Die kontinuierliche intrakutane Glukosemessung bedeutet einen großen Komfort und mehr Lebensqualität für Menschen mit Diabetes. Aber offenbar gibt es Patienten, die allergisch auf den Sensor reagieren. Woran liegt’s?

Eine 65-jährige Patientin mit insulinpflichtigem Diabetes (late onset Typ-1-Diabetes) besucht seit mehreren Jahren regelmäßig meine Praxis. Sie verwendet seit über einem Jahr eine kontinuierliche intrakutane Glukosemessung ("FreeStyle Libre Sensor", Fa. Abbott) statt der zuvor schmerzhaften Bestimmung via Lanzetten in die Fingerbeeren.

Mehrmals hat sie mich in den letzten Monaten um Rat gefragt, was sie gegen die kreisrunde Hautrötung unternehmen könne, die unter dem Sensor nach einigen Tagen auftritt und mehrere Tage nach dem Wechsel anhält (Abb. 1). Fragen bei der Firma blieben unbeantwortet. Am Tag der Allgemeinmedizin an der TU München erhielt ich nun endlich eine fundierte Antwort dank eines Vortrags von Prof. Brockow/Dermatologie Campus Biederstein.

Es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine allergische Kontaktdermatitis auf den Klebstoff IBOA (Isobornylacrylat), Epikutantestsubstanzen dafür existieren bisher nicht, sollen aber in Kürze auf den Markt kommen.

Therapiemöglichkeiten sind u. a. die Verwendung eines Sensors einer anderen Firma (die in Entwicklung sind) oder das Aufbringen einer zweiten Schicht zwischen Sensorklebstoff und Haut, wie zum Beispiel ein dünnes Blasenpflaster (z. B. Compeed®).

Ich bin zuversichtlich, dass darunter die Beschwerden abklingen, und hoffe, dass die Firma Abbott bald einen anderen Klebstoff mit weniger Allergieneigung etablieren kann.


Quellen:
Bilder aus eigener Praxis vom 17.7.19
Vortrag von Prof. Dr. med. K. Brockow, Hautklinik Campus Biederstein der TU München, am Tag der Allgemeinmedizin der TU München am 14.7.19


Autor:

Dr. med. Peter Brandl

Internist mit Schwerpunkt hausärztliche Versorgung
86199 Augsburg

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (16) Seite 53