Bis 2024 werden in Deutschland tausende Hausarztpraxen einen Nachfolger finden müssen. Die junge, jetzt ausgebildete Arztgeneration hat eigene Vorstellungen von Beruf und Familie. Eine erfolgreiche Nachfolgeregelung braucht deshalb gute Vorbereitung.

Die Altersstruktur der Statistischen Informationen der KBV zeigt: Mehr als 10.800 Hausärzte sind zwischen 60 und 65 Jahren, mehr als 8.300 über 65 Jahre (unter "Hausärzte" sind hier die Allgemeinmediziner, die Praktischen Ärzte und die hausärztlich tätigen Internisten gefasst) [1]. Der Großteil von ihnen wird in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis abgeben wollen. Zusätzlich zu den 1.146 neu geschaffenen Hausarztsitzen, die durch Novellierung der Bedarfsplanung entstanden sind, werden in diesem Jahr mindestens 4.000 zu besetzende Stellen im Angebot sein.

Darauf reagieren viele Praxisinhaber mit ernster Miene. Laut einer apoBank-Umfrage vom Herbst 2018 unter den niedergelassenen Ärzten befürchtet mehr als die Hälfte, keinen Nachfolger zu finden. Keine unbegründete Sorge, denn die Zahl der wirtschaftlich selbstständigen Heilberufler ist rückläufig und die Zahl der Angestellten gleichzeitig steigend.

Kind, Kittel und Work-Life-Balance

Hauptargument für den Angestellten-Status ist bei der jüngeren Medizinergeneration die Work-Life-Balance. Gestaltbare Arbeitszeiten, planbarer Urlaub und freie Wochenenden gelten bei vielen als ideale Rahmenbedingungen für die Familienphase. Laut der aktuellen apoBank-Studie "Kind und Kittel" ist gerade den Allgemeinärzten Familienfreundlichkeit für die Berufswahl wichtiger als den Heilberuflern anderer Fachrichtungen.

Tipp: Die Stärken von Praxis und Standort herausstellen
  1. Den Freizeitwert der Region herausarbeiten
  2. Familienverträgliche Arbeitszeiten aufzeigen
  3. Die guten Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg darstellen


Was liegt also näher, als jungen Kollegen zu zeigen, dass Familienfreundlichkeit in der eigenen Praxis funktioniert? Nicht selten bahnt sich die Praxisübernahme während der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin an. Zwei Beispiele aus den Existenzgründer-Referenzen der apoBank (www.existenzgruender.apobank.de) zeigen, wie es gehen könnte: Eineinhalb Jahre arbeitete Dr. Sascha Wohnsland mit seinem älteren Kollegen und Praxisinhaber der bestehenden Praxis für Allgemeinmedizin in Oftersheim zusammen, bevor er dessen Praxis endgültig übernahm. Ein funktionierendes und kollegiales Verhältnis war insbesondere für den bestehenden Patientenstamm vertrauensbildend. Oder auch die Praxisübernahme im ländlichen Teltow, die nach fünf Jahren erfolgreich abgeschlossen wurde. Nach Verabschiedung der ehemaligen Praxisinhaberin in den Ruhestand konnte die Nachfolgerin die Arbeit ohne Unterbrechung und mit bester Patientenbindung weiterführen.

Nur eine kleine Kostprobe von vielen begleiteten erfolgreichen Praxisübergaben. Sie machen deutlich, dass eine erfolgreiche Nachfolgeregelung gute Vorbereitung braucht.

Urbanisierungstrend bedenken

Die Analysen der apoBank zu hausärztlichen Existenzgründungen zeigen in puncto Stadt-Land-Gefälle ein interessantes Bild. Zwar ist der Trend zur Großstadt bei älteren Allgemeinmedizinern ungebrochen, aber der Anteil der Ärzte bis 35 Jahre, die sich in ländlichen Gebieten niedergelassen haben, steigt seit einiger Zeit wieder deutlich. In "Kind und Kittel", der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Heilberuf, zeigt die apoBank, dass sich Heilberufler sehr bewusst das Arbeits- und Lebensumfeld aussuchen.

Tipp: Der Zeitplan ist entscheidend
Erfolgreiche Praxisabgaben beginnen bis zu fünf Jahre vor dem eigentlichen Termin der Übergabe. Das ist die richtige Zeitspanne, in der ein Nachfolger als angestellter Arzt mit den Abläufen der Praxis vertraut gemacht werden kann. Fristen, die bei der Bedarfsplanung in gesperrten Planungsbereichen entstehen, können mit ausreichender Vorbereitungszeit eingehalten werden.

Der Standort muss mit seiner Infrastruktur und den Arbeits- und Lebensbedingungen zum Lebensentwurf passen, dann ist er attraktiv. Aber die Entscheidung fällt nicht unmittelbar. 59 % der Praxisabgeber in ländlichen Regionen gaben an, länger als ein Jahr nach einem Nachfolger gesucht zu haben.

Respekt vor dem organisatorischen Aufwand

Das Thema Praxisabgabe, verknüpft mit vielen Detailfragen, einzuhaltenden Fristen und kniffligen Vertragswerken, lädt nicht jeden gleichermaßen ein, sich dieser Aufgabe mit Schwung und Hinwendung zu widmen. Etwa 35 % der befragten Heilberufler erwarten einen großen Organisationsaufwand bei der Praxisabgabe. Das ist verständlich, denn eine Unternehmensnachfolge ist vielschichtig und dauert oft mehrere Jahre. Viele Detailfragen müssen mit Expertenhilfe geklärt werden. Das betrifft insbesondere die rechtlichen und steuerlichen Regelungen sowie die finanzwirtschaftlichen Lösungsmöglichkeiten. Die einmal gefällte Entscheidung hat maßgeblichen Einfluss auf den sich anschließenden Lebensstandard und die Lebenssituation.

Deshalb wünschen sich 60 % aller Befragten eine enge persönliche Beratung oder möchten sich bei der Abwicklung weitestgehend auf Experten verlassen. Ein gut funktionierendes Partnernetzwerk, wie das, das die apoBank im Laufe der Jahre für ihre Kunden aufgebaut hat, kann unterstützen. Spezialisten, die gut zusammenarbeiten, die Materie der Praxisabgabe aus dem Effeff kennen, dabei immer ein gewinnbringendes und nachhaltiges Ergebnis im Auge behalten, bringen dem Abgeber Sicherheit und eine gute Entscheidungsgrundlage.

Praxiswert nicht unter Zeitdruck festlegen

Fast die Hälfte (44 %) der befragten Ärzte, die zum Ende ihrer Arbeitszeit einen Verkauf der eigenen Praxis planen, haben den Verkaufserlös als festen Bestandteil ihrer Altersvorsorge eingeplant. Verläuft die Praxisabgabe aber unter Zeitdruck und unterbleiben deshalb wertsteigernde Investitionen, hat das massive Auswirkungen auf die Altersvorsorge der Abgeber. Ein geringerer Verkaufserlös reduziert das anteilige Kapital für den Ruhestand und wirft später eine Deckungslücke auf. Um den Praxiswert seriös zu ermitteln, sollten deshalb alle marktrelevanten Faktoren berücksichtigt werden. Alle betriebswirtschaftlichen Größen zusammen betrachtet, und nicht nur Umsätze und Kosten, helfen zu erkennen, wo die Praxis im Vergleich zu anderen steht. Damit eröffnet man sich rechtzeitig Handlungsspielräume.

Tipp: Alle betriebswirtschaftlichen Reserven der Praxis werterhöhend aktivieren
  1. Praxiswert-Schätzung einholen
  2. Optimierungspotenzial erkennen
  3. Notwendige, wertsteigernde Investitionsvorhaben prüfen und umsetzen


Wie anfangen?

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt – auch die Reise durch die Praxisabgabe. Aber was ist der wirklich erste Schritt, um sich in Bewegung zu setzen und tatsächlich unterwegs zu sein? Die Teilnahme an einer Fachveranstaltung ausschließlich zum Thema Abgabe kann ein solcher Auftakt sein. Hier trifft man auf Experten, hier kann man Fragen stellen und hier erhält man den nötigen Überblick. Mehr unter: www.apobank.de/seminare/selbstaendige.html


Quellen
1. Stat. Informationen, Kassenärztliche Bundesvereinigung, 31.12.2018



Autor:
Hartmut Paland
Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Leiter Marktgebiet Süd

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (18) Seite 75-78