Sie möchten sich eine (neue) Hausbesuchs- oder Notfalltasche anschaffen? Da hat der Markt einiges zu bieten. Was ist wichtig? Es sollte alles reinpassen, andererseits soll die Tasche auch nicht zu schwer sein. Ein klares Ordnungsprinzip ist elementar, damit unter Zeitdruck nicht zu lange gesucht werden muss. Tipps für die Ausstattung und den Inhalt der Tasche gab Hausarzt Dr. med. Torben Brückner auf der letzten practica 2018.

Eine Hausbesuchstasche ist häufig im Einsatz und hat demzufolge in der Regel eine kurze Lebensdauer. Das gilt auch für die teuren Modelle. Dr. Brückner, niedergelassener Allgemeinarzt aus Schwalbach, empfahl daher, lieber etwas weniger auszugeben und sich dafür öfter mal eine neue Tasche zu gönnen. Prinzipiell hat man die Wahl zwischen einer Tasche, einem Koffer und einem Rucksack.

Tasche, Koffer oder Rucksack?

Bei der Tasche gibt es zum einen die klassische Ledertasche, zum anderen moderne Versionen aus Kunststoff. Ledertaschen sind zwar schick, aber pflegeintensiv und verschleißen schnell, außerdem sind sie recht teuer (ca. 400 Euro). Brückner empfiehlt die weniger attraktiven, dafür aber sehr robusten und weitaus preiswerteren (ca. 80 Euro) Taschen aus LKW-Plane und Schulterriemen. Wichtig ist ein großer Öffnungsbereich, damit auch tiefere Lagen gut sichtbar und schnell zugänglich sind, Außentaschen oder Reißverschlüsse sind praktisch. Bei einer Hausbesuchstasche zählt jeder Zentimeter, sie sollte nicht zu klein sein. Infusionsflaschen sollten senkrecht stehen können.

Ein Koffer zum Aufklappen ist sehr robust und bietet einen guten Überblick. Allerdings ist er oft relativ schwer, was bei Treppenhäusern ohne Aufzug unangenehm sein kann. Ein Schultergurt fehlt meist, Trolley-Versionen sind aber manchmal verfügbar. Eine Hochlagerung von Infusionsflaschen etc. ist kaum möglich. Außerdem kippt ein unbefestigter Koffer im Kofferraum gerne mal um. Für Ampullen ist der aufklappbare Koffer zwar sehr praktisch, ansonsten passt aber nicht so viel rein.

Übersicht 1: Vorschlagsliste für die Befüllung der Hausbesuchstasche
1. Medikamente
  • Verblisterte Medikamente
  • Ibuprofen
  • Paracetamol (Zäpfchen)
  • Metamizol
  • ASS
  • Bisoprolol
  • Prednisolon
  • (Lorazepam)
  • (Morphine)
  • (Laxanzien)

Sprays
  • Nitrospray
  • Salbutamolspray

Ampullen
  • NaCl 0,9 %/Wasser für Injektionsverdünnung
  • Glukose G20
  • ASS
  • Furosemid
  • MCP
  • Dexamethason
  • Prednisolon
  • Antihistaminika
  • Adrenalin
  • Lokalanästhetikum
  • Haldol
  • Diazepam
  • Midazolam
  • Metoprolol
  • (Amiodaron)
  • Metamizol
  • Morphine (z. B. Hydromorphon)

2. Formulare
  • Blanko-Rezepte, BTM-Rezepte, Transport-/Ein-/Überweisungsschein, Leichenschauschein
  • Praxisstempel, Stempelkissen
  • Kugelschreiber

3. Infusion/Blutentnahme/­Injektionen
  • Infusionsflasche (z. B. 250 ml Ringer) plus Halteband
  • Infusionsschlauch
  • Braunüle/Braunülenpflaster
  • Behälter mit Tupfern
  • Desinfektionsspray/Alkoholtupfer
  • Behälter mit Kanülen
  • Einmalspritzen
  • Kleberolle
  • Stauschlauch
  • Butterflys/Blutentnahmeröhrchen
  • Handschuhe
  • Kanülenabwurf
  • Mülltüte

4. Wundversorgung
  • Listerschere
  • Verbandsrolle
  • Wunddistanzgitter
  • Sterile Kompresse
  • Steristrips
  • Einmalskalpell (zum Fädenziehen)/Pinzette
  • (Nahtmaterial)

5. Diagnostik
  • Stethoskop
  • Pupillenleuchte
  • Otoskop (mit Ohrtrichter)
  • Blutdruckmessgerät
  • Blutzuckermessgerät
  • Pulsoxymeter
  • Abstrichröhrchen
  • Zungenspatel
  • (Urinstix)
  • (Vaseline)
  • (Reflexhammer)
  • (Fieberthermometer)

6. Sonstiges
  • Zeckenschlinge
  • Desinfektionsflüssigkeit für die Hände
  • (Kartenlesegerät)
  • (Harnblasenkatheter plus Legeset)

Der Rucksack bietet, was die verfügbaren Größen angeht, einen sehr großen Variationsspielraum. Je nach Modell ist sehr viel Stauraum vorhanden. Allerdings benötigt man zum Aufklappen viel Platz und man braucht einzelne Modultaschen, um den Überblick zu behalten. Praktisch für den Transport sind die Schultergurte und die häufig vorhandenen Reflektoren für den Notfalleinsatz. Hochkantlagerungen sind i. d. R. möglich. Rucksäcke sind zudem meist recht preiswert.

Worauf achten?

Was die Größe und Art der Tasche angeht (vgl. Abb. 1), so sollte man seine individuelle Wahl auch von dem Zweck der Nutzung abhängig machen. Die orange Planentasche wird oft mit "Notarzt" assoziiert, was bei einem Besuch im Pflegeheim schon mal für Irritationen sorgen könnte. Ein großer Koffer benötigt eine ebene Standfläche, wie einen Tisch oder zur Not den Boden. Bei so manchem Hausbesuch in engen Wohnungen könnte das problematisch werden. Ganz wichtig ist das Ordnungssystem, alles sollte seinen festen Platz haben. Dr. Brückner empfiehlt, einen Plan mit Ziffern anzulegen, um das "Aufräumen" nach einem intensiveren Einsatz zu erleichtern. Dicke Ampullarien nehmen in der Tasche viel Platz weg. Bei den Infusionslösungen sollte man sich auf 250-ml-Flaschen beschränken, größere sollte man besser im Kofferraum verstauen und bei Bedarf holen. Urinbecher mit Schraubverschluss können auch als praktische Aufbewahrungsgefäße für Kleinteile benutzt werden. Ein Kamerarucksack, so Brückner, tut es auch – er hat viele Fächer und ist recht preiswert.

Was gehört rein?

Was den Inhalt angeht, so sollte man zwischen Hausbesuchstasche (Übersicht 1) und Notfallkoffer (Übersicht 2) unterscheiden, wobei es natürlich Überschneidungen gibt. Die Bereiche Spray, Ampullen, Infusion/Blutentnahme/Injektionen und Wundversorgung sind für beide Taschen nahezu identisch. Während die Hausbesuchstasche darüber hinaus im Bereich Diagnostik-Materialien besser ausgestattet sein sollte (Zungenspatel, Abstrichröhrchen etc.), ist beim Notfallkoffer der Bereich Reanimation/Luftwegsicherung besonders wichtig. Ansonsten sollen die genannten Tipps nur Anregungen sein, so Dr. Brückner. Natürlich muss letztlich jeder Kollege individuell entscheiden, welche Ausstattung und welche Tasche am besten zu seinen Bedürfnissen passt.

Übersicht 2: Vorschlagsliste für die Befüllung des Praxis-Notfallkoffers
1. Medikamente
  • Sprays
  • Nitrospray
  • Salbutamolspray

Ampullen
  • NaCl 0,9 %/Wasser für Injek­tionsverdünnung
  • Glukose G20
  • ASS
  • Furosemid
  • MCP
  • Prednisolon
  • Antihistaminika
  • Adrenalin 1 mg (mit NaCl 0,9 % 100-ml-Flasche zur Verdünnung bei Allergie)
  • Haldol
  • Diazepam
  • Midazolam
  • Metoprolol
  • (Amiodaron)
  • Metamizol
  • Morphine (z. B. Hydromorphon)

2. Infusion/Blutentnahme/­Injektionen
  • Infusionsflasche (z. B. 500 – 1.000 ml Ringer) plus Halteband
  • Infusionsschlauch
  • Braunüle/Braunülenpflaster
  • Behälter mit Tupfern
  • Desinfektionsspray/Alkoholtupfer
  • Behälter mit Kanülen
  • Einmalspritzen
  • Kleberolle
  • Stauschlauch
  • (Butterflys/Blutentnahme­röhrchen)
  • Handschuhe
  • Kanülenabwurf
  • Mülltüte

3. Wundversorgung
  • Listerschere
  • Verbandsrolle
  • Kleberolle
  • Wunddistanzgitter
  • Sterile Kompressen
  • Aufsaugende Kompressen

4. Diagnostik
  • Stethoskop
  • Pupillenleuchte
  • Blutdruckmessgerät
  • Blutzuckermessgerät
  • Pulsoxymeter

5. Reanimation/Luftwegsicherung
  • Beatmungsmaske (plus Beatmungsbeutel)
  • Guedel- (Oropharyngeal-)Tubus
  • Wendel-(Nasopharyngeal-)­Tubus
  • Larynxtubus in verschiedenen Größen (plus Luftspritze)
  • (Intubationstubus – plus Halteband)
  • Laryngoskop
  • Magill-Zange
  • Defibrillator
  • Sauerstoffflasche
  • (Absaugpumpe)
  • (Notfall-/Kleiderschere)

6. Sonstiges
  • Desinfektionsflüssigkeit für die Hände
  • (Beißkeil)



Autorin:
Dr. med. Vera Seifert



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (4) Seite 18-21