Über erstaunlich großen Zuspruch und zumindest verbale Unterstützung für ihre Belange konnten sich die Allgemeinärzte bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des 2. Internationalen Hausärztetags in Bonn freuen. Alle Diskutanten hoben die zentrale Rolle des Hausarztes in der ambulanten medizinischen Versorgung hervor.

Für ein wenig Verstimmung hatte zunächst Dr. Thomas Gebhart, der frischgebackene parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, gesorgt. Behauptete er doch, die im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) geforderten zusätzlichen fünf Sprechstunden pro Woche seien dafür gedacht, dass die Hausärzte endlich mehr Zeit für die Versorgung von GKV-Versicherten bekommen sollten. In diese Richtung würde auch die Idee zielen, Hausarzttermine künftig über die Terminservicestellen zu vermitteln.

Im Publikum sorgte er damit für wütendes Gebrummel. Und Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt kommentierte trocken: "Wir sind nicht sicher, ob da nicht ungezielt mit Schrot geschossen wird."

Hausarztmedizin sollte besser vergütet werden

Viel positiver hörte sich das dann in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik an. So plädierte Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag, recht unerwartet für eine bessere Vergütung von Hausärzten für ihre zentrale Rolle bei der Steuerung und Beratung von Patienten. Die Digitalisierung werde die Hausärzte hier noch mehr in den Mittelpunkt stellen, prophezeite er.

Diese Sicht auf die Aufgaben von Hausärzten konterte Prof. Karl Lauterbach, der Gesundheitsexperte der SPD, allerdings sofort: "Es wäre falsch, den Hausarzt als reinen Koordinator zu verheizen, denn der Hausarzt behandele 80 bis 90 % aller Fälle abschließend in seiner Praxis." Der Hausarzt, so Lauterbach weiter, sei ein Spezialist für alle Bereiche und den ganzen Menschen. Er wirke eben auch als Mensch – und dafür müsse es auch mehr Geld geben. Nicht die Mehrarbeit der Hausärzte durch zusätzliche Sprechstunden solle besser vergütet werden, sondern auch schon die Leistung, die die Hausärzte jetzt schon erbringen. "Der Hausarztberuf ist ein anspruchsvoller und komplizierter Job, der auch gewürdigt werden muss", stellte Lauterbach unter dem wohlwollenden Beifall der Zuhörenden klar.

Gute Arbeit muss gut bezahlt werden

Statt einer Vermittlungspauschale für die Überweisung zum Facharzt, wie es das TSVG für Hausärzte vorsehe, wäre es sinnvoller, finanzielle Anreize für Patienten zu schaffen, damit diese erst einmal einen Hausarzt aufsuchen. Seiner Ansicht nach, so Lauterbach weiter, seien die fünf Zusatzsprechstunden für "neue" Patienten eher für die Spezialisten nötig, vor allem für jene, die Quartal für Quartal immer nur die gleichen "alten" Patienten einbestellten und deshalb keine Zeit mehr für neue Patienten hätten.

Eine Lanze für die Hausärzte brach auch – nicht ganz unerwartet – Dr. Christopher Herrmann, seines Zeichens AOK-Chef in Baden-Württemberg und einer der Gründerväter der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Man müsse den Hausarzt als "Behandler" sehen, der seine Patienten kompetent begleitet, und "gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden", so seine Aussage mit Blick auf die HzV. Das TSVG betrachtet er eher skeptisch: Das werde leider nichts verbessern.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (18) Seite 30-31