Fachpressegespräch: Neuropsychiatrische Symptome bei Patienten mit Leberzirrhose können eine hepatische Enzephalopathie (HE) bedeuten. Nach manifesten Episoden ist eine Rezidivprophylaxe unverzichtbar.

Über eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer Leberzirrhose, etwa jede/r Dritte entwickelt eine hepatische Enzephalopathie. Toxine und Ammoniak gelangen in den Blutkreislauf. Im Gehirn lassen sie die Astrozyten anschwellen, was Funktionseinschränkungen des zentralen Nervensystems auslöst.

Anhaltende Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben oder ein unsicherer Gang sind oft die ersten Symptome. Weil diese Symptome unspezifisch sind, wird die HE in der Praxis oft nicht erkannt.

Unbedingt Rezidive vermeiden

Bei Apathie, Somnolenz und neurologischen oder psychiatrischen Symptomen im Rahmen einer bekannten Leberzirrhose sollte der Hausarzt also an eine HE denken und dies weiter abklären. Bei jedem Patienten, der bereits wegen einer HE-Episode behandelt wurde, ist in der Folge eine langfristige und gut verträgliche Rezidivprophylaxe unverzichtbar. Denn weitere Schübe sind wahrscheinlich, und mit jedem nehmen die kognitiven Defizite des Patienten zu.

Als Dauerprophylaxe kann seit 2013 das darmselektive Antibiotikum Rifaximin-α eingesetzt werden (Xifaxan® 550 mg). Der praktisch nicht resorbierbare Stoff wirkt bakterizid auf ammoniakbildende Bakterien, somit kausal auf die Pathogenese der HE. Rifaximin-α senkt das relative Risiko für wiederkehrende HE-Episoden im Vergleich zu Plazebo um 58 %. Rifaximin-α ist gut verträglich und verursacht keine klinisch relevanten Resistenzen.


Ralf Schlenger

Fachpressegespräch: „Lebererkrankungen erkennen, therapieren und begleiten“, Norgine


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (11) Seite 74