30 oder 50 Euro – die Forderungen nach einem höheren Honorar für den Hausbesuch gehen noch weit auseinander.

Unmissverständlicher hätte die Drohung von Dr. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gleich zu Beginn des Jahres kaum ausfallen können: Wenn die Vergütung für Hausbesuche nicht "deutlich" nach oben korrigiert werde, würden sie perspektivisch auch nicht mehr stattfinden können. Das war wohl ein letzter Warnschuss an die Adresse des GKV-Spitzenverbandes, der eine bessere Vergütung von Hausbesuchen von derzeit 25 Euro (inklusive Fahrpauschale) seit Jahren hartnäckig torpediert. Und dann droht mitunter sogar auch noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung! Mit einem plakativen Vergleich macht Gassen das Dilemma deutlich: "Wenn der Klempner kommt, nimmt er teilweise schon 45 Euro für die Anfahrt. Da hat er die Tasche noch nicht mal ausgepackt."

Immer weniger Hausbesuche

So verwundert es nicht, dass immer weniger Ärzte ihre Tasche für einen Hausbesuch überhaupt noch packen wollen. Im Jahr 2009 fanden noch über 30 Millionen Hausarzt-Visiten bei Patienten statt, 2016 waren es nur noch gut 25 Millionen. Zwar muss dieser deutliche Rückgang um 5 Millionen Hausbesuche etwas relativiert werden, da darin nicht die Anzahl der Hausbesuche enthalten ist, die über die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung erbracht worden sind. Dennoch ist der Trend klar rückläufig.

Dieses Honorar für Hausärzte ist tatsächlich eine Zumutung. Deshalb fordert Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt eine substanzielle Erhöhung, wobei er zu Recht feststellt, dass ein paar Euro nicht ausreichen werden. Genau auf dieser Ebene bewegt sich aber die Forderung der KBV, die sich in Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband für ein Honorar von 30 Euro pro Hausbesuch starkmachen will. 50 Euro plus Wegegeld wären da sicher realistischer.

Telemedizin birgt Potenzial

Doch eine bessere Dotierung wäre nicht der entscheidende Rettungsanker von Hausbesuchen. Dazu bedarf es flächendeckend neuer Strukturen, die in Ansätzen schon vorhanden sind. Etwa über Videosprechstunden, die von manchen Allgemeinärzten bereits erfolgreich eingesetzt werden, die aber künftig finanziell und strukturell deutlich aufgewertet werden müssen.

Gerade für technikaffine junge Hausärzte wäre dies dann eine verlockende Option. Oder durch den verstärkten Einsatz einer VERAH® (oder NäPA) unter Nutzung telemedizinischer Potenziale (Tele-Rucksack), mit denen der Hausarzt via Internet weiter auch persönlich mit im Spiel wäre. Voraussetzung hierfür wäre es aber, dass eine versierte und hochqualifizierte VERAH® auch ihr ganzes Potenzial beim Hausbesuch entfalten kann, wobei nicht nur über Delegation, sondern endlich auch über Substitution von Leistungen nachgedacht werden muss.

Natürlich müsste eine VERAH® hierfür auch ein entsprechend höheres Honorar erhalten, was immer noch längst nicht selbstverständlich ist. Das würde sich sogar auszahlen. Wenn Hausärzte über Videosprechstunde oder Telemedizin künftig einen Großteil ihrer "Hausbesuche" von ihrer Praxis aus bestreiten können, dürften sie in der eingesparten Zeit so viel mehr an Honorar generieren, wie dies mit jedem auch noch so gut dotierten Hausbesuch vor Ort niemals möglich wäre, meint

Ihr Raimund Schmid



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (2) Seite 36