Wie sind homöopathische Arzneimittel definiert? Welche Möglichkeiten bieten sie? Kann man ihre Anwendung als evidenzbasiert bezeichnen? Sind sie sicher? Welchen Nutzen haben sie für das Individuum und für unser Gesundheitssystem? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in einer Arbeitsgruppe mit den Geschäftsführern verschiedener Mitgliedsunternehmen auseinandergesetzt. Entstanden ist ein Positionspapier, dessen Inhalt hier referiert werden soll.

Wichtige Grundprinzipien einer homöopathischen Behandlung sind das Ähnlichkeitsprinzip und die Potenzierung. Eine Substanz wird bei ähnlichen Beschwerden eingesetzt, die bei Gesunden in höherer Dosis desselben Stoffes auftreten. Welches homöopathische Arzneimittel das individuell passende ist, wird anhand der Symptome und mit Hilfe einer sehr detaillierten Anamnese eruiert. Diesen Vorgang nennt man Repertorisation. Unter Potenzierung versteht man das Verdünnen durch Verschütteln oder Verrühren (Dynamisierung).

Registrierung statt Zulassung

Homöopathische Arzneimittel müssen von der Zulassungsbehörde nach einem standardisierten Verfahren auf ihre Qualität und Unbedenklichkeit geprüft werden, bevor sie auf den Markt kommen. Ein Nachweis der Wirksamkeit ist bei den klassischen Homöopathika nicht notwendig, weil diese ja individuell ausgewählt werden ohne Angaben zu Anwendungsgebieten. Es handelt sich dann, wie aus der Packungsbeilage hervorgeht, um ein registriertes Arzneimittel ohne eine therapeutische Indikation. Anders verhält es sich mit homöopathischen Arzneimitteln, die durch Studien oder andere wissenschaftliche Erkenntnisse ihre Wirksamkeit nachweisen – diese erhalten dann eine Zulassung für ein konkretes Anwendungsgebiet.

Apothekenpflicht und ärztliche Verordnung

Homöopathische Arzneimittel sind in aller Regel apothekenpflichtig und erfüllen durch die behördliche Prüfung die gesetzlichen Anforderungen an eine hohe pharmazeutische Qualität und Sicherheit. Durch die Apothekenpflicht ist zudem sichergestellt, dass eine sachgerechte und indizierte Anwendung erfolgt. Bei Präparaten, die im Rahmen der Selbstmedikation bei Befindlichkeitsstörungen oder leichten vorübergehenden Erkrankungen eingesetzt werden können, kommt dem Apotheker die Aufgabe der heilberuflichen Beratung zu. Andere Präparate sollten nur nach ärztlicher Diagnose bzw. Anamnese verordnet werden.

Evidenz

Unter evidenzbasierter Medizin versteht man laut David Sackett den gewissenhaften, ausdrücklichen und vernünftigen Gebrauch der gegenwärtig besten Evidenz bei der Versorgung individueller Patienten. Nach Sackett gilt es dabei aber nicht nur die externe Evidenz, d. h. wissenschaftliche Evidenz auf der Basis von Studien und Literatur, sondern auch die interne Evidenz, d. h. die klinische Erfahrung und Expertise des Therapeuten sowie Wünsche und Erfahrungen des Patienten zu berücksichtigen.

Die externe Evidenz mit den Methoden der klassischen Schulmedizin zu erheben ist bei homöopathischen Arzneimitteln meist nicht möglich. Denn bei der klassischen Homöopathie mit Einzelmitteln wird ja jeweils ein individuell passendes Arzneimittel bestimmt, so dass keine großen identischen Vergleichsgruppen gebildet werden können. Ausnahmen stellen die homöopathischen Arzneimittel mit Zulassungen für konkrete Anwendungsgebiete dar. Eine interne Evidenz, d. h. positive Erfahrungen von Ärzten und Patienten, existiert dagegen für homöopathische Arzneimittel in hohem Maße. Dass deren Akzeptanz und Anwendung sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten ansteigt, bestätigt die Bedeutung der internen Evidenz.

Individueller und ökonomischer Nutzen

Homöopathische Arzneimittel tragen dem Bedürfnis vieler Menschen nach individueller Behandlung und Eigenverantwortung Rechnung. Dies und ihre lange Tradition führt zu hoher Therapietreue und kann somit helfen, sozio- und gesundheitsökonomische Ressourcen einzusparen.

Erstattung durch die Krankenkassen

In aller Regel sind homöopathische Arzneimittel von der Erstattungsfähigkeit ausgeschlossen. Seit 2012 können Krankenkassen jedoch im Rahmen sogenannter Satzungsleistungen auch die Kosten für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen bis zu einer festgelegten Obergrenze übernehmen. Über die Hälfte der gesetzlichen Krankenkassen bietet dies an. Damit erkennen sie den Wert der internen Evidenz an und folgen dem im SGB V betonten Willen des Gesetzgebers, die besonderen Therapierichtungen in ihrer besonderen Wirkungsweise zu betrachten. Außerdem tragen sie damit dem sehr verbreiteten Wunsch der Patienten Rechnung.

Der BAH betont, dass das Ziel des Positionspapiers darin bestehen soll, die Debatte um homöopathische Arzneimittel zu versachlichen und Homöopathie als integralen Bestandteil des bewährten Arzneimittelspektrums in Deutschland mit allen gesetzlichen Regelungen und Sicherheitsvorkehrungen darzustellen. Der genaue Wortlaut des Positionspapiers ist online nachzulesen unter http://www.dreluso.de/images/BAH.pdf .



Autorin:
Dr. med. Vera Seifert

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (5) Seite 16-17