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Frage: "Nach einem intensiven Blasinstrumentenworkshop über ein Wochenende klagte mein Patient, der lange vorher keine Posaune gespielt hatte, über einen ausgeprägten Lippenherpes genau zentral auf der Oberlippe, an der Stelle, die durch das Mundstück wohl sehr irritiert worden sei. Einen Tag später erhielt er beim Zahnarzt wegen umfangreicher Sanierungsarbeit am Oberkiefer zentral und links 2 – 3 ml Lokalanästhetikum in die Schleimhautfalte des Oberkiefers injiziert. Die Oberlippe war samt linkem Nasenflügel ca. 2 Stunden taub und wie von Zauberhand war danach der Lippenherpes fast vollständig verschwunden. Er verursachte keine Beschwerden mehr und war mit winziger Verkrustung abgeheilt. Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse über Herpes-labialis-Therapie mittels N. Maxillarisast-Blockade?"

Antwort: Seit Jahrzehnten werden Lokalanästhetika in Form von Salben und Gels zur symptomatischen Behandlung des Herpes labialis angewandt. Therapieziel ist dabei primär die Schmerzlinderung.

Neben der anästhesierenden Wirkung haben Lokalanästhetika allerdings auch einen entzündungshemmenden Effekt. Dieser kann die schnelle Abheilung der Herpesläsion durch die applizierte Lokalanästhesie durchaus erklären.

Studien zur Therapie des Herpes labialis mittels Infiltrationsanästhesie existieren nicht.


Literatur:
1) Cassuto J, Sinclair R, Bonderovic M: Anti-inflammatory properties of local anesthetics and their present and potential clinical implications. Acta Anaesthesiol Scand. 2006 Mar; 50 (3): 265‒82.
2) Worrall G:Herpes labialis. BMJ Clin Evid. 2009 Sep 23



Autor:

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Dr. med. Andreas Leischker

Facharzt für Innere Medizin – Reisemedizin (DTG), Flugmedizinischer Sachverständiger, Gelbfieberimpfstation
Alexianer Krefeld GmbH
47918 Krefeld

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (4) Seite x-x