Frage: Es geht um das Thema "systemische Therapie der Onychomykose". Wiederholt habe ich unterschiedliche Aussagen gelesen. In der CME-Fortbildung "Der Allgemeinarzt" 7/2018 schreibt Frau Dr. med. S. Kamann, dass bei Onychomykose Terbinafin 250 mg einmal täglich über mehrere Monate gegeben werden soll. In einem anderen Beitrag habe ich gelesen, dass hierbei nach ca. dreiwöchiger täglicher Gabe von Terbinafin 250 mg die Einnahme auf 1 x/Woche reduziert werden soll. Wie ist die allgemeingültige, leitliniengerechte systemische Therapie der Onychomykose mit Befall von über 50 % des Nagels?

Antwort:

Eine allgemeingültige, leitliniengerechte systemische Therapie der Onychomykose gibt es derzeit leider nicht. Die bisherige ist veraltet, an einer neuen Leitlinie wird seit Jahren gearbeitet, deren Veröffentlichung ist derzeit nicht absehbar. Somit existieren die offiziellen Dosierungszulassungen der Industrie und sanftere Therapien aus der Wissenschaft nebeneinander, was für Verwirrung sorgt.

Die zugelassene Dosis von Terbinafin liegt bei 250 mg täglich über 3 Monate, die der Wissenschaft bei 7 Tagen täglich 250 mg, danach eine Dosis pro Woche, bei gleichzeitiger topischer Therapie mit 40 %igem Harnstoff, danach tägliche Weiterbehandlung mit einem wasserlöslichen Lack oder Spray, bis zur vollständigen klinischen Heilung, wie auch in dieser Zeitschrift veröffentlicht.

Allerdings wird diese exzellent verträgliche, hochethische, zudem preiswerte und stets wirksame Therapie, sofern die Diagnose stimmt, von einigen Kassen, wie der AOK plus in Thüringen und Sachsen, mit der Begründung "off label" mit Regressen belegt. Was nicht nur abermals die Therapiefreiheit des Arztes unterwandert, sondern auch an Absurdität und Willkür nicht zu übertreffen ist.

Mein Rat wäre, zum Wohle des Patienten, die in allen hausärztlichen Zeitschriften mehrfach veröffentlichte Low-Dose-Therapie anzuwenden, diese auf dem Rezept jedoch nicht in Einzelheiten aufzuführen. Die Alternative ist ein Privatrezept, bei dem der Patient den gut verträglichen wissenschaftlichen Fortschritt aus eigener Tasche bezahlen muss.



Autor:

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

mycoclinic | Institut für Pilzkrankheiten und Innere Medizin
10117 Berlin

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (13) Seite 48