Hausärzte ließen sich 2016 wieder etwas häufiger auf dem Land nieder: 10,3 % aller hausärztlichen Existenzgründer haben sich für die Praxis auf dem Land entschieden. Damit stieg der Anteil innerhalb eines Jahres um 1 %. Das legt die Analyse der Existenzgründungen unter den Ärzten 2016 dar, die jährlich von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) sowie dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) vorgelegt wird.

Ein Blick auf die Lage der Praxisgründungen zeigt, dass diese im vergangenen Jahr in den ländlichen Regionen und in den Kleinstädten (bis 20.000 Einwohner) anteilig insgesamt um rund 4 % zugenommen haben. Im gleichen Maße ist der Anteil der Existenzgründungen in größeren Städten gesunken.

Dabei wird auch ein leichter Anstieg bei den hausärztlichen Existenzgründungen deutlich, auch auf dem Land. Doch eine Entwarnung beim drohenden Hausärztemangel bedeutet das noch nicht, so die apoBank. Zwar zeige die monetäre und beratende Unterstützung unter anderem durch Initiativen der Kassenärztlichen Vereinigungen offenbar Wirkung. Allerdings sei es in erster Linie die Infrastruktur auf dem Land, die Bedenken bei den Existenzgründern hervorruft: Weniger Jobmöglichkeiten für den Partner, weitere Schulwege für den Nachwuchs, kaum Einkaufsmöglichkeiten und ein fehlendes Kulturangebot spielen durchaus eine Rolle bei der Entscheidung.

Nicht nur auf dem Land, sondern bundesweit bleibt der Hausärztemangel weiterhin eine Herausforderung für die Sicherstellung der Patientenversorgung, denn es rücken nicht genügend Hausärzte nach: 2016 betrug der Anteil der hausärztlichen Existenzgründungen 26,4 %. Zum Vergleich: In der bestehenden ambulanten Versorgung arbeiten 43,3 % aller Vertragsärzte als Hausärzte. Die sich hier abzeichnende Versorgungslücke werde durch den demografischen Wandel weiter befeuert, postuliert die apoBank. So werde die Bevölkerung im Durchschnitt älter und der Bedarf an Gesundheitsleistungen höher, demgegenüber wird der Anteil der Praxisinhaber, die kurz vor dem Ruhestand stehen, immer größer.

Einzelpraxis bleibt die häufigste Niederlassungsart

Die Niederlassung in einer Einzelpraxis ist bei Ärzten die häufigste Form der Existenzgründung und findet in der Regel durch die Übernahme einer bereits bestehenden Praxis statt. 2016 haben sich 54 % der hausärztlichen Existenzgründer auf diese Weise niedergelassen. Eine Praxisübernahme erforderte mit 134.000 Euro auch die höchsten durchschnittlichen Investitionen. Günstiger gestalteten sich zwar mit 104.000 Euro im Schnitt die Neugründungen von Einzelpraxen, doch diese finden nur sporadisch statt und lagen 2016 bei 5 %.

Kooperationsanteil bleibt stabil

Ähnlich wie im Vorjahr entschieden sich 41 % der hausärztlichen Existenzgründer 2016 für die Selbstständigkeit in Kooperationen. Die Niederlassungsformen hier sind sehr vielfältig, ebenso die dafür benötigten Investitionen: Die günstigste Form war 2016 der Kauf und die Überführung einer Einzelpraxis in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit 105.000 Euro. Am teuersten war die Übernahme einer BAG zusammen mit anderen Partnern, die mit durchschnittlich 129.000 Euro zu Buche schlug, jedoch ähnlich wie die Neugründung nur selten zustande kommt.

Großstadtpraxen hoch im Kurs

Ein Blick auf die Übernahmepreise zeigt, dass 2016 in der Großstadt mit durchschnittlich 100.000 Euro die höchsten Summen gezahlt wurden. Das bedeutet eine Steigerung um 27 %. Im Gegensatz dazu blieb der Durchschnittspreis für eine hausärztliche Einzelpraxis auf dem Land mit 68.000 Euro relativ konstant. Der Übernahmepreis spiegelt allerdings noch nicht alle nötigen Investitionen bei einer Existenzgründung wider. Er umfasst den ideellen Wert, der unter anderem vom Patientenstamm, dem Image und der Lage der Praxis abhängt, sowie den materiellen Wert, der sich durch die sich bereits in der Arztpraxis befindenden Einrichtungsgegenstände und medizinischen Geräte ergibt. Hinzu kommen – je nach Zustand und Ausstattung der Räume – unterschiedlich hohe Kosten für Modernisierung, Einrichtung oder medizinisch-technische Ausstattung.

Mehr Frauen unter den Existenzgründern

Bereits vor 5 Jahren hatte der Anteil der Frauen unter den ärztlichen Existenzgründern den der männlichen Kollegen erstmals überschritten, damals betrug das Verhältnis 50,4 zu 49,6 %. Mittlerweile ist dieser Unterschied deutlich größer: Im Jahr 2016 waren von allen Ärzten, die sich niedergelassen haben, 55,2 % Frauen und 44,8 % Männer. Obwohl der Anteil an Ärztinnen, die sich mit einer eigenen Praxis selbstständig machen, überwiegt und weiter zunimmt, liegt die ambulante ärztliche Versorgung immer noch vorwiegend in männlichen Händen: Bei den bereits niedergelassenen Ärzten sind Frauen mit 39 % nach wie vor in der Unterzahl.

Frauen neigen zur Einzelpraxis

Die apoBank-Analysen zeigen immer wieder grundlegende Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Existenzgründern: So lassen sich Frauen im Vergleich zu Männern deutlich häufiger in einer Einzelpraxis nieder. 2016 gründeten 63,5 % der Ärztinnen allein eine Praxis (bei Männern waren es 52,2 %), entsprechend sind mehr Ärzte als Ärztinnen eine Kooperation eingegangen. Ein Grund dafür ist, dass männliche Existenzgründer vor allem Fächer mit geräteintensiver Ausstattung wählen, die mit hohen Investitionen verbunden sind, die in einer Kooperation auf mehreren Schultern verteilt werden könnten. Frauen dagegen würden die Bereiche Gynäkologie (mit 83,3 %) und Psychotherapie/Psychiatrie (mit 77,6 %) oder Allgemeinmedizin (55,4 %) bevorzugen, die in der Regel als Einzelpraxen geführt würden. Betrachtet man die Existenzgründungen nach Alter, so fällt auf, dass Frauen sich im Vergleich zu Männern häufiger niederlassen, wenn sie unter 36 beziehungsweise wenn sie über 40 Jahre alt sind. Das hängt sehr wahrscheinlich eng mit der Familienplanung zusammen, da Ärztinnen mit Kinderwunsch sich entweder davor oder danach für eine eigene Praxis entscheiden, so die apobank. Das Durchschnittsalter von Frauen bei der Existenzgründung betrug laut der jüngsten Analyse 41,8 Jahre. Damit waren die Ärztinnen im Schnitt zum ersten Mal seit Beginn der Auswertung (im Jahr 2011) etwas jünger als ihre männlichen Kollegen mit 42,3 Jahren.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (5) Seite 28-31