Frage: Ein knapp 3-jähriger Junge fällt mit leichten Neurodermitis-Veränderungen (v. a. im Gesicht) auf, daneben besteht Mundgeruch.Nach Umstellung der Ernährung auf laktosefreie Kost zeigt die Haut keine Ekzeme mehr und auch der Mundgeruch ist – nach Angaben der Mutter – nicht mehr vorhanden.Wird laktosehaltige Milch zugeführt, zeigen sich wieder leichte Ekzemherde im Gesicht, die unter laktosefreier Kost wieder anhaltend verschwinden. Stuhlgangsveränderungen wurden nie beobachtet. Fünf Fragen in diesem Zusammenhang:

1. Gibt es in diesem Alter überhaupt bereits eine Laktoseintoleranz?

Antwort:

Bei Kindern unter fünf Jahren tritt die primäre (angeborene) Milchzuckerunverträglichkeit nur selten auf. Meistens zeigen sich die ersten Symptome im Jugendalter.

2. Ist ein Zusammenhang zwischen laktosehaltiger Nahrung und Neurodermitis bekannt?

Antwort:

Die Laktoseintoleranz geht hauptsächlich mit gastrointestinalen Symptomen wie Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall einher. Besteht hingegen eine (IgE-vermittelte) Kuhmilchallergie im Kindesalter, ist es wahrscheinlich, dass sie mit allergischen Hautsymptomen oder einer Neurodermitis einhergeht.

3. Kann es sich tatsächlich um eine Laktoseunverträglichkeit handeln und wie lässt sich diese im Alter von zwei bis vier Jahren verifizieren?

Antwort:

Eine Laktoseintoleranz beim älteren Kind wird mit dem H2-Atemtest festgestellt. Bei Verdacht auf eine Laktoseintoleranz bietet sich bei kleinen Kindern an, zunächst für etwa zwei bis vier Wochen auf laktosefreie Ernährung umzustellen. Die Untersuchung kann auch beim Kinderarzt mit Hilfe einer Atemmaske statt des Teströhrchens durchgeführt werden. Es gibt keine genauen Altersgrenzen. Der Test macht jedoch nur dann Sinn, wenn das Kind zur Mitarbeit in der Lage ist. Prinzipiell kann auch der genetische Nachweis über das Blut durchgeführt werden.

4. Kann es sich bei dem festgestellten "Mundgeruch" auch um eine bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms handeln (bei der dann evtl. ebenfalls die Laktose eine Rolle spielen könnte)?

Antwort:

Manche Patienten sind symptomfrei, andere wiederum leiden unter Beschwerden wie Durchfall, Bauchkrämpfen, Blähungen oder Bauchschmerzen. Mundgeruch wird manchmal beschrieben, ist aber eher kein typisches Symptom. In meinem Patientenklientel ist Mundgeruch noch nie bei einer Laktoseintoleranz oder Fehlbesiedlung als Symptom angegeben worden.

Antwort:

5. Wie kann eine solche bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms überhaupt nachgewiesen werden?

Durch den Glukose-Atemtest, bei dem der zeitlich frühe Anstieg der Wasserstoff-Atem-Kurve auf eine Fehlbesiedlung schließen lässt.



Autor:

Dr. med. Matthias Robert

Internist/Ernährungsmediziner DAEM/DGEM
10711 Berlin

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (9) Seite 55