Dass das Thema "Gesundheitsvorsorge" nicht immer bierernst präsentiert werden muss, bewies Dr. rer. biol. hum. Barbara Plagg von der Universität Bozen auf der diesjährigen DEGAM-Tagung im Rahmen eines Science Slam. Für ihr Max-und-Moritz-Gedicht erntete sie begeisterten Beifall und gewann den 1. Preis. Viel Spaß beim Lesen!

Prolog

Max und Moritz, diese beiden,
haben nun schon Altersleiden.
Der Rücken, die Beine und die Knie,
dass die mal weh tun, daran ­dacht man nie.
So wurde Ungesundes schleichend zur Sitte
nach der Scheidung in der ­Lebensmitte.
Für Kind und Karriere musste man sorgen,
den Yogakurs verschob man gern auf morgen.
Und schon wieder war ein Jahr vorbei,
doch im nächsten wär Schluss mit der Raucherei!

Dann begann‘s zu ziehen und zu drücken,
an Armen, Beinen und im Rücken.
Die Wirbelsäule braucht Optimierung,
den Fingergelenken fehlt die Justierung.
Es ist, da sind sich alle einig,
ein langer Lebensweg eben auch steinig.

Man saß bequem am Küchentisch,
bei Pizza, Pasta und auch Quiche,
genoss die Keule und den Wein,
da fiel dem Moritz plötzlich ein:
„Weißt du noch, damals, Witwe Bolte,
wie sie uns zwei versohlen wollte?“
„Bolte?“, meint Max drauf, „kenn ich die?
Ich glaub, den Namen hört’ ich nie.“
Dem Moritz der Bissen im Halse blieb,
dunkel erinnert er sich, was der Arzt verschrieb.
Man macht ja so wenig, man hört ja so viel!
Auf zum Doktor, der muss es richten.
Das gehört schließlich zu seinen Pflichten!

Erster Streich: Ernährung

„Man ist“, sprach Dr. Engl naseweis,
„nur selten ein gesunder Greis,
wenn man es vorher nie gewesen,
lebte man auf der Zelle Spesen.
Auf Dauer macht LDL-Cholesterin
nun mal die schönen Gefäße hin.
Ungesättigte Fettsäuren sollen es sein,
Salat und Fisch, statt Fleisch vom Schwein.
Schaffen Kontakt zwischen Nervenzellen
und können freie Radikale vergällen.
Vitamin C , E und Zink und Selen,
Omega-3 und Folsäure dürfen nicht fehl’n!
Denn was ihr esst, vergesst das nie,
schlägt sich nicht nur auf’s Gelenk vom Knie,
nein, was ihr esst, das ist auch schon,
maßgeblich für eure Kognition!“

Zweiter Streich: Bewegung

„Es hat der Mensch gar Muskeln viel,
sitzen kann also nicht sein das Ziel.
Bewegen muss der Körper sich,
Probleme kriegt er, tut er’s nicht.

Wer schlau sein will, muss also trainieren,
die Zellen müssen das Leben spüren.
Tut’s dem Po gut und dem Bauch,
hilft’s meist dem Oberstübchen auch.

Gut für Zucker, Blutdruck und Gewicht,
Bewegung ist des Menschen Pflicht!
Sauerstoff wird ins Hirn gebracht,
der Stoffwechsel ruck, zuck entfacht,
Wachstumsfaktoren werden produziert,
und die Blutgefäße auffrisiert.
Ganz vorteilhaft ist außerdem,
eine Verbesserung vom Schlafe zu sehn.
Entzündungen, Stress gehen auch zurück,
wer sich bewegen kann, ja, der hat Glück!“

Dritter Streich: Herz-Kreislauf

„Muss der Mensch vaskuläre Lasten tragen,
schlägt dies meist nicht nur auf den Magen:
Verdickt sich die Wand der Blutgefäße,
vergehen einem rasch die Späße.

Lochförmige Defekte im Hirngewebe
bedürfen meist intensiver Pflege.
Die Gesellschaftsplagen schlechthin,
Bluthochdruck und auch Cholesterin,
Rauchen, Adipositas und Diabetes,
diese in Maßen zu halten, darum geht es.

Doch präventiv ist der Mensch oft erst dann,
wenn er nicht mehr richtig stehen kann.“

Vierter Streich: Depression

„Es braucht, wenn das Leben eine Last,
der Mensch ab und zu mal eine Rast.
Verschnaufen, wenn es nicht mehr geht,
bevor es brennt – denn dann ist’s zu spät.

Leidet man gar viel und lange,
wird’s einem schon am Morgen bange,
nachdem man wieder die ganze Nacht
nicht ein einz’ges Auge zugemacht,
dann gilt es, um Demenz vorzubeugen,
Depressionen behandeln statt sie zu leugnen.“

Fünfter Streich: Schädel-Hirn-Trauma

„Verhindern lässt sich’s manchmal nicht“,
so der Doktor weiter spricht,
„dass der Kopf wo gegen stößt
und damit ein Trauma auslöst.

Leider ist, so wissen wir,
unser Menschenkopf doch schier,
ein empfindsames Gehäuse,
wo man schnell viel Plaques einschleuse.
Drum sei bedacht in Haus und Verkehr,
denn starke Stöße wiegen schwer.“

Sechster Streich: Kognitive Reserve

„Es war nicht schlau, das will ich euch sagen,
Lehrer Lämpel in die Luft zu jagen!
Bildung ist ein wahres Gut,
das vielen Krankheiten vorbeugen tut!
Man muss immer und aktiv was dafür tun,
den ohne Reiz die Synapsen ruh’n.

Use it or lose it, sagt ein bekanntes Wort,
neue Synapsen gibt‘s bis über 70 hinfort.
Lerne, schreibe, tanze, spiele,
Möglichkeiten gibt’s gar viele,
Routinen auch mal neu durchdringen,
mal was anderes – das kann’s schon bringen.
Das freut den Menschen von ganz frontal
einmal quer durch bis nach okzipital.“

Siebenter Streich: Chronischer Stress

„Es hat, im Kapitalismus nun,
ein Jedermann gar viel zu tun.
Stets muss der Mensch sich optimieren,
um im Neoliberalismus zu brillieren.

Funktional, schnell und schön,
muss man sein und muss es geh’n.
Der Arbeitsame vergisst dabei oft,
dass Work und Life auf Balance hofft,
um im chronischen Stress nicht unterzugehn,
muss ein jeder Mensch verstehn:

Kortisolregen lässt sich schwer kompensieren,
kann den Hippocampus praktisch luxieren.
Wer schlau ist und es sich leisten kann,
schaltet auf Standby dann und wann.“

Epilog

Zu Hause endlich angekommen,
Max sich auf‘s Sofa legt voll Wonnen,
herzhaft in die Keule beißt,
dem Moritz drauf das Wort entgleist.

„Ja hörtest du nicht, was der Doktor gesagt?!
Willst du denn, dass das Leben dich plagt?“
„Ach Moritz, heut passt mir das nicht recht,
für ne Veränderung find ich‘s grad schlecht.

Die gute Keule will ich noch verdrücken,
man muss sich ja hin und wieder beglücken!
Und im TV läuft, ach Moritz, nun schau,
endlich mal wieder ‚Bauer sucht Frau‘.

Aber Moritz, ich sag dir, morgen dann
fangen wir mit dem gesunden Leben an!“



Autorin:

Dr. rer. biol. hum. Barbara Plagg

Faculty of Science and Technology
Free University of Bozen/Bolzano
I-39100 Bozen/Bolzano

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (18) Seite 92-93