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Frage: "Gibt es auch Spät-Manifestationen einer Hämochromatose? Mein Patient ist 70 Jahre alt und hat einen Typ-2-Diabetes, ein Ferritin von 1.800 µg/l und eine Transferrin-Sättigung von 50 %."

Antwort: Hämochromatosepatienten können bei adäquater Therapie zur Eisenreduktion eine normale Lebenserwartung haben (abgesehen von limitierenden Sekundärerkrankungen wie z. B. Leberzirrhose, Kardiomyopathie oder hepatozelluläres Karzinom).

Unterschieden werden muss zwischen primären (Gendefekt) und sekundären Hämochromatosen (z. B. infolge rezidivierender Eisentransfusionen bei Myelodysplastischem Syndrom). Die Therapie verfolgt in beiden Fällen das Ziel der Eisenreduktion, z. B. durch Aderlasstherapie oder Chelatgabe. Ein Ferritin von > 1.000 µg/l rechtfertigt eine Chelatgabe.

Frage: "Gibt es eine isolierte Ferritin-Erhöhung, ohne Krankheitswert bei älteren Menschen?"

Antwort: Ferritin hat neben seiner Funktion als Eisenspeicher auch eine Funktion als Akut-Phase-Protein. Bei älteren Menschen kann altersphysiologisch im Zusammenhang mit einem subklinischen, chronisch inflammatorischen Zustand ("inflammaging": Franceschi C. et al. Chronic inflammation [inflammaging] and its potential contribution to age-associated diseases. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2014; 69 Suppl 1: S. 4 – 9) das Ferritin erhöht sein und dadurch einen Eisenmangel maskieren (Cankurtaran M et al. Increased ferritin levels could reflect ongoing aging-associated inflammation and may obscure underlying iron deficiency in the geriatric population. European Geriatric Medicine 2012; 3 [5]: 277 – 280). Daher gelten im höheren Lebensalter auch höhere Normwerte für Ferritin (Männer bis 665 µg/l, Frauen bis 651 µg/l ).



Autorin:

Dr. med Gabriele Röhrig-Herzog

Fachärztin für Innere Medizin, Hämato-Onkologie, Geriatrie
Klinik für Geriatrie, St. Marien-Hospital
50937 Köln


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (4) Seite 58