Pittoreske Städte, eine intakte Flora und Fauna, vorgelagerte Inseln machen die Kvarner Bucht zu einem gerne besuchten Urlaubsparadies in Kroatien. Die gesamte Bucht ist durch die hohen Gebirgszüge vor starken Winden geschützt und hat mit seinen bis zu 2.500 Sonnenstunden im Jahr ein ausgezeichnetes Klima mit entsprechend mediterraner Flora. Die Elite von einst und ihr Gefolge kamen mit der Kutsche und später mit der Bahn ins Seebad Abbazia, das heutige Opatija. Die Villen im Belle-Époque-Stil und die tropische Parklandschaft des Ortes erinnern an den einstigen Glamour des Adels.

Bevor der Trubel des Tages beginnt, trinkt Reiseleiter Karlo auf der Terrasse des Hotels Miramar seinen ersten Kaffee, liest die Zeitung und informiert sich über Neuigkeiten. "Die Leute wollen nicht nur Geschichten und Anekdoten von früher hören. Sie möchten wissen, was es auf der 14 km langen Strandpromenade Lungomare zu sehen gibt. Sogar, ob es in Opatija auch mal regnet", sagt Karlo und blickt über die türkisfarbene Adria. Es ist fast so, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Erholung für die Atemwege

Die weltbekannten Pralinen werden immer noch in der Backstube des Cafés Wagner handgefertigt. Die 30 unterschiedlichen Füllungen sind geheime Rezepturen. Vom historischen Gebäude ist es nicht weit bis zur Villa Angiolina, die heute ein Museum ist. Iginio Scarpa, ein reicher Kaufmann aus Rijeka, hätte nie gedacht, dass diese im damaligen Fischerdorf errichtete Villa für seine Frau einen Gesundheitsboom auslösen würde. Das war 1844. Die Adeligen und Aristokraten ließen sich Barockpaläste und Villen bauen, fuhren in die Sommerfrische. Hier konnten sie in Ruhe und Gelassenheit fernab vom Hof und vom politischen Tagesgeschehen entspannen. Sie trafen sich in Cafés und wandelten durch den Park, suchten Schatten unter Palmen und genossen die exotische Blütenpracht. Opatija wurde zum Luftkurort proklamiert. Die Ärzte lobten die mit Aerosolen angereicherte Luft und rieten ihren Patienten: Fahren Sie zum Kuren nach Opatija!

Reisetipps
  • Tourismusregion Kvarner bei der Kroatischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt, www.croatia.hr; Tourismus-Zentrale der Region Kvarner, http://www.kvarner.hr .
  • Anreise: Flughafen im italienischen Triest. Wird z. B. von der Lufthansa (www.lufthansa.com) angeflogen: Berlin/Tegel über München nach Triest, Leipzig/Halle über München nach Triest. Der Flughafen ist etwa 60 Kilometer von Opatija entfernt. Von beiden Flughäfen ein Mietauto nehmen oder nach einem Transfer im Hotel nachfragen (Wartezeit für die slowenische und kroatische Grenze einrechnen!)Hotel-Tipp: Adria-Relax-Resort Miramar ( http://www.hotel-miramar.info )
  • Pauschalreisen: Wer nicht gern individuell unterwegs ist, Reiseveranstalter haben Opatija und die Kvarner Bucht im Programm, u. a.: http://www.tui.com , http://www.thomascook.de , http://www.dertour.de .
  • Infos über den Fährverkehr in der Kvarner Bucht: http://www.jadrolinija.hr (die deutsche Seite anklicken).

Die Zedern und Pinien im Park sind gewachsen. Die japanische Kamelie ist das Wahrzeichen der Stadt. Den Gästen, die ein bisschen kaiserliche Atmosphäre schnuppern möchten, empfiehlt Karlo, die Kaiser-Franz-Josef-Promenade Lungomare, die zwischen dem Fischerdorf Volosko und dem Hafenstädtchen Lovran verläuft und sich durch Opatija schlängelt, entlangzuspazieren. Hier kann man gesunde Meeresluft tanken und gewinnt Einblick in die bewegte Geschichte der Stadt.

Auch Sissi war da

In den Villen und Hotels entlang der Promenade residierten Ende des 19. Jahrhunderts die großen Persönlichkeiten Europas. Hinter den verschnörkelten Fassaden gab es Affären und Familiendramen. Über manche wurde Geschichte geschrieben, andere haben für die Ewigkeit für Legenden gesorgt. Sissi zum Beispiel soll am Ende des Ortes den ungarischen Grafen Gyula Andrássy besucht, Franz sich in der Villa Schaleck mit der Schauspielerin Katharina Schratt getroffen haben. Womöglich hat sich das im sommerlichen Opatija wirklich so abgespielt. Eines ist gewiss, sie waren hier und damit man sie nicht vergisst, müssen sie nun mit ihrem Namen für Torten, Milchkaffee und Massagen herhalten.

Die Inselwelt erkunden

Die Inseln Cres und Lošinj sind anders. Wilder Lorbeer wächst an den Hängen. Die Erde ist dunkelbraun und voller Steine. Nadelwälder schützen die Stadt Mali Lošinj vor der Bora, einem mitunter heftigen Fallwind vom Festland. Der Frühling beginnt hier früher. Zitronen und Oleander gedeihen ohne Schutz im Freien.

Niedrige Steinmauern umgeben die kleine Bauernkate, ein paar knorrige Olivenbäume spenden Schatten, ein Esel schaut über ein Gatter herüber. In Sandra Nicolichs` Aromagarten, der zehn Gehminuten oberhalb des Hafens von Mali Lošinj liegt, wachsen 250 Wildpflanzen. Lavendelbüsche blühen üppig. "Die Myrte", zeigt Sandra auf einen kleinen Busch mit grünen Blättern, "ist für mich heilig." Aus den Früchten oder auch den Blättern und Blüten stellt sie Likör her. Als Aperitif einfach köstlich und gesund, sagt die Kräuterfrau.

Ein Spazierpfad führt nach Veli Lošinj. Motorboote haben an der quirligen Uferpromenade festgemacht. Bunt angestrichene Kapitänshäuser erzählen von jenen Zeiten, als Veli Lošinj die Heimat berühmter Schiffsbauer und Seefahrer war. Die Adligen kamen gern hierher. Wegen der Pflanzen, der Luft und wegen des kristallklaren Wassers. In den Tavernen, die sich am Hafen aneinanderreihen, gibt es einheimische Gerichte. Die Nachbarinsel Cres mit ihren salzigen Grasweiden liefert würziges Lammfleisch, aus der Kvarner Bucht kommen die besten Garnelen der gesamten Adria. Draußen an der Mole liegt Igors Motorboot. Er bringt die Gäste zur Insel Rab. Zwei Stunden wird die Überfahrt dauern. "Wenn wir Glück haben, sehen wir Delphine", hofft der Kapitän. Die Wellen rollen an die Kaimauer, es riecht nach Salz und Meer.



Autorin:
Heidrun Lange

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (13) Seite 76-78