Die COVID-19-Pandemie hat die Welt bedrohlich fest im Griff. Daneben erlaubt sie aber auch bedenkenswerte Einblicke in die Verhaltenspsychologie unserer Zeitgenossen und hat in diesem Rahmen ein neues Krankheitsbild generiert: den Pavor chartae purgatoriae absentis, die irrationale Furcht vor einer Verknappung von Toilettenpapier {ICD 10 F40.01}. Auch wenn einem als Hausarzt Allzumenschliches jeglicher Couleur nicht fremd ist, muss man doch staunen, zu welch fulminant-hysterischen, ja panischen Auswüchsen diese Phobie führt und eine banale Alltagsware zu Spitzenumsätzen ("Gold von der Rolle") katapultiert hat.

Da lohnt sich doch ein kurzer historischer Rückblick: Noch vor zwei Jahrhunderten griff der Mitteleuropäer post factum entschlossen zu Moos, Gras oder Stroh. Erst seit Papier zum preiswerten und industriell gefertigten Massenprodukt wurde, eroberte es den Abtritt. Die Kombination Plumpsklo plus altes Zeitungspapier zog eigene Lese- und Hygienegewohnheiten nach sich. Ich sehe noch heute meinen Großvater, einen pensionierten Pfarrer, wie er an freien Tagen die sorgsam gesammelte Tageszeitung akribisch faltete, um sie mit dem Taschenmesser in gebrauchsfertige, handliche Stücke zu zerschneiden.


Rieser Nachrichten vom 12. 03. 2020.

Gemäß der Weisung unserer Kanzlerin (Abbildung) kann eine Renaissance dieses Handelns aus ärztlicher Sicht nur bedingt empfohlen werden. So kannte ich einen alten Landwirt, der seine proktologische Hygiene bis in die Jetztzeit hinein so betrieben hat, dann aber unter einem stark juckenden Analekzem zu leiden begann. Durch den intensiven körperlichen Kontakt hatte er sich über die Jahre gegen die Druckfarbe sensibilisiert.

Als Alternative zum weichen Tissuepapier kann man als fürsorglicher Hausarzt dem ratsuchenden Patienten andere Möglichkeiten mit längerfristiger Perspektive anbieten. Neben dem klassischen, langfristig verwendbaren und umweltverträglichen Frotteewaschlappen gibt es auf dem Pflegeartikelmarkt das quasi tragbare Bidet. Waschen statt Wischen heißt die alternative deutsche Welle der kaudalen Darmpflege. Mit der Gesäßdusche "Happy Po" ist die Feuchtreinigung immer und überall problemlos möglich und auch in den Augen von Proktologen wesentlich sinnvoller. So sind Mann und Frau hygienisch bestens aufgestellt, selbst wenn bei echten Krisen so manches in die Hose gehen sollte.


Dies meint Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (7) Seite 79