Die Spontanheilungsrate von Warzen ist hoch. Für Patienten, die diese Hautveränderungen aufgrund von Lokalisation oder Ausprägung als sehr störend empfinden, gibt es eine ganze Reihe recht unterschiedlicher Behandlungsansätze.

Mit Warzen ist der Hausarzt oft konfrontiert. Am häufigsten sind Kinder ab dem Schuleintritt davon betroffen, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Kündig, Dermatologische Klinik des Universitätsspitals Zürich, anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung. Eine australische Studie hat gezeigt, dass die Prävalenz von Warzen bei Schulkindern je nach Alter bei 12 (Vier- bis Sechsjährige) beziehungsweise bei 24 % (16- bis 18-Jährige) liegt [1]. An vulgären Warzen litten 16 % der Studienteilnehmer, an Plantarwarzen 6 %. In einer britischen Studie waren 3,9 % der Elfjährigen und 4,9 % der 16-Jährigen von Warzen betroffen [2]. Das Geschlecht spielte in beiden Studien keine Rolle. Mit dem Alter geht die Anfälligkeit für Warzen deutlich zurück. Rund zwei Drittel aller Warzen heilen innerhalb von drei Jahren spontan ab [3]. Es stellt sich deshalb die Frage, ob man Warzen überhaupt behandeln sollte oder nicht.

Risikofaktoren

Am häufigsten werden Warzen durch Papillomaviren verursacht. Die Ansteckung erfolgt durch den direkten Kontakt mit Infizierten oder mit Viren, die sich auf Gegenständen oder auf dem Boden befinden.

Interessant ist: Das Risiko der Übertragung ist in nasser Umgebung besonders hoch: Wenn die Haut aufgeweicht ist, können die Viren sie leichter durchdringen. Eine amerikanische Studie hat belegt, dass 27 % der Kinder, die nach dem Turnen duschten, Warzen hatten. Aber nur lediglich 1,25 % waren betroffen, wenn sie sich das Duschen sparten [4].
Kinder, die viel schwitzen, haben ebenfalls häufiger Warzen. Bei Kindern werden Warzen meist durch HPV-(humanes Papillomavirus-)2 verursacht. Doch auch bestimmte Berufe bergen ein erhöhtes Warzenrisiko: Eine britische Studie hat gezeigt, dass 33 % der Mitarbeiter von Schlachthöfen und 34 % der Metzger, die an der Studie teilnahmen, zu Warzen neigten. Hier ist jedoch HPV-7 dafür verantwortlich. Von den Büroangestellten waren nur rund 15 % betroffen [5].

Behandlungsoptionen

Heute gibt es eine sehr breite Palette an medikamentösen und alternativen Therapiemöglichkeiten. Teilweise erscheinen sie auch bizarr. Salicylsäure, die in manchen Fällen mit Milchsäure gemischt wird, ist als Lösung oder als Warzenpflaster verfügbar. Sie löst das Keratin auf und kann in die Hornhaut dringen. Gegenüber Plazebo erhöht die topische Anwendung die Abheilungsrate um die Hälfte [6].

Eine holländische Studie hat die Wirkung von Monochloressigsäure untersucht, die als Lösung oder als Pen erhältlich ist. Diese Säure wurde mit Salicylsäure und Kryotherapie verglichen [7].
Nach 13-wöchiger Anwendung von Monochloressigsäure heilten 43 % der gewöhnlichen Warzen und 46 % der Plantarwarzen ab. Die Kryotherapie, kombiniert mit Salicylsäure, führte über die gleiche Zeitspanne bei 39 % der Patienten mit Plantarwarzen zu einer Abheilung. Bei den gewöhnlichen Warzen lag die Abheilungsrate allein mit der Kryotherapie bei 54 %. Die Studie kam zu dem Schluss, dass Monochloressigsäure bei gewöhnlichen Warzen eine gute Alternative zur Kryotherapie ist, da während der Anwendung weniger Schmerzen auftreten. Die Schmerzen nach der Behandlung waren jedoch bei beiden Therapien vergleichbar.

Ameisensäure, die als Lösung oder Pen einmal pro Woche appliziert wird, wirkt noch stärker als Salicylsäure und Monochloressigsäure. Studien aus dem Iran und aus Indien sprechen von einer Abheilungsrate von 91 beziehungsweise 92 % [8, 9].

Prof. Kündig hat mit der Ameisensäure gute Erfahrungen gemacht. Allerdings gibt er zu bedenken, dass man diese potente und ätzende Säure, die als Medizinprodukt registriert ist, nur nach den Empfehlungen in der Gebrauchsanweisung einsetzen darf. Bei unsachgemäßer Verwendung, wie etwa bei großflächiger oder zu häufiger Applikation oder durch zusätzliches Abdecken mit einem Pflaster, können Verätzungen entstehen.

Mit Ameisensäure darf man nur Warzen an Händen und Füßen behandeln. Die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff wirkt ebenfalls sehr gut und ist der Salicylsäure tendenziell überlegen. Ziel ist es, einen etwa zwei Millimeter großen Eiskegel rund um die Warze zu erzeugen. Am besten wirkt diese Behandlung, wenn man die Hornschicht zuvor mit einem Skalpell vorsichtig abträgt. Im Vergleich zu Plazebo verbessert die Kryotherapie die Abheilung der Warze um 40 bis 45 % [6].
Die zweimalige Anwendung erhöht die Erfolgsrate. Auch die Kryotherapie birgt Risiken: Bei großflächigem Einsatz kann die Behandlung mit dem flüssigen Stickstoff zu Brandblasen führen. Da die Kryotherapie schmerzhaft ist, sollte sie bei Kleinkindern nicht angewandt werden.

Alternativmedizinische und kuriose Therapien

Zur Behandlung von Warzen setzen manche Patienten auf alternativmedizinische Methoden, wie homöopathische Präparate mit Thuja oder Schöllkraut. Auch mit Phytopharmaka wie etwa Rizinusöl oder unverdünnter Ringelblumentinktur machen manche Betroffene gute Erfahrungen. Eine Studie belegt, dass chinesische Heilkräuter in Kombination mit Retinoidsäure zu einer Abheilungsrate von 81 % führen [10].
Manche Patienten schwören auf das Aufkleben eines Stücks Zwiebel, Knoblauch, Apfel oder Zitrone mit einem Pflaster und über Nacht. Andere lassen eine Nacktschnecke über die Warze kriechen. Ob diese Mittel den Warzen wirklich den Garaus machen oder nicht, lässt sich natürlich nur schwer nachweisen, weil sie ja auch von allein verschwinden.

In den USA verwenden manche Patienten Duct Tape, ein sehr starkes Klebeband, das beim Abreißen von der Haut wohl auch die Warzen stark reizt. Gegenüber Plazebo erzielt diese rabiate Methode, die wissenschaftlich untersucht wurde, tatsächlich gute Resultate [6].

Anwendungen durch den Spezialisten

Bei therapieresistenten Warzen kann der Dermatologe eine Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon durchführen. Die hochallergene Substanz führt bei allen Patienten zu einem Kontaktekzem, und diese Entzündung in der Warze fördert die Abstoßung durch das Immunsystem. Im Vergleich zu Plazebo ist die Wirkung 2,1-mal besser [6]. Eine weitere Alternative ist das intraläsionale Spritzen von Bleomycin, das die Abheilung im Vergleich zu Plazebo aber nur leicht verbessert [6]. Die intraläsionale Verabreichung von Interferon ist hingegen nicht zu empfehlen, eine Wirkung konnte nie nachgewiesen werden.

Ein ganz anderer Ansatz

Auch mit der medizinischen Hypnosetherapie kann man Warzen loswerden. Eine Studie hat die Wirkung der Hypnose mit Plazebo, der Anwendung von Salicylsäure und der Option "keine Behandlung" verglichen [11]. Nach sechs Wochen erzielte die Hypnosetherapie bei 60 % der Patienten eine Abheilung der Warzen. Dieses Ergebnis war signifikant besser als das der drei Alternativen – allerdings nur, weil bei den anderen Gruppen, im Gegensatz zu sämtlichen oben erwähnten Studien, keine Warze abheilte.

Fazit für die Praxis
Warzen kommen in jeder Altersgruppe vor, am häufigsten jedoch bei Kindern. Rauchen erhöht die Rezidivrate signifikant. Prof. Dr. med. Thomas Kündig kam in seinem Vortrag zu folgendem Fazit: "Je mehr ich eine Warze quäle, desto eher wird sie abheilen." Die besonders aggressiven Therapien erhöhen das Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Läsionen oder Kälteblasen. In Anbetracht der hohen Spontanheilungsrate ist Abwarten bei gesunden Kindern und Erwachsenen immer eine gute Alternative.


Literatur
1. Kilkenny M et al.: The prevalence of common skin conditions in Australian school students. Br J Dermatol 1998; 139(5): 840–845.
2. Williams HC et al.: The descriptive epidemiology of warts in British schoolchildren. Br J Dermatol 1993;128(5): 504–511.
3. Ordoukhanian E, Lane AT: Warts and molluscum contagiosum: beware of treatments worse than the disease. Postgrad Med 1997; 101(2): 223–226,229–232, 235.
4. Johnson LW: Communal showers and the risk of plantar warts. J Fam Pract 1995; 40(2): 136–138.
5. Keefe M et al.: Cutaneous warts in butchers. Br J Dermatol 1994; 130(1): 9–14.
6. Kwok CS et al.: Topical treatments for cutaneous warts. Cochrane Database Syst Rev 2012; (9): CD001781.
7. Bruggink SC et al.: Monochloroacetic acid application is an effective alternative to cryotherapy for common and plantar warts in primary care: a randomized controlled trial. J Invest Dermatol 2015; 135(5): 1261–1267.
8. Faghihi G et al.: A double-blind, randomized trial of local formic acid puncture technique in the treatment of common warts. Skinmed 2010; 8(2): 70–71.
9. Bhat RM et al.: Topical formic acid puncture technique for the treatment of common warts. Int J Dermatol 2001; 40(6): 415–419.
10. Wang Y et al.: Observations on the efficacy of Chinese herbal medicine and 0.1% retinoic acid cream in the treatment of verruca planta. Chin J Dermatol Venereol 2002; 16(5): 315–316.
11. Spanos NP et al.: Effects of hypnotic, placebo, and salicylic acid treatments on wart regression. Psychosom Med 1990; 52(1): 109–114.


Autorin:
Susanna Steimer Miller

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus Ars medici 23/2017



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (11) Seite 50-52