Ein Erwachsener lacht laut verschiedener Studien meist höchstens vier bis sechsmal täglich, Kinder dagegen ca. 300- bis 400-mal. Dabei hat Lachen viele salutogenetische Aspekte: Es stärkt die Herzgesundheit und aktiviert den Stoffwechsel, reduziert Stress- auswirkungen und verhilft zu einer positiven Lebenseinstellung. Regelmäßiges lautes Lachen aus dem Bauchraum, wie es beim Lachyoga praktiziert wird, ist eine einfache präventive Investition in die Gesundheit, meint die Lachyoga-Trainerin Kerstin Klein-Peters.

Als "Vater der Gelotologie", der Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens, begann Dr. William F. Fry, Psychiater an der Stanford Universität in Kalifornien, Ende der 60er-Jahre die körperlichen Reaktionen und Effekte auf die wichtigsten Systeme unseres Körpers zu erforschen, und wies in Studien nach, dass 20 Sekunden herzhaftes Lachen die Herzfrequenz während 3 bis 5 Minuten verdoppeln kann. Lachen als körperliche Übung verringert aufgrund der stakkatoartigen Ausatmung die Wahrscheinlichkeit, an Atemwegsinfekten zu erkranken, und Fry belegte, dass dabei Endorphine ausgeschüttet werden, die als natürliche Schmerzstiller fungieren.

Wahrscheinlich kennen viele Leser den berührenden Film "Patch Adams" mit dem großartigen Robin Williams in der Hauptrolle. Dem Film liegt die Lebensgeschichte von Dr. Hunter (Patch) Adams zugrunde, der heute um die Welt reist und Kranken ganz spezielle Hausbesuche abstattet, bei denen er sich auf sehr besondere Art und Weise den Patienten widmet: nämlich mit Humor als Therapie. Er inspiriert dazu, mehr Lachen und Humor in die Krankenhäuser, Kliniken, Pflegeheime oder Hospize zu bringen, und hat die Klinik-Clowns ins Leben gerufen.

Die Geburtsstunde des Lachyoga schlug in Indien

Im März 1995 recherchierte der indische Arzt Dr. Madan Kataria einen Artikel zum Thema "Lachen – die beste Medizin" für eine Fachzeitschrift. Er stieß dabei auf Forschungsresultate, die beeindruckende Effekte des Lachens auswiesen. Aus seiner Begeisterung heraus beschloss er, einen "Lachclub" als morgendliches Gesundheitsritual in einem öffentlichen Park in Mumbai ins Leben zu rufen. Mit vier Teilnehmern startete er und schon nach wenigen Tagen trafen sich mehr als 50 Menschen. Doch Innerhalb eines Monats kamen immer weniger Leute, denn es waren die guten Witze ausgegangen. Eine Lösung musste her! Und diese hatte er bereits in seinen Recherchen gefunden, nur noch nicht realisiert. Der Körper kann nicht zwischen echtem und gespieltem Lachen unterscheiden. In beiden Fällen sind die körperlichen Auswirkungen gleich: Endorphine werden ausgeschüttet, die Herzfrequenz steigt, es kommt zu einer verstärkten Ausatmung, die die Sauerstoffversorgung der Zellen erhöht.

Mit dieser Theorie versuchte er die letzten verbliebenen Teilnehmer seiner Lachgruppe zu motivieren und bat sie, eine Minute lang das Lachen zu imitieren. Betretenes Schweigen, aber der eine oder andere probierte es aus, und es funktioniert: Aus dem gespielten Lachen wurde schnell ein echtes, das einen enormen Ansteckungsfaktor hatte. Dieses erste Lachexperiment hat ca. 10 Minuten gedauert. Die Spiegelneuronen haben einen guten Job gemacht und fungierten als Zündfunken. Das war die Geburtsstunde des "Lachyoga".

Lachen als Gesundheitsressource

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Lachens sind in der näheren Vergangenheit mehrfach in Studien belegt worden. So fanden Sakuragi et al. (2001) Hinweise, dass Lachen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert. Keiko et al. (2003) berichten über positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel. Beckman et al. (2007) beschreiben positive Auswirkungen eines gezielten Lachtrainings durch Lachyoga auf das Selbstwertgefühl von vorwiegend weiblichen Teilnehmern. Murrock et al. (2009) erläutern den Einfluss von Lachyoga bei depressiven älteren Frauen. Im gleichen Jahr erbringen Awada et al. den Nachweis, dass Lachen bei Rehabilitation nach einem Schlaganfall positive Effekte hervorruft. 2012 dokumentieren Krebs et al. eine positive Beeinflussung von Blutdruck, Herzfrequenz, peripherer Sauerstoffversorgung und allgemeinem Wohlbefinden durch regelmäßiges Yoga-Lachen, und Cokolic et al. belegen einen inhibitorischen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel von Typ-2-Diabetikern.

Diese Beispiele erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und sind nur als Hinweis auf die sich entwickelnde Forschung auf dem Gebiet der Gelotologie gemeint.

Lachen – eine Übung für Körper und Geist

Lachen ist also scheinbar wirklich gesund! Und ist doch so schwer im Alltag umzusetzen. Häufig höre ich, wie wahrscheinlich auch Sie in Ihrer Praxis, "ich habe nichts zu lachen in meinem Leben" oder "ich lache doch nicht in einer Gruppe und schon gar nicht auf Kommando" oder "für solchen esoterischen Kram vergeude ich weder Zeit noch Geld". Ihre Patienten brauchen mehr Information über die präventive Wirkung des Lachens. Die Benefits sind in wenigen Worten zusammengefasst (siehe nächste Seite). Die fühlbaren Resultate von regelmäßig praktiziertem Lachen im Alltag sind beeindruckend: von einem entspannenden Effekt im Umgang mit herausfordernden Situationen, der zeitweisen Schmerzminimierung (wer lacht, kann keine Schmerzen empfinden), über die regulierbare Verfügbarkeit einer Extraportion Sauerstoff bis hin zur Optimierung der eigenen Ausstrahlung und Selbstwirksamkeit. Zusammengefasst hat Lachen einen positiven Einfluss auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene. Im Augenblick der Übungen werden bestehende alltägliche Muster mit positiven Emotionen verknüpft.

Stress, egal ob real existent, empfunden oder eingebildet, macht dem Körper zu schaffen. Andauernde Erschöpfungszustände, unkonkrete physische Reaktionen oder Einschränkungen sind nicht selten die Folge. Ein Lachyoga-Kurs über einen fixierten Zeitraum wäre ein alternativer Ansatz: Lachen im geschützten Raum für mindestens 10 bis 15 Minuten, mit fachlicher Anleitung und Motivation, ohne Blamage zu fürchten, tief aus dem Bauch heraus und unter bewusster Einbeziehung des Zwerchfells. Optimal wäre eine Dauer von ca. sechs Wochen mindestens einmal wöchentlich, um neue neuronale Erregungsmuster zu bilden.

Jede Lachübung hat einen Namen, der sich im Alltag in unserem Wissensnetz antriggern lässt und eine emotionale Reaktion hervorruft und damit verfügbar wird. So auch bei einer Teilnehmerin, die täglich etwa fünf Minuten für ihre Gesundheitsprophylaxe investiert. Immer wenn sie im Auto unterwegs ist und die Ampel Rot zeigt, lacht sie bis zur nächsten Grünphase. Die neugierigen Blicke aus den Autos nebenan amüsieren sie und motivieren zu noch mehr lachen. "Dem Affen Zucker geben", nannte sie es. Ich nenne es, sein eigener Feelgood-Manager zu werden.

Haben Sie heute schon gelacht?

Nutzen von Lachyoga
Atmung: Durch verlängerte Ausatmung verbessert sich die Lungenfunktion, bei regelmäßigem Training lässt sich die Lungenkapazität steigern.

Stoffwechsel:Mindestens 15 Minuten lachen erhöht den Energieverbrauch leicht, Prophylaxe-Möglichkeit bei Adipostias, Abschwächung des postprandialen Anstiegs des Blutzuckerspiegels bei Diabetes.

Herz-Kreislauf-System:Die endotheliale Funktion wird verbessert und damit das Risiko für einen Herzinfarkt gesenkt.

Muskulatur:Während des Lachens werden 17 Gesichtsmuskeln trainiert, es erfolgt eine Stärkung und damit positive Beeinflussung der Ausstrahlung. Im Körper bewirkt stärkere Bewegung des Zwerchfells eine Aktivierung der umliegenden Muskulatur bzw. Organe.

Gehirn:Der Botenstoff Dopamin wird im Belohnungszentrum vermehrt ausgeschüttet, Endorphine werden aktiviert, Stresshormone abgebaut, eine Schmerzreduktion ist möglich.

Psychische Reaktionen: Lachen entlastet von Ängsten, Stress, Anspannung, Umgang mit Schicksalsschlägen.

Soziale Komponente:Lachen ist ein „Türöffner“ im Alltag, es erleichtert den Aufbau sozialer Bindungen, maximiert die eigene Selbstwirksamkeit.



Autorin:

Kerstin Klein-Peters

ist Lachyoga-Trainerin, Feelgood-Creator & Kompetenztrainerin im Bereich Stressprävention und Unternehmenscoaching ( http://www.klein-peters.de ). Zu ihren Kunden zählen kleine und mittelständische Unternehmen, die sie mit zielorientierter Hilfe bei Störungen der internen Kommunikation unterstützt, unter anderem auch in Arztpraxen, ebenso wie Projektgruppen im betrieblichen Gesundheitsmanagement und verschiedene Selbsthilfegruppen und Teams, in denen sie mit Lachyoga als Präventionsmittel arbeitet

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (7) Seite 84-86