Gut ein Drittel der niedergelassenen Ärzte ist laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer inzwischen 60 Jahre und älter, steht also kurz vor dem Ruhestand. Ein Fünftel befürchtet allerdings, dass sie die Arbeit nach der Praxisabgabe vermissen werden. Das zeigt eine Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apobank).

Bei der Frage, wie sich Ärzte ihren Ausstieg aus dem Arbeitsleben vorstellen, zeigt sich: 46 % der befragten Ärzte wünschen sich keinen abrupten Wechsel in den Ruhestand, sondern eine Übergangslösung mit einem allmählich reduzierten Arbeitszeitpensum. Für diesen Wunsch nach einem sukzessiven Übergang in den Ruhestand gibt es laut apobank zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt man noch eine Zeit lang Chef in Teilzeit und holt sich einen angestellten Arzt in die Praxis, oder man übergibt die Praxis und vereinbart eine Anstellung mit reduzierter Arbeitszeit. Die zweite Variante könne allerdings problematischer sein, räumt die apobank ein, denn der Rollenwechsel vom Praxisinhaber zum Angestellten bedeute auch weniger Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum zugunsten des neuen Inhabers. Hier komme es also vor allem darauf an, wie gut man loslassen kann – nicht als Arzt, sondern als Vorgesetzter.

Die größte Hürde: Nachfolgersuche

Dabei blickt eine Mehrheit von 55 % der befragten Heilberufler eher besorgt in die Zukunft. Denn das größte Problem könnte sein, überhaupt einen Nachfolger zu finden. Das befürchten sogar 58 %. Tatsächlich hält der Trend zur Anstellung bei der nachrückenden Generation der Mediziner und Pharmazeuten weiter an. Entsprechend besorgt blicken 55 % der Heilberufler auf die Abgabe ihrer Praxis oder Apotheke. 42 % sorgen sich, nicht genügend Ertrag mit dem Verkauf der Praxis zu erzielen. Dabei plant knapp die Hälfte der niedergelassenen Ärzte den Erlös für die Altersvorsorge ein, wie eine kürzlich erschienene Umfrage des Ärztenachrichtendienstes zeigte.

Wichtiges Ziel: Das Lebenswerk in guten Händen zu wissen

Zu den wichtigsten Zielen bei der Abgabe zählt für 48 % der befragten Ärzte, einen guten Verkaufspreis zu erzielen. Genauso häufig wünschen sich die Inhaber aber auch, die Praxis in gute Hände abzugeben. 14 % der befragten Ärzte haben vor, die Praxis an ein Familienmitglied zu übergeben (Abb. 1).

Option: Nichtärztliche Investoren

Mittlerweile haben Ärzte auch eine weitere Option für die Praxisabgabe: Sie können ihre Praxis an nichtärztliche Investoren verkaufen (Abb. 2). Indem sie ihre Zulassung in MVZ-Einrichtungen einbringen, können sie noch eine Zeit lang dort als Angestellte weiterarbeiten, gegebenenfalls mit geringerem Arbeitspensum. In der Umfrage lehnen zwar 16 % der Ärzte den Verkauf an heilberufsfremde Einrichtungen ab, doch die Mehrheit wäre dazu bereit. Denn hier kämen zwei Interessenlager zusammen, so die apobank: Auf der einen Seite die Investoren, die den Gesundheitsmarkt als Wachstumsmarkt sehen. Auf der anderen Seite die Heilberufler, die einen guten Preis für ihre Praxis erzielen möchten und mit zunehmendem Alter auch häufig die eigene Arbeitszeit reduzieren wollen, was ihnen über die Anstellung im MVZ ermöglicht wird.

Wofür auch immer man sich schließlich entscheidet, wichtig ist wohl, rechtzeitig mit der Nachfolgersuche anzufangen und sich dabei auch Unterstützung z. B. von den Standesorganisationen zu holen.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (8) Seite 29-30