Denn hält man erst mal täglich seine Sprechstunden ab, funktioniert das zeitlich kaum noch. Neben der Sportmedizin habe ich auch die Zusatzbezeichnung Chirotherapie. Zudem bin ich Kardiovaskulärer Präventivmediziner DGPR®.

Wann und wo haben Sie die Weiterbildung Sportmedizin gemacht und wie lange dauerte sie?

Die Zusatzbezeichnung erwarb ich im Jahr 2000. Ich war damals Arzt im Praktikum in einem Berliner Krankenhaus. Die Sportmedizin ist aber nicht an eine Tätigkeit in der Praxis oder der Klinik gebunden, sondern eine Fortbildung, die man in Kursen, hauptsächlich am Wochenende, in Abendveranstaltungen oder innerhalb von Fortbildungswochen erwerben kann. Sie war damals ganz einfach, viel unkomplizierter als heute, man musste lediglich einen 240-Stunden-Kurs absolvieren. Die Stunden für die Weiterbildung hatte ich schon ein Jahr nach meiner Approbation in der Tasche. Man muss dann noch nachweisen, dass man als Sportmediziner zwölf Monate lang für einen Sportverein aktiv war. Das habe ich bei mir in Nittendorf im Fußballverein gemacht, und die Hobbysportler bei Fragen und Verletzungen medizinisch beraten. Die Zusatzbezeichnung erlangte man damals noch ohne Prüfung; heute muss man eine vor der Kammer machen.

Entsprach die Weiterbildung inhaltlich Ihren Erwartungen?

Mit Augenzwinkern kann man schon sagen: Die sportmedizinische Weiterbildung ist relativ liberal. Man macht z. B. eine Woche Skiurlaub in den Alpen, und das Skifahren gehört quasi schon zum sportpraktischen Teil, für den es Punkte gibt. Nachmittags sitzt man dann in gemütlicher Runde und hört sich Vorträge an. Der Inhalt solcher Veranstaltungen, die Wellness, Sport und Fortbildung kombinieren, ist der Qualität allerdings häufig abträglich. Man muss schon genau schauen. Es lohnt sich immer ein kritischer Blick auf das Programm.

In Bayern hat sich in jüngster Zeit ja einiges getan, um der Sportmedizin mehr Qualität einzuräumen …

Das ist richtig. Vor etwa drei Jahren ist bei uns in Bayern die Sportmedizin auf ein höheres Niveau gehoben worden. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Sportärzteverband und dem Landessportverband wurden sogenannte Untersuchungs- und Beratungsstellen geschaffen. Diese Einrichtungen sind Anlaufstellen für ambitionierte und Breitensportler. Wer als Arzt daran Interesse hat, kann einen ganzen Katalog für Hobbysportler anbieten, wie Laktatmessung, Leistungsdiagnostik etc. und darf sich Zertifizierte sportmedizinische Untersuchungs- und Beratungsstelle nennen. Das ist ein nettes Qualitätssiegel, das ich auch habe. Allerdings hat es mir noch keinen zusätzlichen Patienten gebracht.

Hat sich die Weiterbildung für Sie dann überhaupt gelohnt?

Meine Patienten im Dorf schätzen es sehr, dass da "so ein Sportarzt" in der Praxis ist. Termine beim Orthopäden sind ja relativ schwierig zu bekommen – mit langen Wartefristen. Die Patienten sagen immer mal wieder zu mir: Sie sind doch Sportarzt, da kann ich doch zu Ihnen kommen mit meinen Knieproblemen. Es ist schon ein Marketing-Plus, diese Zusatzbezeichnung zu führen. Die Menschen setzen bei mir eine gute Beratungsqualität in Sachen Bewegungsapparat voraus. Und ich bemühe mich, diese Qualität zu liefern. Durch die Sportmedizin habe ich ein viel besseres Auge für Überlastungserscheinungen und Sportverletzungen. Die Wirbelsäule und die Gelenke spielen beim Hausarzt im Praxisalltag ja ohnehin eine große Rolle. Außerdem besuche ich weiterhin sportmedizinische Fortbildungen – zwar nicht mehr in der Intensität wie früher, als ich noch die Stunden und die Punkte brauchte. Aber wann immer mich etwas aus dem Sportbereich interessiert, fahre ich hin, z. B. zum Bayerischen oder zum Deutschen Sportärztekongress. Es ist einfach gut, das alles gelernt zu haben und auch immer Neues zu erfahren. Ja, die Sportmedizin hat sich für mich gerechnet.

Finanziell auch?

Eher nicht. Diese Weiterbildung sollte man nur machen, wenn man großes Interesse am Sport und am Sportler an sich hat. Sie lediglich aus Marketinggründen zu absolvieren, um sie aufs Schild schreiben zu können, lohnt sich keineswegs. Wenn man keine tiefe Begeisterung dafür hat, ist das Ganze nur unnötige Schinderei. Die Chirotherapie oder die Akupunktur, das sind Zusatzbezeichnungen, mit denen man Ziffern abrechnen kann. Aber ich bleibe dabei: Wer zum Sport eine Affinität hat, für den ist auch die Sportmedizin eine super Sache.

Sportmedizin
Für die Zusatzbezeichnung Sportmedizin sind in Bayern 24 Monate Weiterbildung in der unmittelbaren Patientenversorgung nötig. Die Weiterbildung dauert ein Jahr und muss in einer sportmedizinischen Einrichtung erfolgen. Als Alternative gilt ein 240-Stunden-Kurs in Sportmedizin, an den sich 120 Stunden sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder in einer anderen vergleichbaren Einrichtung innerhalb von mindestens 12 Monaten anschließen. Bei der Sportmedizin erwirbt der Arzt u. a. Kenntnisse in sportmedizinischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, in der Arzneimitteltherapie auf diesem Gebiet sowie in den gesundheitlichen Belastungen des Haltungs- und Bewegungsapparates beim Sport. Am Ende der Weiterbildung steht eine etwa 45-minütige mündliche Prüfung. Die Kosten für die Zusatzbezeichnung richten sich u. a. nach der Kursgebühr des Veranstalters (wie Bayerischer Sportärzteverband oder Deutsche Akademie für Präventivmedizin).

Im Ranking der Zusatzbezeichnungen liegt die Sportmedizin in Bayern hoch im Kurs: auf Platz 2 mit 10,4 %.

In den anderen Bundesländern sind die Regelungen für die Weiterbildung vergleichbar. Nähere Infos finden Sie auf der Homepage Ihrer Landesärztekammer.



Das Interview führte:
Angela Monecke

Alle weiteren Teile der Serie Zusatzbezeichnungen finden Sie hier



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (11) Seite 56-58