Die Medizin wird weiblicher, heißt es schon geraume Zeit. Tatsächlich nehmen immer mehr Frauen ein Medizinstudium auf und bringen es auch zu einem erfolgreichen Abschluss. Und allmählich scheint sich dieser Trend auch bei der Niederlassung bemerkbar zu machen.

Der Anteil weiblicher Existenzgründer unter den Ärzten steigt weiter, meldet die ApoBank gemeinsam mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi). Zwar sind Männer mit 56,7 % unter den gesamten ambulant tätigen Vertragsärzten noch in der Mehrheit. Doch im Jahr 2015 lag der Anteil der Praxisgründerinnen schon bei 54,2 %, während die Männer nur noch auf 45,8 % kamen.

"Das Interesse der Ärztinnen an der Selbstständigkeit nimmt offensichtlich stetig zu", sagt Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der ApoBank. Das hänge gewiss auch damit zusammen, dass die Möglichkeiten der Berufsausübung vielfältiger geworden sind und mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum mit sich bringen, beispielsweise für Praxiskonzepte, die Familienplanung beziehungsweise das Privatleben gut integrieren.

Frauen und Männer gründen unterschiedlich

Ein Blick auf das Gründungsverhalten der Hausärzte nach Geschlechtern im Jahr 2015 zeigt, dass Ärztinnen grundsätzlich zurückhaltender investieren (im Schnitt 107.000 Euro), häufiger die Großstadt wählen (in 49,7 % der Fälle) und sich öfter für eine Einzelpraxis entscheiden (in 65,4 % der Fälle).

Ihre männlichen Kollegen tätigen dagegen mit durchschnittlich 130.000 Euro höhere Investitionen – in der Regel in medizinisch-technische Geräte –, mit 43,8 % bevorzugen sie zwar auch die Großstadt, aber seltener als Ärztinnen, und mit 47,8 % lassen sie sich eher in kooperativen Strukturen nieder.

Kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es allerdings beim Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Niederlassung: Bei Ärztinnen lag es 2015 mit 42,3 Jahren nur geringfügig über dem der männlichen Kollegen mit 42,2 Jahren.


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (5) Seite 29