Noch immer sind viele Ärzte der Meinung, dass Online-Marketing für Praxen oder selbst eine eigene Praxis-Website nicht nötig sind. Die Wartezimmer sind doch voll, die Menschen sind stets auf Ärzte angewiesen und ergo spielt der eigene Onlineauftritt eine eher untergeordnete Rolle – oder? Welchen Nutzen hat zielgerichtetes Online-Marketing für Arztpraxen und worauf ist bei der eigenen Positionierung im Web zu achten? Wir möchten Ihnen 7 Tipps mitgeben, wie Sie Ihre Website und die Relevanz für Google optimal gestalten können.

Das Informationsbedürfnis von Patienten hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Erste Anlaufstelle ist hierbei zumeist die Google-Suche. Die Ergebnisse, die bei der Online-Suche herauskommen, lassen sich grundsätzlich in drei Lager unterscheiden:

  • Ärzte ohne Homepage (nur über Arztportale auffindbar)
  • Ärzte mit veralteter Homepage
  • Ärzte mit professioneller Homepage

Für viele und insbesondere für junge Menschen ist die Website der wichtigste Berührungspunkt auf der Suche nach einem Arzt. Hier geht es neben der allgemeinen Auffindbarkeit vor allem um Vertrauen. Die suchenden Patienten, die mit dem Internet und der täglichen Nutzung von Suchmaschinen aufgewachsen sind, assoziieren die Professionalität des Onlineauftritts mit jener der angebotenen Behandlungen.

Eine professionell erstellte Praxis-Website erhöht damit nicht nur die eigene Sichtbarkeit, sondern vor allem das Vertrauen potenzieller Patienten in Ihr Behandlungsspektrum.

Wozu eine Website, wenn ein Jameda-Eintrag vorhanden ist?

Viele Praxisinhaber begründen eine veraltete oder nicht vorhandene Website mit einem Eintrag bei Jameda oder vergleichbaren Verzeichnissen. Bei Suchen nach Ärzten erscheinen diese Portale ganz oben in Suchmaschinen. Doch reicht das im Jahr 2020 wirklich noch aus?

Keine Frage, ein gepflegter Jameda-Eintrag mit positiven Bewertungen ist ein guter Schritt in Richtung einer professionellen Wahrnehmung. Doch für viele Suchende sind mehr Berührungspunkte notwendig, bis eine Praxis überzeugt, ausreichend Vertrauen aufgebaut und ein Termin gebucht wird.

Welchen Eindruck machen die Räumlichkeiten Ihrer Praxis? Wie ist Ihr Praxisteam aufgestellt? Wie sehen konkrete Behandlungsabläufe aus? All das sind Fragen, die Patienten haben, bevor sie ein sensibles Gut wie ihre Gesundheit in Ihre Hände geben. Um dieses Informationsbedürfnis zu befriedigen und um Vertrauen in Ihre Fähigkeiten sowie Ihre Praxis zu schaffen, ist eine aussagekräftige Praxis-Website notwendig.

Durch SEO die eigene Sichtbarkeit und Patientenqualität erhöhen

Wie viele Patienten Google tatsächlich zur Suche nach einem Arzt konsultieren, können folgende Zahlen verdeutlichen:

  • Der Suchbegriff "Hausarzt Hamburg" wird monatlich rund 5.600-mal in die Google-Suchmaske eingegeben.
  • Nach "Hausarzt München" wird monatlich etwa 8.200-mal via Google gesucht.
  • Auch in kleineren Städten ist das Suchvolumen für Ärzte hoch – "Hausarzt Darmstadt" wird von knapp 3.800 Nutzern pro Monat bei Google gesucht.

Wer hier ganz oben steht, muss sich über neue Patienten wenig Sorgen machen. Doch die Betonung liegt hierbei auf ganz oben, wie folgende Statistiken zeigen:

  • 99,1 % aller Klicks fallen auf ein Suchergebnis der ersten Google-Seite.
  • 60 % der Nutzer klicken auf das erste Ergebnis, während Platz 2 noch rund 16 % und Platz 3 nur noch 8 % der Klicks erhalten.

Ärzte, die ihre Website in die Hände von SEO-Profis (SEO = Suchmaschinenoptimierung) geben, vervielfachen ihre Chancen, für relevante Suchbegriffe ganz oben zu erscheinen. Durch SEO wird die Praxis-Website dahingehend inhaltlich und technisch optimiert, dass die Praxis langfristig mehr Sichtbarkeit und Reichweite in Suchmaschinen und dadurch mehr Klicks von interessierten Patienten erhält.

Auch für Praxen, die eigentlich ein volles Wartezimmer haben, kann sich Suchmaschinenoptimierung lohnen. Haben Sie wirklich die Patienten, die Sie haben wollen, oder lässt sich Ihre Patientenqualität erhöhen? Vielen Ärzten ist gar nicht bewusst, dass man beispielsweise den Anteil der Privatpatienten aktiv beeinflussen kann. Mit gezielter Suchmaschinenoptimierung lässt sich nicht nur Ihre allgemeine Sichtbarkeit steigern – mit der richtigen Strategie lässt sich auch die Zusammensetzung Ihres Patientenklientels verändern.

7 Tipps für eine Praxis-Website, die online gefunden wird
Tipp 1: Achten Sie auf ein modernes und ansprechendes Webdesign. Potenzielle Patienten suchen vermehrt online nach ihrer neuen Arztpraxis. Das bedeutet, dass Ihre Website der erste und wichtigste Kontakt mit Ihrer Praxis ist. Es wäre bedauerlich, wenn Sie eine moderne und schöne Praxis führen, ein möglicher Patient Ihre Praxis jedoch nicht weiter erwägt, da ihm der erste Eindruck missfällt. Fragen Sie ruhig Patienten oder auch Bekannte nach einer Einschätzung Ihrer Website, um ein möglichst objektives Meinungsbild zu erhalten.

Tipp 2: Bereichern Sie Ihre Website durch suchmaschinenfreundliche und hochwertige Texte, damit Google Ihre Website als relevant klassifiziert und potenzielle Patienten die Informationen erhalten, die sie benötigen. Vermeiden Sie "dünne Inhalte" wie beispielsweise einfach nur eine lieblose Aufzählung der Leistungen, die Sie in Ihrer Praxis anbieten.

Tipp 3: Nutzen Sie das sichere SSL-Zertifikat, damit die Verbindung zu Ihrer Website und der korrespondierende Datenverkehr verschlüsselt sind. Wenn bei Ihrer Adresszeile im Browser "https://beispielarzt.de" statt "http://beispielarzt.de" steht, dann nutzen Sie bereits ein SSL-Zertifikat. Google hat offiziell bestätigt, dass sie das Internet sicherer gestalten möchten, weshalb die Nutzung eines SSL-Zertifikats einen Einfluss auf die Platzierungen bei Google hat.

Tipp 4: Stellen Sie sicher, dass Ihre Website auf mobilen Endgeräten optimal darstellbar ist. Mehr als 50 % der Menschen nutzen ihr mobiles Endgerät, um im Internet zu surfen. Wenn die potenziellen Patienten nun auf Ihre Website stoßen und diese nicht adäquat nutzen können, sind nicht nur die Patienten, sondern letzten Endes auch Google verärgert. Darüber hinaus nutzt und platziert Google in den Suchergebnissen präferiert die mobile Version einer Website als Konsequenz der zunehmenden Nutzung mobiler Endgeräte.

Tipp 5: Bauen Sie relevante Backlinks auf. Ein Backlink ist ein Verweis von einer anderen Website auf Ihre Website und folglich wie eine "digitale Empfehlung". Je mehr relevante Backlinks auf Ihre Praxis-Website verweisen, desto relevanter wird Ihre Website von Google eingestuft. Ein "relevanter" Backlink meint hierbei einen Link von einer Website aus Ihrer Branche, also beispielsweise von einem befreundeten Arzt oder einer Klinik.

Tipp 6: Nutzen Sie Content Marketing. Als Arzt operieren Sie im medizinischen Bereich. Dieser Bereich ist seitens der Suchenden bei Google von einem starken Informationsbedürfnis geprägt. Neologismen wie "Dr. Google" manifestieren, dass die Patienten in erster Instanz oftmals die Suchmaschine Google konsultieren, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Wenn Sie nun beispielsweise einen Blog führen und bei Google mit entsprechenden wie wertvollen Inhalten sichtbar sind, können Sie sich als Experte positionieren und erreichen beim potenziellen Patienten eine positive Assoziation.

Tipp 7: Nutzen Sie ein FAQ. Tun Sie Ihren MFAs einen Gefallen und reduzieren Sie die Frequenz von redundanten telefonischen Anfragen und E-Mails. Entwickeln Sie zusammen mit Ihren tatkräftigen Mitarbeitenden ein FAQ, das alle frequentierten Fragen samt adäquaten Antworten abbildet, und vermindern Sie folglich überflüssige Anfragen. Darüber hinaus honoriert Google das Beantworten solcher Fragen häufig mit guten Platzierungen.



Autor:
René Ramcke
Geschäftsführer bei
Rankingdocs GbR
Hamburg

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (11) Seite 62-64