Der Physician Assistant (PA) ist eine Bezeichnung für einen hochschulisch qualifizierten Gesundheitsberuf (Bachelorniveau), der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt. Er soll jetzt Hausärzte unterstützen und entlasten und damit unsere Zufriedenheit steigern. Dabei sind entscheidende Punkte noch gar nicht geklärt: Wie soll ich als Hausarzt einen PA finanzieren? Wo zeigt sich im Studiengang die Differenzierung zwischen Delegation und Substitution? Und das Wichtigste: Welche Aufgaben können wir an ihn delegieren, die unsere qualifizierten Medizinischen Fachangestellten (MFA), unsere Versorgungsassistentinnen (VERAH®) nicht übernehmen können?

Hier wird ein neues Berufsbild entwickelt, ohne uns Hausärzte an der Basis einmal zu fragen, ob wir das überhaupt wollen bzw. ob das überhaupt sinnvoll ist. Viele von uns sind Lehrpraxen und bilden zukünftige Kollegen aus und weiter. Alleine die Vorstellung einer Einzelpraxis mit zwei MFA, zwei VERAH®, einem PA, einem Studenten im Praktischen Jahr und einem Weiterbildungsassistenten ist grausam! Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Patienten! An wen dürfen sie sich bei der Vielzahl von verschiedenen Berufsgruppen mit ihren Belangen denn noch wenden? Was muten wir unseren MFA und VERAH zu, die unermüdlich für uns einstehen und die ihnen übertragenen Aufgaben verantwortungsbewusst in unserem Sinne lösen? Und in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen ist die Patientenanbindung durch unsere Mitarbeiter. Tagtäglich erleben wir, dass sie wichtige Informationen beiläufig bei der Blutentnahme, beim Impfen erfahren haben, die uns in der Behandlung weiterbringen.

Der PA hat sicherlich seinen Stellenwert, aber bitte nicht in der hausärztlichen Versorgung. Ganz ehrlich: Bevor ich einen PA finanziere, stelle ich doch lieber eine VERAH ein, die durch Delegation zu meiner Entlastung beiträgt, oder einen Weiterbildungsassistenten, der perspektivisch zu einem späteren Zeitpunkt meine Praxis übernimmt und die nahtlose Versorgung meiner Patienten garantiert.

Um uns Hausärzte zu unterstützen, bedarf es keines neuen Berufs im Gesundheitswesen, der maßgeblich in unsere Praxisstrukturen eingreift. Mehr als das, was wir jetzt schon an unsere VERAH delegieren, bedeutet Substitution. Ist vielleicht der erhöhte Bedarf an Hausärzten der Grund, warum die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den PA vor allem in der hausärztlichen Versorgung sieht? Anstatt einen "Hausarzt light" zu entwickeln, wäre es doch sinnvoller gewesen, vorhandene Strukturen weiter zu fördern und auszubauen. Für unsere Mitarbeiter zum Beispiel ein berufsbegleitendes Fernstudium auf freiwilliger Basis. Die Umsetzung des Masterplans 2020, mehr Studienplätze und Förderung der Allgemeinmedizin schon im Studium.

Der PA ist in der hausärztlichen Versorgung abzulehnen. Vielmehr sollten die bestehenden Strukturen gefördert werden, um eine optimale Versorgung unserer Patienten auch in Zukunft zu garantieren.



Autorin:

© Hausärzteverband-Westfalen-Lippe
Anke Richter-Scheer

Fachärztin für Innere Medizin – hausärztliche Versorgung –
Palliativmedizin – hausärztliche Geriatrie
Landesvorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe
59423 Unna

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (12) Seite 5