Bald kommt Ostern und mit diesem Fest eine immense Nahrungsmittelbedrohung für unsere Patienten. Die Rede ist vom Osterei, dem vom Huhn produzierten selbstverständlich.

Nervenschäden, septische Arthritiden, Endokarditis, Meningitis, Perikarditis, Langzeitschäden an Herz und Gefäßen und – last but not least – eine Gehörschädigung stellen nur eine zufällige und spontane Auswahl der vom Ei verursachten Erkrankungen dar. Um besorgten Patienten in dieser schwierigen Zeit Rede und Antwort stehen zu können, hier einige Hinweise zur komplexen Problematik beim Erwerb und Verzehr dieser traditionellen Osterleckerei:

Es fängt schon beim Kauf dieses Lebensmittels an. Spätestens seit Mitte 2017 publik wurde, dass Millionen Fipronil-belasteter Gifteier in Deutschland gehandelt werden, gingen selbst dem naivsten Eierkonsumenten die Augen auf beim Eierkauf. Nicht Panik, sondern strategisches Vorgehen ist angesagt. Anhand der Packungsprüfnummer lässt sich noch vor der Lagerung im Kühlschrank via Smartphone ( http://www.lebensmittelwarnung.de ) sekundenschnell kontrollieren, ob man Eier mit dem nervenschädigenden Fipronilzusatz erworben hat.

Dann ist entschlossenes Handeln ein Muss: sofortige Entsorgung über die Restmülltonne, eine Schädigung der Nerven ist abgewendet. Ein versehentlicher Verzehr bringt den Menschen allerdings auch nicht auf der Stelle um. Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) stellten nämlich fest, dass ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht sieben Eier innerhalb von 24 Stunden essen kann, ohne den kritischen Grenzwert einer Fipronilvergiftung zu überschreiten.

Dieser Eiervöllerei steht allerdings die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) entgegen, denn sie empfiehlt mit Rücksicht auf die jahrzehntelange kon-troverse Cholesterindiskussion einen rigiden Umgang mit der Cholesterin- und Eiweißbombe: Maximal drei Eier pro Woche sind erlaubt, verarbeitete Eier inklusive.

Doch das sind nur die Gefahren aus dem Innenleben des Eis. Von außen drohen die auf der Schale lauernden Salmonellen, um bei Kontakt mit dem menschlichen Organismus dem leichtfertigen User über Wochen oder gar jahrelang zu demonstrieren, wie beleidigt von ihnen geschädigte Organe reagieren können.

Last but not least addiert sich zu alledem eine neue, beachtenswerte Dimension in der Zubereitung des Ostereis. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist einem Restaurantgast nämlich ein hart gekochtes und in der Mikrowelle erneut erhitztes Ei mit einem derart lauten Knall im Mund explodiert, dass er einen justitiablen Hörschaden davontrug. Renommierte Akustikexperten haben nun herausgefunden, dass bei der Wiederaufbereitung bereits hart gekochter, geschälter Eier in der Mikrowelle jedes dritte mit einer Schalldruckspitze von bis zu 133 Dezibel explodierte, wenn man voller Gier hineinbiss. Hochkomplexe physikalische Vorgänge scheinen da eine Rolle zu spielen. Nun gut, das Leben ist halt gefährlich und deshalb sollten Sie psychisch unbelastet an Ostern Ihr Frühstücksei köpfen. Eine alte Tradition ist nämlich auch was wert, guten Appetit ...



wünscht Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (5) Seite 84