Es gibt Tage, an denen Dinge einfach nicht so funktionieren, wie sie funktionieren sollten. Menschen, die sich gerne gebildet geben, erwähnen dann gewöhnlich E. A. Murphys Gesetz. Diesem amerikanischen Ingenieur haben wir zu verdanken, dass eine banale und alltagspraktische Lebenserfahrung zitierfähig ausformuliert wurde: "Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen."

Doch wie kommt es, dass sich an einem einzigen Tag die Katastrophen häufen können? Die Erklärung dafür ist einfach: Es ist ein Monatsdreizehnter, was durch die Verschmelzung mit einem Freitag noch getoppt werden kann. Mir ist so ein Oktoberfreitag vor drei Jahren in lebhafter Erinnerung geblieben. Es war frisch und regnete, die Erkältungswelle begann zu rollen. Prompt erwischte es meinen Praxispartner und eine meiner Vollkräfte, die sich zeitgleich mit Beginn der Sprechstunde krankmeldeten.

Eher missmutig gelaunt begann ich mit meiner Arbeit, als mir wenig später von einer Mitarbeiterin eröffnet wurde, dass im Praxiskeller die Heizung lecke, keine Wärme mehr entwickle und der Raum langsam zum Tümpel werde. Kaum war der Installateur für seinen Notfalleinsatz eingetroffen, musste ich mich ganz akut um einen Patienten kümmern, der sich mit einer massiven Analblutung gerade noch so in die Praxis geschleppt hatte.

Das Problem war mit Mühe gelöst, als ich vom Altenheim alarmiert wurde, weil ein fast Hundertjähriger mit eingeschränkten Lebenszeichen aufgefunden worden war. So war es schon beinahe Mittag, als ich zermürbt und gereizt mit meiner eigentlichen Arbeit fortfahren konnte, die noch drei Dutzend schniefende Erkältungsopfer umfassen sollte.

Reichlich genervt bemerkte ich dann gegen Abend, dass sich ausgerechnet mein Lieblingskugelschreiber mit graviertem Namenszug unauffindbar verabschiedet hatte. Das war zu viel für meinen pedantischen Charakter, grand malheur! Sofort hätte ich jeden Eid geschworen, dass das schlechte Omen eines monatsdreizehnten Freitags doch kein Aberglaube sei.

Allein bin ich mit dieser Meinung nicht, die sich im Übrigen aus der christlichen Mythologie ableitet und bei uns Medizinern einen schönen, nachgriechischen und unaussprechlichen Namen hat: die Paraskavedekatriaphobie (ICD 10: F40.2). Erschwerend kommt dazu, dass die Monatsdreizehnten am häufigsten auf einen Freitag fallen, etwa alle dreißig Wochen.

Für mich nahm der vermeintliche Unglückstag dann doch noch eine glückliche Wendung, weil sich mein favorisiertes Schreibgerät wiederfand. Rein zufällig sah ich den vermissten Schreiberling beim Herunterfahren des Computers auf dem Rechner liegen. Da war dann wohl ein weiteres Gesetz von Murphy eingetreten: "Das, was du suchst, findest du immer an dem Platz, an dem du zuletzt nachschaust." Stimmt exakt, und das mit dem Monatsdreizehnten werde ich noch einmal überdenken. Aber dafür gibt es in diesem Jahr ja noch zwei gefährliche Freitage: den 13. März und den 13. November.


Dies meint Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (1) Seite 73