Mit dem Aufkommen der Religionen entstanden wohl erstmals Rituale eines freiwilligen Fastens, die vermutlich der Reinigung und Askese dienten. In der Medizin wird Fasten schon lange als Therapieansatz genutzt, allerdings eher mangels anderer wirksamer Optionen. Da lohnt sich ein Blick auf das derzeit so im Trend liegende Konzept des intermittierenden Fastens. Was kann man davon erwarten?

Besonders Ende des 19. Jahrhunderts wurden Fastenkuren wie die "Schrothkur" eingeführt und wurden – meist erfolglos – zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Auch das "Buchinger-Heilfasten", welches auf den Arzt Otto Buchinger (1878 – 1966) zurückgeht, stammt aus dieser Epoche. Diese Fastenkonzepte wurden in den letzten Jahrzehnten als alternativmedizinische Verfahren fortgeführt und an zeitgemäße Gesundheitsprobleme und Indikationen wie die Behandlung von Übergewicht oder anderer Zivilisationskrankheiten angepasst. Weiter werden sie heute zum Stressabbau und zur ganzheitlichen körperlichen und seelischen Erholung angeboten. In der Regel handelt es sich um extrem energiereduzierte Kost, z. B. in Form von Gemüsesäften, ohne Fett, ohne tierisches Eiweiß oder sonstige übliche Speisen.

Beim Heilfasten nach Buchinger werden für etwa 2 bis 4 Wochen Gemüsebrühen, Obst- und Gemüsesäfte, etwas Honig und reichlich Kräutertee gegeben. Die Energiezufuhr liegt bei etwa 250 bis 500 kcal/Tag und besteht im Wesentlichen aus Kohlenhydraten. Die historischen Fastenkuren wie das Buchinger-Heilfasten erleben heute wieder ein gewisses Revival. Sie werden vor allem für die Behandlung aktueller Zivilisationskrankheiten wie etwa Übergewicht und Adipositas, Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom, Hypertonie, chronische Entzündungen und Gelenkerkrankungen propagiert.

Keine dauerhafte Gewichtskontrolle

Prinzipiell ist beim Fasten durchaus eine Stoffwechselentlastung zu erwarten, die Kalorienreduktion bewirkt außerdem eine Dämpfung von Entzündungsaktivitäten, nachweisbar durch eine geringere Synthese von Akute-Phase-Proteinen in der Leber. Systematische Untersuchungen zu den Ergebnissen von Fastenkuren fehlen aber fast vollständig, auch Nebenwirkungen werden nicht systematisch dokumentiert, dürften aber nicht selten sein, da bei dieser extrem knappen und einseitigen Ernährung mit Nebenwirkungen wie etwa Kaliumabfall und Kreislaufstörungen zu rechnen ist. Problematisch ist dabei vor allem die sehr niedrige Eiweißzufuhr, die den Körper zwingt, die körpereigene Proteolyse zu steigern, und damit zum unerwünschten erheblichen Verlust fettfreier Körpermasse führt.

Von praktischer Relevanz ist auch, dass Medikamente z. B. gegen Hypertonie oder Typ-2-Diabetes zügig angepasst werden müssen, um Kreislaufstörungen bzw. Hypoglykämien zu vermeiden. Die zu erwartenden Effekte solcher Kuren sind aber zumeist nur kurzfristig und verflüchtigen sich rasch nach Beendigung des Fastens. In der Regel kommt es danach wieder zum Gewichtsanstieg. Eine langfristige Gewichtskontrolle konnte bislang nicht gezeigt werden und ist keineswegs plausibel.

In den letzten Jahren sind hierzulande auch andere Fastenformen wie etwa das sog. Basenfasten populär geworden. Dieses beinhaltet den Verzehr von Obst und Gemüse bzw. entsprechenden Säften und wird in verschiedenen Spielarten propagiert. Damit soll eine Entsäuerung des Körpers und ein gesundheitsförderlicher bzw. heilender Effekt erreicht werden. Die Heilsversprechen ähneln denen für die o. g. Fastenformen, ohne dass es dafür biologische Plausibilität und solide Daten aus Humanstudien gibt.

Intermittierendes Fasten

Im Trend liegen derzeit aber andere Fastenarten. So wird bspw. in England die "2 + 5"- oder 5 : 2-Diät zur Gewichtssenkung propagiert. Beliebt ist auch das sog. "Alternate-Day Fasting", bei dem Normal- und Fastentage täglich wechseln. Eine andere Art ist das "8/16"-Fasten. Dabei wird den Teilnehmern vorgegeben, die Essenszeiten auf 8 Stunden am Tag zu begrenzen und in den restlichen 16 Stunden keine Mahlzeit einzunehmen.

Diese Fastenformen werden heute unter dem Begriff "intermittierendes Fasten" oder Intervallfasten zusammengefasst (Tab. 1) und überwiegend zur Gewichtskontrolle empfohlen. Im Gegensatz zu den vorher genannten Fastenkuren können die verschiedenen Formen des intermittierenden Fastens auch über lange Zeiträume ausgeübt werden. Es gibt inzwischen auch eine begrenzte wissenschaftliche Literatur.

Das 5:2-Fasten

Diese Fastenform sieht pro Woche 2 nicht aufeinanderfolgende Fastentage mit ca. 500 bis 600 kcal vor, z. B. bestehend aus Gemüse, Vollkornprodukten, Haferflocken sowie mageren, proteinreichen Lebensmitteln und reichlich Flüssigkeit. An den übrigen Tagen kann "normal" bzw. ad libitum gegessen werden. Mit diesem Konzept soll bei adipösen Menschen eine bessere Compliance für eine Energiebegrenzung erreicht und damit das Abnehmen erleichtert werden.

In einer klinischen Studie an 107 übergewichtigen und adipösen Männern und Frauen (mittlerer BMI 30,6 kg/m²) wurde ein intermittierendes Fastenkonzept (2 Fastentage pro Woche mit 25 % des Energiebedarfs) mit einer kontinuierlichen Energiebegrenzung um 25 % über einen Zeitraum von 6 Monaten verglichen. Es fand sich nicht nur ein ähnlicher Gewichtsverlust von etwa 6 kg, sondern auch eine vergleichbare Senkung von Leptin, CRP, Blutdruck und der Blutfette. Lediglich der Abfall der Insulinspiegel und die Besserung der Insulinresistenz waren unter dem intermittierenden Fasten etwas ausgeprägter [3]. Ähnliche Ergebnisse wurden von einer 12-wöchigen Studie bei übergewichtigen und adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes berichtet. Sowohl der Gewichtsverlust als auch die Senkung von HbA1c waren unter intermittierendem Fasten (2 Fastentage pro Woche) und bei kontinuierlicher moderater Energiebegrenzung vergleichbar [2].

Alternate-Day Fasting (ADF)

Diese Fastenform, auch als "The Every-Other-Day Diet" bekannt geworden, sieht vor, an Fastentagen die Energiezufuhr auf 25 % des Bedarfs zu reduzieren ("fast day"), an normalen Tagen kann eine Ad-libitum-Kost, manchmal mit einem Zuschlag von 25 % Energie ("feast day"), verzehrt werden. In einer US-amerikanischen Studie wurden 100 adipöse Männer und Frauen entweder dem Alternate-Day- Fasting-Konzept oder einer mäßig energiereduzierten Kost oder einer Kontrollkost zugelost. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 44 Jahren, der mittlere BMI bei 34 kg/m². Der Gewichtsverlust war in den beiden Interventionsgruppen vergleichbar (ADF: -6,8 % nach 6 Monaten und -6,0 % nach 12 Monaten im Vergleich zur energiereduzierten Mischkost mit -6,8 % nach 6 Monaten und -5,3 % nach 12 Monaten). Die Abbruchrate lag unter ADF signifikant höher als unter der Vergleichskost (38 % vs. 29 %). Es fanden sich keine Unterschiede für Blutdruck, Blutfette, Plasmaglukose, HOMA-Index und CRP [7]. Eine Sekundäranalyse der gleichen Studie ergab keine Unterschiede zwischen beiden Kostformen für den Quotienten fettfreie Körpermasse/Gesamtkörpermasse, die Leptinspiegel sowie andere Adipokine [8].

In einer Metaanalyse wurden alle bisher publizierten Humanstudien zum intermittierenden Fasten ausgewertet. Die intermittierenden Fastenkonzepte (Alternate-Day-Fasting, 2 Fastentage pro Woche bis zu 4 Fastentage pro Woche) zeigten im Vergleich zu einer kontinuierlichen Energiebegrenzung keine größere Gewichtsabnahme und keine metabolischen Vorteile [2].

Bedeutung der Essenszeiten

In den letzten Jahren gab es großes Interesse an der Frage, welche Bedeutung die Essenszeiten für die Stoffwechsel- und Appetitregulation sowie die Energiebilanz haben. Zunehmend werden dazu auch Humanstudien durchgeführt [5, 6].

Viele tierexperimentelle Studien beschäftigten sich mit den Auswirkungen zirkadianer Rhythmen auf den Stoffwechsel. Werden diese endogenen Biorhythmen gestört, z. B. auch durch unphysiologische Fütterung oder andere exogene Einflüsse wie z. B. Schlafentzug, werden dadurch Stoffwechselstörungen und Adipositas ausgelöst. Beim Menschen wurden ähnliche Phänomene beschrieben. So ist bspw. aus Beobachtungsstudien bekannt, dass Schichtarbeiter häufiger Stoffwechselstörungen und Adipositas entwickeln als Personen mit einem festen Tag-Nacht-Rhythmus. Auch Zeitverschiebungen ("Jetlag") stören die Biorhythmen, was mit einer Verschlechterung der Glukosetoleranz und des Lipidstoffwechsels einhergeht. In diesem Kontext wurden auch Veränderungen des Mikrobioms und der Darmpermeabilität beschrieben.

Reichliches Essen am späten Abend und damit Verkürzung der nächtlichen Fastenperiode sind wahrscheinlich nachteilig. Sie stören nicht nur die Schlafqualität, sondern können auch Stoffwechselstörungen verursachen. In diesem Sinne ist eine Verlängerung der nächtlichen Fastenperiode z. B. durch frühes Abendessen oder sogar "Dinner Cancelling" wahrscheinlich vorteilhaft, sowohl mit Blick auf kardiometabolische Risikofaktoren als auch für die Gewichtsregulation. Hierzu sind aber noch weitere Studien notwendig, bevor daraus Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche Mahlzeitenverteilung abgeleitet werden können. Dennoch erscheint klar, dass eine achtsame Verteilung der Mahlzeiten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die kardiometabolische Gesundheit haben dürfte [6].

Fazit für die Praxis
Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass die verschiedenen Formen des intermittierenden Fastens zu einer besseren Gewichtssenkung oder günstigeren metabolischen Veränderungen führen als die übliche mäßig kalorienreduzierte Mischkost, sofern die Kalorieneinsparung vergleichbar ist. Es gibt bislang nur wenige Humanstudien zum intermittierenden Fasten. Daher ist es sinnvoll und wünschenswert, größere und längere Studien durchzuführen. Derzeit lässt sich auch nicht belegen, dass beim intermittierenden Fasten der Verlust an fettfreier Körpermasse besser vermieden werden kann. Dennoch erscheint es vertretbar, bei Patientenwunsch auch intermittierendes Fasten in den beschriebenen Formen einzusetzen. Vor allem bei Patienten mit chronischen Krankheiten ist aber eine ärztliche Begleitung angezeigt.


Literatur
1) Carter S, Clifton PM, Keogh JB. The effect of intermittent compared to continuous energy restriction on glycaemic control in type 2 diabetes: a pragmatic pilot trial. Diab Res Clin Pract 2016;122:106-112
2) Harris L, Hamilton S, Azevedo LB et al. Intermittent fasting interventions for treatment of overweight and obesity in adults: a systematic review and meta-analysis. JBI Database System Rev Implement Rep 2018;16(2):507-547
3) Harvie MN, Pegington M, Mattson MP et al. The effects of intermittent or continuous energy restriction on weight loss and metabolic disease risk markers. Int J Obes 2011;35(5):714-727
4) Home BD, Muhlestein JB, Anderson JL. Health Effects of intermittent fasting: hormesis or harm? A systematic review. Am J Clin Nutr 2015;102(2):464-470
5) Patterson RE, Sears DD. Metabolic effects of intermittent fasting. Annu Rev Nutr 2017;37:371-393
6) St-Onge M-P, Ard J, Baskin ML et al. Meal timing and frequency: implications for cardiovascular disease prevention. A Scientific Statement of the American Heart Association. Circulation 2017;135(9):e96-e121
7) Trepanowski JF, Kroeger CM, Barnosky A et al. Effect of alternate-day fasting on weight loss, weight management, and cardioprotection among metabolically healthy obese adults: a randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2017;177(7):930-938
8) Trepanowski JF, Kroeger CM, Barnosky A et al. Effects of alternate-day fasting or daily calorie restriction on body composition, fat distribution, and circulating adipokines: secondary analysis of a randomized clinical trial. Clin Nutr 2017 Dec 5



Autor:

© copyright
Prof. Dr. H. Hauner

Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
80992 München

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (19) Seite 40-42