Dr. Google weiß viel, aber eines kann er nicht: den Patienten dort abholen, wo er steht. Das ist hausärztliche Kompetenz, aus jahrelangem Kontakt erwachsen. Trotzdem geht es nicht ohne Taktik und Didaktik, denn Vieles lässt sich mit einem vertrauten Bild oder Vorgang einfacher erklären als mit gestelzten Fachbegriffen.

So stand kürzlich ein etwa 70-jähriger Rentner vor mir, der mehrere Hochdruckmittel nehmen muss und deswegen regelmäßig seinen Blutdruck zu Hause misst. Das tat er sehr gewissenhaft, doch eines Tages offenbarten sich doch überraschende Wissenslücken: Welche der drei Zahlen auf seinem Gerätedisplay eigentlich die wichtigste sei, wollte er wissen, und wie diese Werte zusammenhingen. Sollte ich nun zu einer langatmigen, physiologisch-anatomischen Eloge anheben? Mitten in einer brechend vollen Sprechstunde?

Da kam mir blitzartig die entscheidende Idee: Mein Patient war früher Heizungsinstallateur und so bekam das Gespräch den grundlegenden Dreh. Vor dem Hintergrund des vertrauten Berufswissens setzte ich Herzaktion und Heizungspumpe, Gefäße und Heizrohre, Gehirn und Heizkörper in eine vergleichbare Funktionskette und sofort war dem erfahrenen Handwerker klar, wie er seine Messwerte zu bewerten habe. Allerdings musste ich ihm noch beibringen, dass die Verkalkung seiner Gefäße im Unterschied zu seinen Heizungsrohren nicht vom Härtegrad unseres Trinkwassers, sondern von seinem unveränderten Zigarettenkonsum herrühre. Dann war es wie bei allen anderen Rauchern: Rate ich zur Enthaltsamkeit vom geliebten Suchtstoff, wird sofort die damit verbundene Gewichtszunahme thematisiert.

In diesem Fall greife ich dann zu einem Vergleich mit dem Lieblingsspielzeug des Deutschen. Was passiert, so frage ich in der Regel, bei einem Auto, dessen Leerlauf zu hoch eingestellt ist. Meist kommt dann wie aus der Pistole geschossen: der Spritverbrauch nimmt zu. Korrekt schließe ich dann: und so ist es auch beim Menschen. Nikotin lässt das Herz hochtouriger laufen, der Körper braucht mehr Energie, verbrennt also mehr Fett. Fällt die Drehzahl ab, weil die Motoreinstellung verändert oder die Zahl der Zigaretten auf null reduziert wird, spart der Körper Energie. Die legt er dann zurück und es kommt "zum Stau am mittleren Ring". Das kommt an und wird verstanden, leider meist ohne Konsequenzen.

Manchmal können Metaphern wegen ihrer Doppelsinnigkeit aber auch missglücken. Noch heute muss ich schmunzelnd an eine Dame denken, die mich nach den Ursachen ihres bakteriell superinfizierten allergischen Ekzems fragte. "Na ja, man kann auch Flöhe und Läuse haben", meinte ich leichtfertig und spielte damit auf zwei denkbare Auslöser an. "Was", so die Frau ganz entsetzt, "diese Viecher soll ich jetzt auch noch haben?" Nach entsprechender Aufklärung hatten wir dann aber Beide etwas zum Lachen und das ist doch auch was Schönes.


Das meint auch Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (16) Seite 121