Für 4 Wochen testeten wir in unserer Praxis ein sogenanntes Point-of-care-Gerät zur Messung des CRP-Werts als Entzündungsmarker und mögliche Entscheidungshilfe zur Differenzierung viraler versus bakterieller Infekte. Hintergrund ist das Dilemma Antibiotikaverordnung im Praxisalltag. Hilft es dem Arzt, eine Direktmessung vor Ort zeitnah durchzuführen, um weniger Antibiotika zu verordnen? Wie sieht die Akzeptanz bei den Patienten aus?

Zur Probenentnahme wird mithilfe eines Stempels und einer Kapillare Blut aus der Fingerbeere entnommen.Antibiotikum oder kein Antibiotikum – das ist die Frage, die gerade in der Winterzeit in vielen Praxen gestellt wird. Dank Anamnese, körperlicher Untersuchung und Scores fällt die Entscheidung i. d. R. leicht. Allgemeinärzte haben zudem zwei Vorteile: die Möglichkeit der Wiedervorstellung des Patienten im Verlauf und die eigene Erfahrung gepaart mit Bauchgefühl. Nicht zu vergessen sind Leitlinien der DEGAM wie auch die Programmierte Diagnostik in der Allgemeinmedizin nach Braun/Mader. Letztlich kann noch auf die Technik zurückgegriffen werden: Röntgenbilder oder Laborwerte.

Wenn man als junger Arzt aus der Klinik in die Praxis wechselt, muss man sich jedoch erst mal daran gewöhnen, dass die Laborergebnisse nicht jederzeit und erst recht nicht schon nach einer Stunde verfügbar sind. Grund genug, sich einmal der Möglichkeit der Direktmessung mithilfe eines Point-of-care-Geräts zur Messung des CRP (C-reaktives Protein) anzunehmen. Der Entzündungsmarker dient u. a. als Entscheidungshilfe zur Differenzierung von viralen und bakteriellen Infekten.

Probengewinnung

Zunächst zur Probengewinnung, die sich allerdings ein wenig umständlich und zeitaufwendig gestaltet: Es wird kapilläres Blut aus der Fingerbeere mit einer Kapillare entnommen, in die Fingerbeere muss mit Feingefühl zuvor ein Stempel gesteckt werden. Das Blut wird sodann durch Druck auf den Stempel in eine Küvette gefüllt. Ein Stopfen wird zum Verschließen verwendet, sodann wird die Küvette in das Messgerät eingelassen.

Bedienung und Messung

Das Gerät "Quick read go®" der Firma Orion (Vertrieb durch Roche) hat in etwa die Größe eines Toasters. Die Bedienung ist unkompliziert. Lediglich ein Ein- und Ausschaltknopf und ein Startknopf sind primär zu bedienen. Eine Anzeige auf dem Display gibt die Dauer der Auswertung an, welche von einem intermittierenden Rattergeräusch begleitet wird – nach 2 Minuten liegt ein Ergebnis vor. Dieses ist quantitativ, man erhält einen CRP-Zahlenwert, wie man es aus dem Zentrallabor kennt.

Wichtig und relevant für Hausbesuche: Die Messung muss nicht sofort erfolgen, die verschlossene Probe ist laut Vertrieb bis zu 2 Stunden stabil. Zu beachten ist: Die Küvetten und Stopfen sollten kühl gelagert werden und benötigen eine Aufwärmzeit von ca. 10 Minuten. Die Verbrauchsmittel können zwar auch bei Zimmertemperatur gelagert werden, dies hat aber den Nachteil einer deutlich verkürzten Haltbarkeit von 1 bis 3 Monaten. Gekühlt sind es mindestens 6 Monate bzw. bis zum Ende des Haltbarkeitsdatums.

Wie reagieren die Patienten?

Im Praxisalltag waren die Patienten der CRP-Messung nicht abgeneigt – vermutlich überwog auch die Neugier gegenüber dem Nachteil eines schmerzhaften Stichs in die Fingerbeere. Während der zweiminütigen Auswertung wurde das Ergebnis auch vonseiten der Patienten mit großem Interesse erwartet.

Kosten

Die Kosten der CRP-Messung mittels "Quick read go®" (alle Angaben ohne Mehrwertsteuer):

  • Messgerät: 1.249 Euro
  • Testkit pro Blutentnahme: 3,16 Euro
  • Kontrolllösung für ca. 8 Wochen: 14,95 Euro

(Mit einzurechnen ist zusätzlich die Arbeitszeit einer MFA zur Durchführung der Messung.)

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Berichts wird im Gemeinsamen Bundesausschuss über die Vergütung des CRP-Tests diskutiert. Eine Entscheidung lag bei Drucklegung noch nicht vor – Der Allgemeinarzt wird berichten.

Kosten-Nutzen-Abwägungen

Der Zeitaufwand von Blutentnahme und Auswertung der Probe liegt bei ca. 5–10 Minuten. In der Winterzeit mit hohem Patientenaufkommen ist eine Testung bei jedem Patienten mit Infekt unrealistisch. Der Vorteil mag eher darin liegen, dass eine CRP-Messung auch dann noch möglich ist, wenn die übrigen täglichen Blutproben bereits für die Vermessung im Labor abgeholt wurden. Ferner besteht die Möglichkeit, unnötige Antibiotikaverordnungen bei langwierigen Infekten oder bei Antibiotika-fordernden Patienten durch zeitnahe Messung zu vermindern. Letzteres kann aber natürlich auch durch die Alternative der Labormessung und Kontaktaufnahme mit dem Patienten am Abend oder Folgetag geschehen.

Der Knackpunkt ist eher in der Vergütung zu sehen. Eine Nichtbelastung des Laborbudgets würde sicherlich zu häufigeren Messungen führen.

Fazit des Autors

Ein interessantes Gerät. Spannend könnte es werden, wenn man zahlreiche Laborwerte rasch auf einmal erhielte. Während der Testphase hat es in unserer Praxis bei weit über 50 Messungen jedoch keine klare Konsequenz gehabt, da die Werte meist dem klinischen Eindruck entsprachen. Es erzeugte aber ein entspanntes Gefühl beim Behandler, mit dem klassischen Befund "richtig" zu liegen. Bei größeren Stichproben mag das Ergebnis womöglich anders ausfallen. Ein Patient ließ sich auch nicht vom CRP-Wert beirren und verwies auf seine "nicht besser werdende" Symptomatik. Der Wunsch, rasch wieder fit zu werden, ist in unserer Gesellschaft eine große Herausforderung. Der Einfluss von Arzt und Laborwert muss weiter untersucht werden. Womöglich wird der hartnäckige Antibiotikawunsch des Patienten aber auch einfach bei einem anderen Arzt um die Ecke vorgetragen.



Autor:

Dr. med. Torben Brückner

Facharzt für Allgemeinmedizin
65825 Schwalbach

Interessenkonflikte: Der Autor hat die Geräte vorübergehend leihweise zur Testung zur Verfügung gestellt bekommen und im Anschluss wieder zurückgegeben. Es bestehen keine Interessenkonflikte.


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (5) Seite 64-67