Beobachtet man die Börse über mehrere Jahrzehnte, so stellt man fest, dass nur wenige Anleger Erfolg an der Börse haben. Womit hängt das zusammen? Verhaltensökonomen stellten fest, welche Fallen uns das Gehirn beim Thema Geldanlage stellt.

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1. Fehler: Selbstüberschätzung

Sie führt zu häufigen Fehlern bei der Geldanlage. Die meisten Privatanleger meinen, die Märkte besser einschätzen zu können als der Durchschnitt. Hier sind es vor allem Männer, die in die Falle laufen. Sie schichten ihr Depot 1,5-mal so häufig um wie Frauen. Das Ergebnis ihrer hektischen Aktivitäten: hohe Kosten und häufiges Setzen auf die falschen Pferde.

2. Fehler: Der sogenannte Anker-Effekt

Der Anker-Effekt führt zu Trugschlüssen und überstürztem Handeln. Hierzu ein Beispiel: Der Anleger hat für 100 € eine Aktie gekauft, die sich in den folgenden Jahren zwischen 100 und 120 € bewegt. Im Kopf des Anlegers verankert sich, dies sei der reguläre Preis. Bricht der Kurs nun nach oben aus, sieht er die Aktie als überbewertet an und verkauft sie – womöglich überstürzt. Damit verpasst er u. U. einen zusätzlichen Gewinn, da dies evtl. auch der Start zu einem langfristigen Aufwärtstrend gewesen sein könnte.

3. Fehler: Verfügbarkeitsillusion

Auch sie kann zu Fehlentscheidungen führen. Anleger schätzen Wertpapiere als chancenreicher und weniger riskant ein als gleichwertige Wertpapiere, über die sie weniger wissen.

So ziehen Anleger z. B. die Aktie der Allianz-Versicherung der französischen Konkurrenzfirma AXA vor. Bei den französischen Anlegern ist das genaue Gegenteil der Fall. So war etwa viele Jahre die bei allen bekannte Deutsche Bank eine sozusagen "sichere Bank". Wie schnell sich dies ändern kann, zeigen die Kurseinbrüche. Wichtig ist es daher, die Qualität einer Anlage systematisch mit weniger bekannten Alternativen zu vergleichen.

4. Fehler: Verlustaversion

Die Anleger gewichten Verluste höher als Gewinne. Festgestellt wurde durch Umfragen, dass ein Gewinn im Schnitt doppelt so hoch sein muss, um einen Verlust aufzuwiegen.

In Deutschland ist die Verlustaversion stark ausgeprägt. Daher werden die Kapitalmärkte grundsätzlich kritisch betrachtet, obwohl sie langfristig höhere Renditen abwerfen als viele andere Anlagen. Nur jeder zehnte Deutsche besitzt Aktien oder Aktienfonds. Diese Einstellung ist natürlich von der Renditeseite her gesehen schlecht. Das mittlere Haushaltsvermögen der Deutschen liegt hinter Ländern wie Griechenland, Slowenien oder Portugal.

Wertschwankungen gehören zum Kapitalmarkt. Langfristig lässt sich Vermögen nur durch breit gestreutes Portfolio mit Anlagen wie Aktien und Immobilien erhalten und vermehren.

5. Fehler: Geistige Buchführung

Geld, das für den Ruhestand geplant ist, wird selbst bei Engpässen von vielen Deutschen nicht angerührt.

Hierzu ein Beispiel: Ein Anleger hat 50.000 € für ein Ferienhaus gespart, das er in fünf Jahren kaufen will. Er erhält von seinem Kreditinstitut dafür 1 % Zinsen. In der Zwischenzeit kauft er ein Auto für 30.000 € – das gesparte Geld lässt er unangetastet und finanziert das Auto stattdessen über einen Kredit, der ihn 5 % Zinsen kostet. Das Endergebnis ist ein Nettoverlust von 1.200 € pro Jahr.



Autor:

Dr. Hans-Ulrich Lang

Steuerberater
53111 Bonn

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (9) Seite 62