Seit dem Jahr 2012 ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verpflichtet, regelmäßig darüber zu informieren, wie sich die Honorare der Vertragsärzte und die Honorarumsätze je Arzt und Arztgruppe entwickeln. Das geschieht immer mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Der aktuelle Honorarbericht bezieht sich auf das Jahr 2015. Auffällig ist, dass die Hausärzte beim Honorarumsatz in diesem Jahr fast doppelt so viel zulegen konnten wie andere Fachärzte.

Insgesamt konnten die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 leichte Honorarzuwächse verzeichnen. Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt und Psychotherapeut aus vertragsärztlicher Tätigkeit erhöhte sich dem Bericht zufolge im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 um 2.576 Euro auf 211.892 Euro. Das entspricht einer Steigerung um 1,2 %. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall stieg im Durchschnitt um 1,48 Euro auf 63,63 Euro (+2,4 %). Entsprechende Zuwächse registrierten 14 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen).

Ein gutes Jahr für Hausärzte

Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt erhöhte sich im hausärztlichen Versorgungsbereich im Berichtsjahr 2015 in fast allen KV-Bereichen: Er stieg gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 3.193 Euro auf 212.801 Euro (+1,5 %). Der Honorarumsatz je Behandlungsfall erhöhte sich im Durchschnitt um 0,85 Euro auf 62,80 Euro (+1,4 %). Ein Rückgang des Honorarumsatzes je Arzt wird lediglich von den KVen Mecklenburg-Vorpommern (-1,2 %) und Sachsen (-0,2 %) gemeldet. (Tabelle 1)

Im fachärztlichen Versorgungsbereich entwickelte sich der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt dagegen regional sehr unterschiedlich. Im Bundesdurchschnitt zeigte sich ein Plus von 0,8 %, also deutlicher weniger als bei den Hausärzten. Der Honorarumsatz erhöhte sich je Facharzt um 1.619 Euro auf 202.876 Euro.

Die größten Zuwächse beim Honorarumsatz erzielten im fachärztlichen Bereich Fachärzte für Humangenetik (+10,5 %), Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen (+6,3 %), Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (+5,9 %), Fachärzte für Augenheilkunde (+4,8 %) und Fachärzte für Psychiatrie (+4,7 %). Bei den ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten beläuft sich das Plus auf 3,2 %. Die höchsten Rückgänge beim durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt verzeichneten Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Angiologie (-4,4 %) sowie mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie (-3,6 %).

Jede zehnte Leistung weiterhin unbezahlt

Die Honorarzuwächse seien zwar erfreulich, dennoch würde jede zehnte Leistung der 165.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten nach wie vor nicht vergütet, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Zudem sei durch die steigenden Betriebskosten das Einkommen vieler Ärzte trotz Umsatzsteigerungen gesunken.

Der Honorarumsatz verteilt sich ganz unterschiedlich

Dem Honorarbericht zufolge hat sich im vierten Quartal 2015 der Honorarumsatz je Arzt und Psychotherapeut im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,0 Prozent leicht erhöht. Etwas stärker gestiegen ist der Honorarumsatz je Behandlungsfall mit 2,9 %.

Das Honorarumsatzvolumen der Hausärzte stieg dabei um 1,6 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Je Arzt wurde ein Plus von 1,1 % erzielt. Die Vergütung je Behandlungsfall stieg um 2,3 %. Die Verteilung des Honorarumsatzes über die Masse der Allgemeinärzte gleicht dabei einer Gauss-Kurve, das heißt, es gibt solche, die deutlich mehr als der Durchschnitt umsetzen, aber auch solche, die mit ihrem Honorarumsatz erheblich unter dem Durchschnitt liegen. Und die Tabelle 2 zeigt hier zudem auch den Unterschied zwischen Honorarumsatz und tatsächlichem Überschuss (Erläuterung siehe Kasten) im Vergleich aller Arztgruppen.

Honorarumsatz ist nicht gleich Nettoeinkommen
Der Honorarumsatz ist die Zahlung an den Arzt oder Psychotherapeuten für die Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten. Der Umsatz ist nicht mit dem Nettoeinkommen gleichzusetzen. Das Nettoeinkommen, also das Geld, das der Arzt für seine Arbeit bekommt, beträgt durchschnittlich nur 23,5 % des Honorarumsatzes. Aus den anderen 76,5 % des Honorarumsatzes finanziert er:
  • Praxiskosten, z. B. für Personal, Miete, Energie und Versicherungen, medizinische Geräte. Diese Betriebsausgaben sind je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch. Sie betragen im Durchschnitt über alle Gruppen 51,6 % des Honorarumsatzes.
  • Steuerzahlungen (14,9 %)
  • berufsständische Altersversorgung (7,1 %)
  • Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherungen (2,8 %)
Erst nach Abzug aller Kosten erhält man das Nettoeinkommen, das dem Arzt persönlich zur Verfügung steht.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (19) Seite 32-33