Ob es zu einer Neuauflage der Großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD kommen würde, war beim Neujahrsempfang des Deutschen Hausärzteverbands (DHÄV) Mitte Januar noch nicht klar. Die anwesenden Vertreter der Parteien waren aber voll des Lobes für die Hausärzte und zeigten sich einig, dass sie den Hausarztberuf attraktiver machen und die hausärztliche Versorgung weiter stärken wollen. Strategisch geschickt zeigt sich der DHÄV angesichts der Unwägbarkeiten bei der Regierungsbildung nach allen Seiten offen.

"Was ist der Unterschied zwischen Hausärzten und der neuen Regierung? Bei den Hausärzten merkt man, wenn es sie nicht mehr gibt." Der Kalauer, mit dem der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Lutz Stroppe unter dem Motto "was böse Zungen behaupten" sein Grußwort eröffnet, ist zwar etwas abgegriffen, sorgte aber in seiner dem Zuhörerkreis angepassten Wendung für eine ausgelassene Atmosphäre.

Stärkung der Allgemeinmedizin

Als er hier angekommen sei, so Stroppe weiter, hätten ihn die Kassenvertreter "vollkommen selbstlos" gefragt, wie es mit dem Morbi-RSA weitergehe, und auch Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) richteten "vollkommen selbstlose" Fragen an ihn. Da habe er schon das Gefühl gehabt, dass "ein gewisser Wunsch" nach einer baldigen voll handlungsfähigen Bundesregierung bestünde. In den letzten Wochen und bei den Sondierungen seien gute Grundlagen geschaffen worden – sowohl im gesamten Pflegebereich als auch in der Gesundheitspolitik. Diese Politik werde gute Voraussetzungen für den hausärztlichen Bereich schaffen.

So habe er hier vor einem Jahr verkünden können, dass der Masterplan Medizinstudium 2020 tatsächlich verabschiedet werde. Es hätte dann noch etwas länger gedauert, aber man sei dabei, diesen auf den Weg zu bringen. Und man habe dazu ganz wichtige Entscheidungen getroffen: "An allen Universitäten mit medizinischen Fakultäten muss die Allgemeinmedizin mit einem eigenen Lehrstuhl vertreten sein", versprach Stroppe. Und man müsse zu einer Landarztquote mit den Ländern kommen. Denn man sei sich einig: "Die Hausärzte sind der Anker für die medizinische Versorgung der Bundesrepublik Deutschland. Wenn es keine Hausärzte mehr gibt, funktioniert unser System nicht mehr. Wir wollen deshalb die Hausärzte insgesamt stärken und die Allgemeinmedizin voranbringen."

Prof. Dr. Karl Lauterbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, zeigte sich noch etwas angeschlagen von der Tatsache, dass es nun mit der Bürgerversicherung, für die er so engagiert gekämpft hatte, wohl nichts werden wird. Bei den Hausärzten bedankte er sich aber im Namen seiner Partei ausdrücklich, dass man mit diesem Thema sehr fair und verantwortungsvoll umgegangen sei. Seinen Dank könne er an dieser Stelle aber nicht "auf die Kammern" ausdehnen.

Der Hausarzt ist mehr als nur ein Lotse

Dafür setze er seine Lobrede auf die Hausärzte gleich fort: "Es kommt von Herzen, wenn ich sage: Die Hausärzte haben im deutschen Gesundheitssystem keine Lotsenfunktion, sondern sind der zentrale Bestandteil: 90 % der Patienten werden vom Hausarzt durchbehandelt. Das heißt, der Hausarzt ist nicht die erste Anlaufstelle, wie das oft etwas herablassend gesagt wird, sondern oft für lange Strecken im Leben eines Patienten nicht der wichtigste, sondern der einzige Arzt."

Es erfülle ihn mit großer Sorge, dass die Bereitschaft, den Hausarztberuf zu ergreifen, nach wie vor nicht deutlich zunimmt. "Wir werden uns hier einsetzen und Maßnahmen ankündigen, die den Hausarztberuf attraktiver machen. Dafür werden wir alles tun, das verspreche ich an dieser Stelle!", gelobte Lauterbach.

Vonseiten des Hausärzteverbands hörte man solche Worte sicherlich gern. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des DHÄV, bestätigte denn auch, dass es einen zunehmenden Hausarztbedarf gebe, der gedeckt werden müsse. Man sehe zwar eine leichte Trendwende und es gelinge, mehr junge Ärztinnen und Ärzte für diesen Beruf zu begeistern. Aber mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 gebe es gewisse Probleme. Es sei sehr schwer, in den Universitäten und in den Regionen Maßnahmen greifen zu sehen, die gut beschlossen wurden. "Da haben wir noch etwas zu tun", mahnte der DHÄV-Chef. "Nach wie vor stehen wir gut im Fokus der Politik. Wir sind in der Tat nicht irgendwelche Lotsen, sondern wir behandeln die Menschen. Wir müssen den Spagat schaffen, auf der einen Seite Hausärzte zu gewinnen und die Qualität weiter zu verbessern. Die Anforderungen an uns wachsen. Wir müssen weiter um Kompetenzen kämpfen und das werden wir beim Deutschen Ärztetag tun: Dass die Allgemeinmedizin den Stellenwert bekommt, den sie braucht", versprach Weigeldt.



Autoren:
Angela Monecke / Hans Glatzl

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (3) Seite 32-34