Für Jamaika hat es bekanntlich für die FDP nicht gereicht. Nach ihrem halbherzigen Vorpreschen in Richtung Regierungsbeteiligung warten nun die harten Oppositionsbänke. Dort gehört es auch dazu, Anfragen an die Bundesregierung zu stellen. Das hat die FDP nun beim Thema "Hausarztversorgung auf dem Land" mit einer Kleinen Anfrage auch getan.

Diese hat allerdings nur bedingt Klarheit gebracht. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass im Zeitraum von 2012 bis 2016 die Zahl der Hausärzte auf dem Land um 71 auf jetzt 16.895 gesunken ist. Das ist sicher kein erfreulicher Trend, zumal die Zahl der spezialisierten Fachärzte im gleichen Zeitraum um 250 auf fast 12.000 angewachsen ist. Dennoch wohnen auch heute auf dem Land nur 173.000 Menschen weiter als 10 Kilometer von der nächsten Hausarztpraxis entfernt. Im Vergleich dazu sind es immerhin 2,95 Millionen Menschen, die auf dem Land mehr als 20 Kilometer vom nächsten Krankenhaus entfernt wohnen.

MVZ als Alternative zur Hausarztpraxis?

Ansonsten herrscht aber weithin Unklarheit. So kann die Bundesregierung zum Beispiel nicht die Frage beantworten, wie viele der 2016 vorhandenen 2.490 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in der Stadt oder auf dem Land angesiedelt sind. Da MVZ aber gerade auf dem Land künftig eine Versorgungsalternative zur herkömmlichen Hausarztpraxis darstellen, wäre eine solche differenzierte Aufschlüsselung schon ungemein wichtig. Auch systematische Daten zur Anzahl mobiler Arztpraxen auf dem Land stehen nicht zur Verfügung. Noch schlechter ist es um die Antworten bezüglich der perspektivischen Ärzteversorgung bestellt. Hier beklagt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ja seit langem, dass sich künftig dreimal so viele Fachärzte für Allgemeinmedizin (3.500) gerade auch auf dem Land niederlassen müssten, als dies heute und in absehbarer Zeit der Fall ist. Besonders peinlich: Die FDP hatte danach gar nicht gefragt.

Völlig ratlos lassen einen aber die Antworten zum Ranking der Hausarztversorgung auf dem Land im europäischen Vergleich zurück. So sieht das Gesundheitsministerium Deutschland mit Bezug auf die OECD-Gesundheitsstatistik 2015 mit 1,7 Hausärzten pro 1.000 Einwohner – hinter Portugal (2,4) und Irland (1,9) – auf Platz drei. Laut DEGAM befindet sich Deutschland dagegen 2015 mit 0,66 Hausärzten pro Einwohner europaweit auf dem drittletzten Platz.

Maßnahmen gegen den Nachwuchsmangel?

Was soll man nun damit anfangen? Die entscheidenden Antworten auf die zentralen Fragen sind bei dieser Kleinen Anfrage ausgeblieben. Wenn die FDP aber nun auch in der Opposition etwas vorwärtsbewegen möchte, sollte sie nun hier nachhaken. Vielleicht auch mal mit einer Großen Anfrage, schließlich ist die Thematik für viele Bürger absolut prioritär. Denn eigentlich würden wir alle schon ganz gerne wissen, ob wir bei der Hausarztversorgung auf dem Land nun auf dem dritten oder auf dem drittletzten Platz stehen. Und noch wichtiger wäre es zu wissen, ob wir unabhängig von der aktuellen Platzierung in einigen Jahren angesichts des gravierenden Nachwuchsmangels in der Allgemeinmedizin im Ranking noch weiter abrutschen werden oder ob und wann der Trend gestoppt werden kann, meint Ihr



Autor:

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (6) Seite 28