Jetzt nachdem die GroKo ihre Arbeit aufgenommen hat, versucht jeder, seine Claims abzustecken. Das gilt natürlich auch für die Allgemeinmedizin und den Hausärzteverband (DHÄV). Der Verband hat gute Argumente auf seiner Seite, wenn er sich dagegen auflehnt, dass die Termin-Servicestellen auch auf die hausärztliche Versorgung ausgeweitet oder die Mindestsprechzeiten von 20 auf 25 Stunden aufgestockt werden sollen. Da bedarf es ganz anderer Maßnahmen, um den Hausärztemangel zu beheben.

Mehr Honorar ist gut …

Ob dazu auch die vom DHÄV ebenso vehement eingeforderte und von der Bundesregierung auch bereits angedeutete bessere Vergütung der Hausärzte zählt, darf aber stark bezweifelt werden. Jeder möchte in guten Zeiten gut – nein besser – verdienen. Warum sollte DHÄV-Chef Ulrich Weigeldt also dieses "starke Signal" der Regierung ausschlagen? Muss er auch gar nicht, aber die primäre Forderung nach mehr Honorar greift viel zu kurz, weil viele Hausärzte heute ganz andere Dinge weit mehr bewegen, z. B. viel zu viele Patienten in der Praxis, eine längst überholte Bedarfsplanung, viel zu wenige nachrückende Allgemeinärzte, Ausbau und Bereitstellung der telematischen Infrastruktur oder die Vereinfachung von Kodierung und Dokumentationen. Hier besteht überall Handlungsbedarf. Beim Honorar ist hingegen bereits einiges erreicht worden.

Deutlich wird dies zum Beispiel:
  • Bei Veranstaltungen mit Allgemeinärzten, bei denen heute im Gegensatz zu früheren Jahren kaum mehr Klagen über unzureichende Honorare zu hören sind.
  • An den Honorarstatistiken, die im Durchschnitt in den Jahren 2011 bis 2015 eine Steigerung des Reinertrags pro Praxis von 181.000 € auf 227.000 € ausweisen. Das ist eine satte Erhöhung um 25 % – allerdings von einem innerärztlich deutlich unterdurchschnittlichen Level aus.
  • An den Selektivverträgen, mit denen mittlerweile deutlich über eine Milliarde Euro Umsatz generiert werden, die das Honorar der Hausärzte weiter aufwerten.

Natürlich könnte auch beim Honorar noch vieles besser laufen, z. B.: im Zuge der Angleichung der Honorierungssysteme von stationär und ambulant erbrachten gleichen Leistungen. Oder bei einer leistungsgerechten Vergütung in Euro, bei der jeder Arzt schon beim Erbringen einer Leistung wissen würde, was sie denn eigentlich einbringt. Oder bei der Stärkung der sprechenden Medizin, für die im Praxisalltag kaum noch Zeit ist.

… mehr Hausärzte wären noch besser

Und genau hier schließt sich wieder der Kreis. Solange nicht mehr Hausärzte zur Verfügung stehen, nützt auch ein höheres Honorar kaum etwas. Die Hausärzte von heute können sich nicht zerteilen und noch mehr Lasten auf ihre Schultern legen. Deshalb sollte der DHÄV in enger Koalition mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) noch viel stärker auftrumpfen, wenn wieder mal Stimmung gegen den Masterplan Medizinstudium 2020 gemacht wird. Denn von der Umsetzung dieses Plans und weiterer struktureller Verbesserungen für Hausärzte hängt auch die Zukunft der Allgemeinmedizin ab – und damit weit mehr, als kurzfristig ein wenig mehr Honorar einzustreichen, meint Ihr



Autor:

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (8) Seite 36