Biotechnologische Medikamente nehmen in unserer ärztlichen Tätigkeit bereits eine alltägliche Rolle ein. In der nicht onkologischen Dermatologie wurde besonders die Behandlung der Psoriasis, aber auch z. B. die der Urtikaria und des SLE dadurch erweitert bzw. revolutioniert. Ich möchte kurz aus meiner Sicht wichtige Entwicklungen der letzten beiden Jahre zusammenfassen.

Biologika bei Kindern

Die kindliche Psoriasis [1] ist mit einer Prävalenz von circa 1 % etwas seltener als die bei Erwachsenen. Bei Kindern ist häufiger das Gesicht betroffen, die Psoriasisarthritis ist rar. Bezüglich Komorbiditäten muss man vor allem auf die rheumatoide Arthritis und den Morbus Crohn achten. Seit 2011 ist Etanercept (Enbrel®) bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr (Psoriasis vulgaris) bzw. ab dem 12. Lebensjahr (Psoriasisarthritis) zugelassen. Seit 2015 sind zusätzlich Adalimumab (Humira®) für Kinder mit Psoriasis vulgaris ab dem 4. Lebensjahr (nach topischer oder UV-Therapie) und Ustekinumab (Stelara®) für Kinder mit Psoriasis vulgaris ab dem 12. Lebensjahr zugelassen.

Biologika und Schwangerschaft

Klassische antipsoriatische Systemtherapien sind in Konzeption, Schwangerschaft und Stillzeit nur beschränkt zulässig. Ein Übersichtsartikel von Grunewald im JDDG [2] gibt wertvolle Tipps im Umgang mit Biologika in diesen sensiblen Phasen der Fortpflanzung. Biologika können nach Empfehlung des Center for Pharmacovigilance and Consultation on Embryonal Toxicology, Charité Berlin, während der Konzeption, im 1. Trimester der Schwangerschaft und während der Laktation problemlos verabreicht werden. Vorsicht ist geboten während des 2. und 3. Trimenons der Schwangerschaft. Durch aktiven diaplazentaren Transport kann es zur Akkumulation von monoklonalen Antikörpern im Fetus kommen, assoziiert mit Infektgefahr bis über die Geburt hinaus.

Biosimilars

Im Jahr 2015 wurden wir im Rahmen der Psoriasistherapie auch mit Biosimilars konfrontiert. Biosimilars [3] sind Nachahmerprodukte von biotechnologisch hergestellten Pharmazeutika. Es handelt sich um Proteine, die dem Originalbiologikum in der Primärstruktur gleichen, jedoch beispielsweise Unterschiede im Glykosylierungsmuster aufweisen können. Auch das Originalprodukt kann derartigen Schwankungen unterliegen, die sich z. B. auf die Pharmakokinetik auswirken können.

Zur Zulassung eines Biosimilars muss die Bioäquivalenz in einer Indikation nachgewiesen werden. Beispielsweise wurde diese für Infliximab bei rheumatoider Arthritis nachgewiesen. Wahrscheinlich sind Biosimilars gleich gut wie die Originalpräparate. Die Erfahrung wird zeigen, inwieweit der Nachweis der Bioäquivalenz in einer Indikation wirklich auf alle zugelassenen Indikationen des Originals extrapoliert werden kann.

IL-17-Inhibitoren

IL-17 ist ein zentrales Zytokin in der Pathogenese der Psoriasis. IL-17-Antagonisten binden an IL-17 A und entfalten somit entzündungshemmende und immunmodulierende Eigenschaften. Secukinumab (Cosentyx®) wurde im Januar 2015 zur Behandlung der Psoriasis vulgaris und im November 2015 zur Behandlung der Psoriasisarthritis zugelassen. Die Ansprechraten in Woche 16 sind mit einem PASI 75 von > 90 % und einem PASI 90 von > 80 % beeindruckend [4]. Die Sicherheitsdaten sind gut. Eine nicht bedrohliche Nebenwirkung sind mukokutane Candidosen, auf die gezielt geachtet werden sollte. Secukinumab ist von der EMA als erstes Biologikum zum First-Line-Einsatz zugelassen. Im März 2016 wurde mit Ixekizumab (Taltz®) ein zweiter IL-17-Antagonist mit ähnlich guten Effizienz- und Sicherheitsdaten [5] für die Behandlung der Psoriasis vulgaris zugelassen.

Chronische spontane Urtikaria

Die chronische spontane Urtikaria (csU) betrifft mit 2/3 der chronischen Urtikariaformen circa 1 % aller Menschen. Sie dauert häufig länger als ein Jahr und ist in der Hälfte der Fälle resistent gegenüber H1-Blockern. Im Jahr 2014 wurde Omalizumab (Xolair®) zur Behandlung der therapieresistenten csU bei Patienten ab dem 12. Lebensjahr zugelassen. Nach Behandlungsversuchen mit nicht sedierenden Antihistaminika in der Standarddosierung und in Dosiseskalation (bis vierfach) kann Omalizumab (300 mg s.c. alle vier Wochen) eingesetzt werden [6]. Es wurde Beschwerdefreiheit in bis zu 70 % bei einem guten Sicherheitsprofil berichtet.

Lupus erythematodes

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische relapsierende heterogene Autoimmunerkrankung. Zu einer Organschädigung kommt es einerseits durch die Krankheitsaktivität und andererseits durch therapieassoziierte Toxizität. Es gibt viele Therapieoptionen, aber sehr wenige sind für SLE zugelassen.

BLyS (B-Lymphozyten-Stimulator) ist ein zentrales Zytokin in der B-Zell-Homöostase. Es führt zu B-Zell-Differenzierung und -Überleben. BLyS ist bei SLE erhöht. Belimumab (Benlysta®) ist ein monoklonaler Antikörper, der BLyS bindet und somit die B-Zell-Aktivität inhibiert. Belimumab ist das einzige Medikament, das gezielt für die SLE-Therapie entwickelt wurde und dafür zugelassen ist. Es wird zusätzlich zum "Standard of Care" (SoC) gegeben und erhöht den SRI ("SLE Response Index") signifikant. Das Sicherheitsprofil ist gut, gastrointestinale Nebenwirkungen und Bronchitis können auftreten. Obwohl die Effektivität nur moderat ist, konnte gezeigt werden, dass die Langzeittherapie mit Belimumab mit einer niedrigen Inzidenz von SLE-assoziierten Organschäden einhergeht [7].


Literatur:
1Augustin M et al: Co-morbidity and age-related prevalence of psoriasis: Analysis of health insurance data in Germany. Acta Derm Venereol 2010; 90(2): 147-51
2Grunewald S, Jank A: New systemic agents in dermatology with respect to fertility, pregnancy, and lactation. J Dtsch Dermatol Ges 2015; 13(4): 277-89
3Windisch J: [Biosimilars versus original biologics. Similarities and differences from development to approval]. Z Rheumatol 2015; 74(8): 672-81
4Thaçi D et al: Secukinumab is superior to ustekinumab in clearing skin of subjects with moderate to severe plaque psoriasis: CLEAR, a randomized controlled trial. J Am Acad Dermatol 2015; 73(3): 400-9
5Griffiths CE: Comparison of ixekizumab with etanercept or placebo in moderate-to-severe psoriasis (UNCOVER-2 and UNCOVER-3): results from two phase 3 randomised trials. Lancet 2015; 386(9993): 541-51
6Zhao ZT: Omalizumab for the treatment of chronic spontaneous urticaria: a meta-analysis of randomized clinical trials. J Allergy Clin Immunol 2016. doi: 10.1016/j.jaci.2015.12.1342. [Epub ahead of print]
7Bruce IN: Long-term organ damage accrual and safety in patients with SLE treated with belimumab plus standard of care. Lupus 2016 Mar 1. pii: 0961203315625119. [Epub ahead of print]



Autorin:

Ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger

Universitätsklinik für Dermatologie,Venerologie und Allerfologie
A-6020 Innsbruck

Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (20) Seite 54-55