Es ist vollbracht. Nach jahrelangen kontroversen Diskussionen wurde endlich der "Masterplan Medizinstudium 2020" verabschiedet.

Der Masterplan 2020 ist letztlich auch ein "Versorgungsplan 2030". Es kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass insbesondere die qualitativ gute, flächendeckende und umfassende Versorgung einer zunehmenden Zahl von chronisch Mehrfacherkrankten und die rasant fortschreitende "Ambulantisierung" der Medizin auch in der Ausbildung berücksichtigt werden müssen.

Welche Kompetenzen und Fertigkeiten Ärztinnen und Ärzte zukünftig benötigen und wie diese am besten vermittelt werden können, ist keine ideologische, sondern eine rein fachliche Frage. Eine sinnvolle Kooperation und zugleich Aufgabenteilung zwischen dem stationären und dem ambulanten Sektor ist wichtiger denn je. Einige Fächer (z. B. Augenheilkunde oder Dermatologie) sind bereits heute weitgehend ambulant geprägt. Eine ausschließlich auf Kliniken begrenzte Ausbildung bliebe hier zwangsläufig unvollständig. Es wäre fahrlässig gewesen, diese Fakten zu ignorieren.

Auch die umfassende Langzeitversorgung chronisch Kranker oder das Management von Multimorbidität bzw. Multimedikation kann letztlich nur im Rahmen einer ambulanten Ausbildung vermittelt werden. Gleiches gilt z. B. für Impfungen, Früherkennungsuntersuchungen, Pflege- und Altenheimbetreuung oder Hausbesuche, die in Kliniken nicht erlernt werden können.

Insofern ist es gut und richtig, dass Medizinstudierende, wie in vielen Nachbarländern schon lange üblich, im Rahmen ihres sechsjährigen Studiums zukünftig auch die Versorgung in ambulanten vertragsärztlichen Praxen kennenlernen und sich intensiver mit dem für die gesamte Versorgung grundlegenden Fach Allgemeinmedizin auseinandersetzen. Eine zusätzliche Ausbildung in akademischen Lehrpraxen ermöglicht den Studierenden eine der Versorgungsrealität angepasste und damit in der Breite und Tiefe verbesserte Ausbildung.

Es ist international breit anerkannt, dass eine alleinige Ausbildung in hochspezialisierten Universitätskliniken, die sich in Deutschland selbst als "Supramaximalversorger" bezeichnen, zu eng und fachlich unzureichend ist. Auch zeigen Studien, dass die Motivation zu einer späteren Weiterbildung dringend benötigter Fachärzte/innen für Allgemeinmedizin durch eine Tätigkeit in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen gefördert wird.

Die DEGAM hat bewusst Brücken gebaut und sich aktiv für sachgerechte Kompromissformulierungen im Masterplan eingesetzt. Wir sind im Interesse einer besseren, breiteren und versorgungsadäquateren Ausbildung sowie der dringend notwendigen gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung froh, dass sich die Vernunft am Ende durchgesetzt hat.



Autor:

Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach

MPH Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (8) Seite 03