Es ist schon manchmal erstaunlich, welche Sorgen Menschen vor einem Arztbesuch umtreiben. Zu den Klassikern gehören vermutlich die Gedanken: "Hoffentlich komme ich schnell dran", "hoffentlich findet er nix Ernstes", "hoffentlich vergesse ich keine wichtige Frage", oder bei ängstlichen Menschen "hoffentlich tut es nicht weh." Die folgende Sorge, die an unsere Redaktion von einer Patientin herangetragen wurde, würde ich dagegen eher für ausgefallen halten. Aber möglicherweise hängt von der Lösung ihres Anliegens ab, ob sie die Praxis überhaupt betreten wird.

"Ich habe folgendes Problem und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll", schreibt die Dame. "Ich würde gerne meinen Hund mitnehmen in die Arztpraxis zum Rezeptabholen, welches ich zuvor telefonisch bestellt habe. Ich brauche nur in den Anmeldebereich der Rezeption und der Hund kommt nicht mit ins Wartezimmer oder Sprechzimmer und hat keinerlei Kontakt zu den Arzthelferinnen. Das Rezept oder andere Unterlagen werden nur über die Theke gereicht. Sollte ich etwas warten müssen, würde ich erst mal wieder rausgehen, um keinen zu stören. Draußen gibt es keine Möglichkeit, den Hund anzubinden. Darf ich in diesem Fall den Hund mitnehmen oder kann der Arzt mir das verbieten? Zu dem Hund muss ich noch sagen, dass es ein Allergikerhund ist, weil mein Mann keine Hundehaare verträgt. Das heißt, er verliert keine Haare, ist geimpft, gepflegt und wird regelmäßig entwurmt. Über eine Erklärung, was erlaubt und verboten ist, würde ich mich sehr freuen."

Offenbar ist die Begleitung durch ihren vierbeinigen Freund der Patientin so wichtig, dass ein "Hundeverbot" eine unüberwindbare Hürde für einen Arztbesuch darstellen könnte. Auf die Idee, das Problem einfach mal mit ihrem Arzt zu besprechen und mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden – das habe ich ihr ans Herz gelegt – , ist sie wohl noch nicht gekommen. Sie wollte eine juristische Absicherung, damit sie dann auf
ihr Recht pochen kann.

Ich bin keine Juristin und ich bin auch nicht sicher, ob ein grundsätzliches Verbot von Hunden in einer Arztpraxis gerechtfertigt oder gar unbedingt geboten ist. Ich würde aber annehmen, dass jeder Praxisinhaber diese Entscheidung für sich selbst treffen kann. Schließlich hat er das Hausrecht und darf entscheiden, wem er die Tür öffnet und wem nicht. Das gilt ja sogar für zweibeinige Zeitgenossen, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt.

Oder liege ich da falsch? Hatten Sie auch schon dieses Problem und wie sind Sie damit umgegangen? Egal, ob das geliebte Haustier nun draußen bleiben muss oder rein darf. Wie so oft gilt auch hier sicher der Grundsatz: Freundliches Miteinanderreden, Mitgefühl und das gemeinsame Suchen nach einer Einigung führen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Lösung, meint


© Hüter
Vera Seifert, Redaktion Der Allgemeinarzt


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (10) Seite 24