Kongressbericht: Neben den zahlreichen Fortbildungsangeboten für das gesamte Praxisteam und dem bewährten Forum für gesundheitspolitische Diskussionen hatte der 34. Seminarkongress Norddeutscher Hausärzte in Lüneburg in diesem Jahr einige Neuerungen zu bieten. Eine andere Verteilung der Kurse (Freitag und Samstag statt Samstag und Sonntag) und die Erweiterung des Gesellschaftsabends mit einem DJ für Tanzbegeisterte kamen gut an und sorgten für die notwendige Entspannung zwischen den Kursen.

Auch an diesem 4. und 5. Mai konnte sich das Kongressangebot mit 49 Seminaren, dem gut besuchten Politikforum als Kongressauftakt sowie Veranstaltungen für VERAH®/NäPa, Studenten und Ärzte in Weiterbildung sehen lassen. Beliebte Klassiker wie das Tapen, Hautkrebsscreening, Sonografie und Impfmanagement wurden ergänzt durch neue Seminare zu den Themen Arznei- und Heilmittelverordnung, Diabetes mellitus, Interstitielle Zystitis und Manuelle Therapie. Eines der besonders beliebten Seminare sei hier hervorgehoben: das "Notfallmanagement" mit Hausarzt Dr. med. Sven-Peter Augustin. Zusammen mit einem Rettungsassistenten, der Patienten in Notfallsituationen lebensecht und schauspielerisch gekonnt darstellte, konnten von Praxisteams Stresssituationen durchgespielt, der Ablauf geübt und Unsicherheiten aufgedeckt werden.

Mit 1.200 Seminarteilnehmern aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein war der Kongress erneut gut besucht. Der Allgemeinarzt begleitete die Veranstaltung wie schon im letzten Jahr als Medienpartner. Sie dürfen sich also auf ausführliche Berichte zu den diversen Seminaren in den kommenden Ausgaben freuen.

Weg mit den Regressen!

Die Prüf- und Regressverfahren einiger Krankenkassen, die Hausärzte in Niedersachsen zu spüren bekamen, waren ein großes Thema beim Politikforum. "Solange Hausärzte sogar für Antihistaminika, die wir unseren Patienten aus gutem Grund verschreiben, bezahlen sollen, wird weder die Politik noch jemand anderes das Problem des Hausarztmangels lösen", so der Vorsitzende des niedersächsischen Hausärzteverbands, Dr. med. Matthias Berndt. Die Verschreibungsfähigkeit von Arzneimitteln muss eindeutiger geregelt werden, forderte Berndt. Regresse müssten abgeschafft werden.

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war der Hausärztemangel und die Gewinnung hausärztlichen Nachwuchses. Berndt plädierte in diesem Zusammenhang für die personelle Aufstockung allgemeinmedizinischer Lehrstühle und die zügige Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020.

Traumberuf Hausarzt!

Eigentlich schwer verständlich, dass der zunehmende Bedarf an Hausärzten nicht gedeckt werden kann. Denn dieser Beruf steht auf Platz 1 der Liste der Professionen, die zufrieden machen, erklärte Berndt bei seiner Eröffnungsrede zum Gesellschaftsabend. Unter den Traumberufen von Kindern landete der Arztberuf immerhin auf Rang 4 nach Star, Polizist und Tierarzt. Gemäß einer weiteren vor kurzem publizierten Studie würden Hausärzte optimistischer in die Zukunft schauen als Fachärzte. "Hausarzt ist und bleibt einer der interessantesten und erfüllendsten sowie im Rahmen der Telemedizin bestimmt auch einer der zukunftsorientiertesten Professionen in der schier unendlich scheinenden Liste der Berufe", ist sich Berndt sicher.

Die Stimmung an diesem Gesellschaftsabend gibt ihm jedenfalls recht. Die Kongressteilnehmer hatten nicht nur Freude am üppigen Spargelbuffet und inspirierenden Gesprächen mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Nach dem gemütlichen Beisammensein bei Speis und Trank war Bewegung angesagt und das erstmalig angebotene Tanz-Event in der Bar mit Discjockey wurde freudig genutzt.



Autorin:
Dr. med. Vera Seifert

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (11) Seite 52-54